Ja, wer einmal bei den Nachrichten aus Mittelerde angelangt ist, für den bleibt nicht mehr viel deutschsprachiges von Tolkien übrig, und so lesen die meisten dieses Buch.
Doch auch der grösste Tolkien-Fanatiker (z.B. ich) muss zugeben, dass die Geschichten an sich kaum lesenswert sind, wenn man nicht weiss welch ein Meisterwerk später daraus wurde. Man merkt, dass wir hier erst in den Anfängen eines langen Prozesses stehen, und nur selten blickt etwas von Tolkiens Genie durch.
Wohlverstanden: Als Sekundärliteratur, um zu verstehen, wie Tolkiens Werk entstandem ist, kommt man an diesem Buch nicht vorbei, und es ist sehr zu empfehlen. Aber die reinen Texte vermögen selten zu fesseln. Und die Anmerkungen Christopher Tolkiens, die etwa die Hälfte des Buches ausmachen, beschränken sich grösstenteils auf Erwähnungen, was in einer anderen Version noch einmal anders war (mal ehrlich: Wenn interessierts?) oder er zeigt Parallelen resp. Unterschiede zum Silmarillion auf, auf die ich auch selbst gekommen wäre.
Nach dem Lesen kann man sich aber an die Verschollenen Geschichten Teil 2 machen, die mit weit ausgereifteren Geschichten, zum Beispiel dem genialen Fall von Gondolin, zu überzeugen zu wissen, ohne das Gefühl zu haben ein Buch ausgelassen zu haben. Und wer des englischen mächtig, ist, auf den warten noch zehn weitere Bände.
Fazit: Wer sich wirklich für Tolkien interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei, darf aber kein zweites Silmarillion erwarten.