Aus der Amazon.de-Redaktion
In einem einführenden Kapitel erläutert Eschbach, warum viele Prophezeiungen ins Leere laufen und vor allem, wie man die Zukunft nicht voraussagen sollte. Abseits von sensationalistischen Katastrophenwarnungen oder Glücksversprechen geht es ihm darum, den Rahmen abzustecken, innerhalb dessen wir vernünftig über unsere Zukunft sprechen können.
Die erste Hälfte des Buches nehmen die Naturwissenschaften ein. Gut informiert und in einem angenehm unaufgeregten Plauderton schildert Eschbach, was seiner Meinung nach von der Nanotechnologie zu halten und von der Gentechnik zu erwarten ist, wohin sich unsere Informationsgesellschaft mit Internet und Handy bewegt, ob wir tatsächlich in absehbarer Zeit auf dem Mars landen werden, womit wir künftig unseren Energiebedarf decken und ob uns eine Eis- oder eine Heißzeit bevorsteht. In der zweiten Hälfte geht es dann um Bevölkerungsentwicklung (wie viele Menschen und welchen Alters?), die Parameter eines möglichen Wertewandels, sowie um Politik und Alltag der Zukunft. Zum Schluss -- angehende SF-Autoren aufgepasst -- werden schließlich ein paar unvorhersehbare Entwicklungen angerissen, mit der nötigen Skepsis versteht sich, aber man weiß ja nie.
Das Buch von der Zukunft wendet sich nicht an Nostradamus-Fans, und auch Stammleser von Spektrum der Wissenschaft oder New Scientist werden eher enttäuscht sein. Andreas Eschbach legt mit überzeugenden Argumenten dar, wie die Welt jetzt aussieht und was sich aus seiner Sicht daraus für die Zukunft ableiten lässt. Dabei weiß er sich kurz zu fassen und stets allgemein verständlich zu bleiben -- eine Fundgrube also für alle, die weiterdenken und sich dabei glänzend unterhalten möchten. --Felix Darwin -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Das Buch von der Zukunft von Andreas Eschbach. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Vorhersagen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen", wusste schon der Komödiant Karl Valentin ebenso treffend wie kauzig zu bemerken. Und zweifellos hat er Recht. Etwas mag sich in dem Moment, in dem es vorhergesagt wird, noch so plausibel anhören - eine Gewähr dafür, dass es später auch so kommt, ist das nicht.
Prophezeiungen, die niemand nachprüft
Überaus amüsant ist es beispielsweise, in Antiquariaten durch alte Jahrbücher mit angeblichen prophetischen Vorhersagen zu blättern, die alljährlich unter Namen wie "Nostradamus" oder anderen, weniger prominenten Sehern erscheinen und offenbar regen Absatz finden. Doch kaum einer von denen, die diese Broschüren kaufen, scheint jemals am Ende eines Jahres - wenn die Ausgabe für das nächste Jahr zum Kauf ausliegt - nachzuprüfen, wie viele der Vorhersagen eigentlich eingetroffen sind. Täten das viele, müsste der Absatz derartiger Broschüren binnen kurzem unter die Rentabilitätsschwelle sinken, denn die Bilanz ist verheerend: Da wurden nicht nur Kriege prophezeit, die nie stattfanden, Attentate auf Herrscher, die immer noch leben oder inzwischen eines friedlichen Todes gestorben sind, Seuchen und Sintfluten, nein, selbst die Ankunft Außerirdischer oder die Wiedereinsetzung des Königtums in diversen Ländern, die uns als gefestigte Demokratien
geläufig sind, hätten längst stattfinden müssen. Wirklich weltbewegende Ereignisse wie der Anschlag auf das World Trade Center in New York, der Fall der Mauer oder meinetwegen der Unfalltod von Prinzessin Diana wurden dagegen regelmäßig nicht vorhergesagt, sondern kamen auch für diese obskuren Berufspropheten so überraschend wie für den Rest der Menschheit.
Warum finden solche banalen Voraussagen trotzdem Käufer? Mir scheint, dass es manchen Menschen lieber ist, irgendeine Vorhersage für die Zukunft zu haben - und sei es eine hanebüchene - als gar nichts, woran man sich halten kann. Wenn uns das Unbekannte, wofür die Zukunft grundsätzlich steht, zu sehr Angst macht, ist das eine verständliche Reaktion.
Diese Art Zukunftsdeutung ist allerdings nicht das, wovon dieses Buch handeln soll.
Prophezeiungen im Nachhinein
Man kann es natürlich auch ganz schlau anstellen - so wie "Xineohpoel" alias "Sollog", jener selbst ernannte Seher, der im Internet jahrelang mit erstaunlich treffsicheren Vorhersagen für Aufsehen sorgte: Sei es das Bombenattentat von Oklahoma, der Unfalltod Lady Dianas, alles hatte er angeblich vorher gewusst, Kleinigkeiten wie Erdbeben sowieso. Als er dann aber auch das Attentat vom 11. September 2001 vorausgesagt haben wollte, fanden gewiefte Rechercheure heraus, dass er schlicht seit Jahren schummelte: War etwas Bemerkenswertes geschehen, fügte er rasch - nachträglich also - eine entsprechende, beeindruckend klingende Vorhersage ein und datierte sie einfach ein paar Tage oder Wochen zurück. Außerdem deponierte er regelmäßig dunkelsinnige Texte in Newsgroups, die er, wenn etwas Aufsehenerregendes geschah, im Nachhinein zu Vorhersagen uminterpretierte - oder einfach wieder löschte.
Prophezeiungen über eine Zukunft, die niemand mehr erleben wird
Auf der sicheren Seite ist man auch, wenn man seine Vorhersagen einfach weit genug in die Zukunft verlegt. Wenn sie eintreffen, schön - und wenn nicht, macht es auch nichts, weil niemand mehr da sein wird, der einen dafür belangen könnte.
Die Astrophysiker zum Beispiel glauben zu wissen, "wohin das alles führen wird". Ihnen zufolge sieht unsere Zukunft folgendermaßen aus:
In ein paar Milliarden Jahren wird sich unsere Sonne zu einem Roten Riesen aufblähen, die Ozeane der Erde werden verdampfen, alles, was da kreucht und fleucht, wird im Hitzesturm verbrennen und der Planet zu einer kahlen, leblosen Gesteinskugel werden.
In etwa 100 Milliarden Jahren wird in der Milchstraße alles Material verbraucht sein, aus dem Sterne entstehen könnten; in 100000 Milliarden Jahren gilt das für alle Galaxien des Universums. Die letzten Sterne werden ausbrennen, danach wird es dunkel im Universum bis ans Ende aller Zeiten. Schwarze Löcher werden nach und nach die noch existierende Materie verschlingen, irgendwann die Größe von Galaxien überschreiten und schließlich, über einen Zeitraum, der alle bis dahin verstrichene Zeit um das Trilliardenfache überschreitet, zerstrahlen, bis nichts mehr übrig ist.
Hu-ah! Schauder.
Was für ein Glück, dass wir jetzt leben, oder? Bei solchen Aussichten kommt einem ein anstehendes Examen gleich nicht mehr ganz so schrecklich vor.
Aber stimmt das überhaupt? Es ist ja schließlich nur eine Theorie, und eine unmöglich zu beweisende dazu, denn sie stellt Behauptungen über eine Zukunft auf, die so weit weg ist, dass sich bis dahin garantiert niemand mehr an diese Behauptungen erinnern wird.
Hinzu kommt, dass es durchaus auch jetzt schon konkurrierende Vorhersagen gibt. Das oben beschriebene Bild etwa entstammt dem kosmologischen Modell eines sich endlos ausdehnenden Universums. Andere Astrophysiker vertreten die Ansicht, das Universum werde nach einer Phase der Expansion - in der wir leben -wieder kollabieren, und zwar in etwa 100 Milliarden Jahren. Daneben gibt es nicht weniger renommierte Wissenschaftler, die ein Universum ohne Anfang und ohne Ende postulieren.
Was stimmt denn nun?
Die Zeit wird es zeigen, zweifellos, aber keiner von uns wird erleben, wer Recht hat. Wir werden unser Leben ohne diese Information zu Ende leben müssen.
Aber so schlimm ist das ja nun auch wieder nicht, oder? -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .