Wäre Monique Truong keine Frau, hätte ich gedacht, dass dieses Buch eigentlich nur ein Mann geschrieben haben kann. Man kann immer wieder schön in Beschreibungen schwelgen (Lebenserinnerungen, Zubereitungen von Gerichten, Beobachtungen von Leuten und Situationen. Z.B. Ich begann zu begreifen, wodurch sich fleur de sel auszeichnet. Es ist die allmähliche Enthüllung seines wahren Wesens, die es von dem gewöhnlichen Meersalz unterscheidet, das mich in den meisten französischen Küchen erwartet. Eine Entwicklung, ein Anschwellen und Nachlassen, bei dem seine Salzigkeit spürbar wird, sich verstärkt und dann verschwindet. Stellen Sie es sich vor wie einen Kuß im Mund...weil Bao gern dem Luxus so nahe, gern so vertraut war mit den Gerüchen der zerknitterten Wäsche, aufgehäuft in seinen Armen, die nach Lavendel duftet von den frischgebadeten Körpern der Frauen, die er nie kennenleren würde, den Gerüchen des Parfüms und des Zigarrenrauchs, die noch in der Luft tanzten, wärend er um drei Uhr morgend die Decks säuberte...Und wie alle, die dienen, mußte er Trost in Reichtum und Genuß suchen, auch wenn es nicht die seinen waren), die dann aber immer wieder jäh unterbrochen werden - damit ist alles Vorhergehende für mich zunichte gemacht. Vielleicht soll es ja eigentlich ironisch liebevoll gemeint sein, für mich war es aber derb und oft auch eklig.
Oft wird mit Andeutungen gespielt (ist er nun homosexuell? welches ist nun sein richtiger Name? ist der Alte Mann sein Vater? was hat er mit fremden Männern gemacht - für die gearbeitet bedeutet?), wovon sich nur einige mir nach und nach erklärten - da konnte ich mich auch nicht recht mit anfreunden, ich mags lieber gleich klar oder immer vage/verklärt - aber gackern und kein Ei legen - nee.
...wenn der Köter in allen Ecken des Hauses sein Geschäft erledigt und mit seiner Scheiße und seinem Urin die Holzfußböden ruiniert...weil ich zu gefesselt von der Oberlippe bin, auf der die schwarzen Haare leise zucken, wenn die Frau spricht. Ihr Schnurrbart, denke ich, würde meine drei Brüder samt und sonders mit Neid erfüllen, die erst nach Wochen ungehemmten Wachstums auf etwas hoffen konnten, das diesen Namen verdiente...Er hat niemals den Blick eines Fremden direkt erwidert, ist ihm in sein Hotelzimmer gefolgt und hat dort im Dunkeln gearbeitet...Ich vergesse, daß ich diese Wörter zusammentragen mußte wie Glassplitter in meiner Hand, mit getrocknetem Blut unter den Fingernägeln...
Ohne diese Brüche hätte es die volle Punktzahl von mir bekommen. Eine einfache, schnörkellose Lebensgeschichte, doch schwelgerisch und geschichtlich interessant. Vietnamese um die Jahrhundertwende bekommt die Stelle als Koch bei der Schriftstellerin, Kunstsammlerin und Mäzenin Getrude Stein, die mit einer Frau und zwei Hunden in Paris zusammenlebt. Rückblickend erzählt er von seiner Mutter, wie er aufwuchs, wegging, endlich einen Mann fand, der ihm jedoch nur irgendwann einen Zettel zurücklies und auch die zwei Frauen scheinen nach Amerika zurückzugehen und mir blieb unklar, ob sie Ihren Koch einfach zurücklassen wollten...
Außerdem störend: unerklärte Wörter aus dem Vietnamesischen?