'Das Buch NIEMAND' ist nichts weniger als die pure Dekonstruktion für das selbst verliebte und nach Erleuchtung strebende ICH, das alles Mögliche tut, um dem Zustand näher zu kommen, den es seit der Entwicklung seines Selbstbewusstseins lediglich vergessen hat. Ob es in Form von exzessivem Whisky-Trinken oder endlosem Flanieren durch die Einkauspassagen geschieht, ob als bürgerlicher Kirchenbesuch getarnt oder Mantra-chantend in Ehrfurcht vor dem Esoterik-Guru erstarrt: Es ist alles gleichermaßen hilflos, hoffnungslos und sinnlos, was der nach Erlösung und Sinn süchtige Mensch in dieser Welt unternimmt.
Mit kenntnisreichem Wissen der entscheidenden kulturellen und religiösen Entwicklungen unserer Zivilisation, schnörkellos klar und kompromisslos spricht Richard Sylvester als erfahrener Psychotherapeut, weich gekocht durch 30 Jahre praktizierte Meditation, vom eigentlich Unsagbaren: Dem Sehen des Einen und Ganzen. Advaita mit britischem Sprachwitz!
Ob in Form einer historischen Zusammenfassung oder eines Exkurses aus der Welt der Philosophie und Literatur, jedes Kapitel ist wie eine nukleare Explosion, die all die lieb gewordenen Selbstbilder und Projektionen vernichtet. Was dabei übrig bleibt? Vielleicht das, was die Beatles in einem ihrer Songs zum Ausdruck brachten: 'nothing is gonna change my world.' nothing = no thing = kein Ding, keine Form; Leere und Stille, gesehen von keinem geringeren als von NIEMAND. Hört das Beschreiben und Analysieren der Welt auf, erscheint alles wie es ist: einfach als unendliches Sein. Fazit: Lesen, genießen und - entspannen!