Hans Klotz's „Buch von der Orgel" ist sicherlich ein Standardwerk, was Fachliteratur über den Orgelbau angeht. Auf knapp 250 Seiten bekommt sowohl der interessierte Laie, als auch der Musiker und Orgelbauer einen interessanten Überblick über verschiedenste Pfeifenorgelkonzepte.
Das Buch ist zwar durchgehend im S/W-Druck - dass tut der Übersichtlichkeit der zahlreichen Graphiken und Abbildungen jedoch keinen Abbruch. Die zahlreiche Verwendung von Abbildungen und Textauszügen in namhaften Nachschlagewerken deutet auf den Anspruch Standardwerk zu sein hin.
Nach dem Lesen des Buchs weiß der werte Leser, wie eine Orgel funktioniert, und kennt ferner auch die Funktion diverser Spezialbaugruppen (Barker-Hebel, Wellenbrett). Die Beschreibung unterschiedlichster Mixtur-Konzepte verdient herausragendes Lob. Im Anhangteil überzeugt ein umfangreiches Register-Lexikon, (Barock-) Dispositionen und eine große, herausnehmbare Orgelschemazeichnung.
Die erste Hälfte des Buchs bezieht sich auf die detaillierte Darstellung des Aufbaus einer Orgel, der zweite Teil geht auf spezielle Sachfragen ein was es bei der Orgelplanung, beim Orgelspiel usw. zu beachten gilt. Außerdem erfährt der Leser in einem kleinen Auszug etwas über die Geschichte des Orgelbaus von der Antike bis zur Gegenwart - auf die heutigen Orgellandschaften wird dagegen nur sehr rudimentär eingegangen. Beim Autor Klotz wird sehr deutlich, dass er ein ausgesprochener Befürworter der klassischen Barockorgel ist - andere Orgelkonzepte (die romantische, die symphonische, die lineare, die kontrapunktische, die aleatorische Orgellandschaft) kommen nicht zur Sprache. Ein wenig vermisst man heutige Trends und Neuerungen des heutigen Orgelbaus (Effektregister, Elektroakustische Register, MIDI-Einbindung, das Cubus-Register)
Trotzdem ist dieses Buch unbedingt zu Empfehlen: Der Autor Hans Klotz besitzt größte Sachkenntnis - überdies ist die Sprache durchgehend sauber und verständlich, ein nicht zu unterschätzender Umstand auch bei einem Sachbuch.
Florian Goisl