Das Werwolfbuch des anglikanischen Pastors Baring-Gould ist zwar ein Klassiker in der Literatur des Okkultismus, aber es ist sehr amateurhaft und daher für jeden, der sich wissenschaftlich mit der Geschichte der Werwolfmythen befasst, von geringem Wert, da der Autor historische Überlieferungen, antike Mythen und neuzeitliche Sagen durcheinander wirft und nicht immer deutlich wird, wann er eine Geschichte selbst erfunden hat (man nennt das in Anlehnung an Folklore "Fakelore"). Störend ist vor allem die mangelnde begriffliche Schärfe, die dazu führt, dass Baring-Gould dem angeblichen Massenmörder Gilles de Rais gleich drei Kapitel widmet, ohne zu klären, warum dieser höchst dubiose Fall in die Geschichte der Werwölfe gehört. Wer sich wirklich informieren und nicht nur ein wenig gruseln möchte, muss entweder zum fast zeitgleich (1862) erschienenen Studie von Wilhelm Hertz oder zu neueren Titeln greifen, von denen allerdings keins wirklich befriedigen kann. Wer keine akademischen Ansprüche stellt, ist mit der deutschen Übersetzung hingegen ganz gut bedient. Allerdings hätte sich der Übersetzer wenigstens die Mühe machen können, die lateinischen Zitate des Originals ins Deutsche zu übersetzen, denn im Gegensatz zum Pastor und Lateinlehrer Baring-Gould kann er nicht erwarten, dass jeder noch Ovids Metamorphosen im Original zu lesen in der Lage ist.