Ich habe mir das Buch gekauft, nachdem Herr Bandelow in diversen Talkshows zum Thema aufgetreten ist. Im Nachhinein erscheinen mir schon diese Auftritte als eine Art Selbstbeweihräucherung, wie witzig (tolle Anekdoten), vielseitig (spielt in einer Band) und wichtig ("führender Angstforscher")er doch ist.
Trotz aller Erfahrung, die er sicher mit dem Thema Angst hat, nervt mich, dass er alles von der witzigen und ach so lustigen Seite sieht. Auch die ewigen Verallgemeinerungen ("Schüchterne sind..") und Witzeleien nerven. Man kommt sich als Betroffener teilweise nicht ernst genommen vor:
- "Schüchterne erhalten oft gar keinen Job". Dann zählt er auf, was man machen soll, um das zu ändern: "Den schicksten Dress sollen Sie nicht anhaben, sondern der Chef. Aber Sie sollten auch nicht grottenschlecht oder situationsinadäquat gekleidet sein." Ich denke, Sozialphobiker haben Angst, dass andere sie für dumm halten. Genau mit solchen überflüssigen Hinweisen bestätigt er die Angst.
-Dann warnt er Frauen: "Ein einst schüchternen Mann kann zum Beispiel ein Don-Juan-Syndrom entwickeln. Das heißt, dass er mit unzähligen Frauen flirten will..." Will er damit schüchterne Männer motivieren oder soll das wieder witzig sein? Ich weiß es nicht.
Insgesamt ist das Buch für meinen Geschmack zu oberflächlich. Die Beschreibung der "Sozialphobiker" ist zu pauschal und betont zu viel das Negative, das man nur zu gut kennt und nicht in jeder 3. Zeile lesen will. Konkrete Hilfen werden lustig und originell umschrieben. Das Problem: Es ist nicht lustig, wenn man betroffen ist. Wie man sich konkret selbst zu den Übungen motiviert, beschreibt er nicht. Leider ist Sozialphobie ernster als hier beschrieben.