Unter dieser Überschrift, die signalisieren soll, daß das Tagebuch eine ganz besondere Form des subjektiv-intimen Schreibens ist, gibt der Herausgeber Rainer Wieland eine knappe Einführung in die populäre Schreibgattung, in der sich viele Menschen zumindest schon einmal versucht haben. Die Anthologie "Das Buch der Tagebücher" versammelt 174 Autoren aus mehr als 500 Jahren, vom Logbuch von Kolumbus (Oktober 1492) bis zum Eintrag im Weblog (Dezember 2007). Der Leser stößt auf eine kunterbunte Mischung von Menschenbeobachtern, Klatschmäulern, Reisenden, Nabelbeschauern, Aphoristikern, Misanthropen oder auch Erotikern und Eckermännern. Allesamt bieten sie, ob gewollt oder nicht, Einblicke in ihr Privates.
Das "Buch der Tagebücher" verwendet selbst die Form eines Diariums vom 01. Januar bis zum 31. Dezember. Jeder Monat wird mit einer schönen Faksimilekopie eines handschriftlichen Tagebucheintrags begonnen: Goethe, Kafka, Robert E. Scott, Alexander von Humboldt, Harry Graf Kessler, Victor Klemperer, Theodor W. Adorno, Charles Darwin, Samuel Pepys, Joseph Goebbels, Walter Kempowski und Anne Frank. Es bietet sich an, z.B. das Jahr 2011 Tag für Tag mit der entsprechenden Lektüre in diesem voluminösen Werk zu erleben.
Damit nicht genug: Alle Autoren werden in einem Anhang vorgestellt. Weiterhin listet der Herausgeber, der nur Zitate aus veröffentlichten Tagüchern aufgenommen hat, alle verwendeten Diarien auf, so daß eine vertiefende Beschäftigung mit einzelnen Autoren erheblich erleichtert wird. Ein Register der Tagebuchautoren schließt den Band ab - hier allerdings wäre die Angabe von Seitenzahlen nützlicher als der Hinweis auf Tagesdaten gewesen.
Ein prächtiges Geschenkbuch, mit dem man andere und / oder sich selbst bestens erfreuen kann.