Die Annäherung an Geschichte erfolgt oft über Quellen, die abstrakt zur Mentalität, zur Ideologie oder zur Politik der Zeit Auskunft geben. Wie aber lebten die Menschen, was bewegte sie in ihrem Alltag, worüber freuten sie sich - und woran litten sie? Mit dem "Buch Weinsberg" liegt ein Erinnerungswerk vor, das man jedem, der an einem Einblick in die Lebenswelt und Lebenswirklichkeit eines Menschen der Renaissance interesiert ist, nur dringend ans Herz legen kann. Und manches Überzeitliche ist darin auch zu finden: z.B. Weinsbergs kommunalpolitische Karriere, die mehr mit Zufällen als mit Zielstrebigkeit zu tun hatte, und sein lebenslanger Kampf mit Trunksucht und Faulheit. Eine Lehre der Lektüre: Gar so viel unterscheidet den modernen Menschen von seinen Kollegen von vor 500 Jahren nicht...