Dieses Buch erzählt nicht irgendetwas, sondern weist einen Weg in das große Geheimnis des Lebens, zu GOTT. Rainer Oberthür hat sich also nicht gerade wenig vorgenommen, genau genommen: alles. Das hat man erwarten dürfen. Denn mit Halbheiten hat sich dieser Autor noch niemals abgegeben. So ist sein neues Buch ganz schön schwer geworden - im tatsächlichen Sinn. Es bringt mehr Gewicht auf die Waage als so manche Bibelausgabe.
Diese Assoziation ist nicht aus der Luft gegriffen. Rainer Oberthür ist schließlich der Autor der "Bibel für Kinder und alle im Haus", die womöglich staunenswerteste, innovativste und zugleich konservativste, die ästhetisch ansprechendste und tröstlichste Neuausgabe der Heiligen Schrift, die es in den letzten Jahren gegeben hat.
Diesmal freilich geht es um Symbole, was kein Rückschritt ist, im Gegenteil: Erneut und doch auch wieder anders bahnt Oberthür dem Leser einen Weg dorthin, wo die Leidenschaft zum Zuge kommen darf: Er will das Geheimnis des Lebens ergründen, ohne ihm das Erstaunliche zu rauben. Warum soll das ausgerechnet dank Symbolen glücken? Sie haben in der Welt der Immer-Wissenden, der Ständig-Redenden, der Tatsachenfetischisten und der oft bis hin zur totalen Farblosigkeit hinein entmythologisierten Theologen keinen hohen Stellenwert. Es handle sich ja "nur" um Symbole, heißt es oft. Dieser Hinweis wird dann gleich als Sprungbrett genutzt, um loszupreschen und Symbole auf eine Weise zu erklären, bis von ihrer fantastisch tiefen Kraft nichts mehr übrig bleibt.
Anders Rainer Oberthür: Der Pädagoge stellt 40 Symbole vor, fasst sie in unterschiedliche Landschaften zusammen und wandert durch sie hindurch: Ein Abenteurer, der erklären und sich zugleich noch wundern kann. Da ist ein kindlich Reflektierender und ein erwachsener Enthusiast in einem am Werk. Er lässt den Leser nicht nur lesen, sondern auch schauen: Eindringliche Fotos und berührende Bilder von berühmten und auch großen unbekannten Künstlern. Dazu treten Anekdotern, Erzählungen, Lieder. Auch biblisches, historisches und naturwissenschaftliches Wissen wird ausgebreitet. Letzteres ist deshalb wichtig, weil Oberthür nun auch wieder nicht der Gefahr unterliegt, zum Bilderschwärmer zu werden. Nein, er taucht nicht in eine Welt ab, in man angeblich nichts mehr klären könne, er ist kein Schwebender, der jedes Argumentieren aufgegeben hat. Die Folge wären Sprachlosigkeit und Einsamkeit. Davor warnt Oberthür, weil er Symbole nicht als reine Jenseitsbotschaften verklären will. Natürlich sind sie das ja letztlich doch - Wegweiser in eine himmlische Welt! Sie werden es indessen erst, indem sie auch real und irdisch sind und bleiben: Tatsache und Geheimnis zugleich.
Die Lektüre dieses Buches ist konkret und wundersam: Man merkt auf, unterbricht sich, kommt auf immer neue Ideen, beginnt zu blättern, vor und zurück. Dieses Werk wird kaum jemand einfach so von vorn nach hinten lesen - was als Kompliment zu verstehen ist: Es breitet sich ein so großer Reichtum aus, dass man nicht ans Ende kommen kann und will. Rainer Oberthürs Entdeckungsreise durch die Welt der Religion ist selbst zu einem Symbol geworden - es erzählt von jenem Buch des Lebens, in dem das Staunen an kein Ende kommt.