Das Buch der Umarmungen von Eduardo Galeano ist ein Buch mit teils heiteren, teils melancholisch verträumten Geschichten. Ein Lesebuch, das man gerne auf einen Rutsch durchliest, aber auch anschliessend immer wieder gerne zur Hand nimmt. Die Geschichten zu allen Lebenslagen, focussiert auf den Hintergrund Lateinamerikas, bilden ein Gerüst verschiedener Lebensweisheiten und -erfahrungen, die zum Nachdenken anregen.
Ein Beispiel, das mir besonders ans Herz gewachsen ist: Galeano erzählt von einem Jungen, der das Meer nicht kannte. Als er es das erste Mal sah, war er so erschüttert und ergriffen von der unendlichen Weite, dass er zitternd und stumm stand, bis er schliesslich zu seinem Vater sagte "Hilf mir schauen". Dabei beschreibt Galeano die Stimmung und die Gefühle so ergreifend, dass man sich selbst in diese Lage hineinversetzen kann und erkennt, aus welchen Wundern unsere Erde besteht, die wir tagein tagaus gar nicht mehr wahrnehmen ...
Wem die Liebesgedichte von Pablo Neruda gefallen, wer die moderne lateinamerikanische Literatur mag und die intensive, philosophisch-hinterfragende und lebensbejahende Stimmung heutiger Latino-Literatur schätzt, dem wird auch dieses Buch gefallen.
Das Buch ist ein lebenslanger Begleiter, und es hebt die Laune: Man legt es immer in besserer Stimmung weg, als man es zur Hand genommen hat.