- Unbekannter Einband
- Verlag: Zürich, Ammann 2002, (2002)
- ASIN: B003TKSNQQ
- Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
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Produktinformation
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Auch vom Lärm, der zunächst "viel zu laut für ein Baby" aus den Boxen dröhnt, lässt sich das Neugeborene keinesfalls beeindrucken, im Gegenteil, scheint es doch vollkommen in der Musik aufzugehen, und das, obwohl "Last Trip to Tulsa" nicht etwa eines der "vielen harmonischen, selbst Frauen und Kindern zugänglichen, mitunter zugegeben seichten, vereinzelt ... peinlichen Lieder" ist, sondern vielmehr eines, das die Liedstruktur "von innen zertrümmert". Während Kernani in schweren Ausfallschritten schwankend stolziert und seine Tochter wie ein "betrunkenes Kamel" herumschwenkt, kommen ihm über die Jahre die haarsträubendsten Assoziationen und die kuriosesten Welterklärungsmodelle, von Heidegger über Adorno, von der ersten Nassrasur bis zu dem Gefühl, einen "euphorischen, kosmischen Orgasmus" erlebt zu haben.
Kernani ist ein Young-Fan erster Güte, der früher vielleicht geglaubt haben mag, "dass man Neil Young immer braucht, aber inzwischen denkt, man kommt die ersten paar Tage auch ohne ihn über die Runden". Seine Liebe zu Young gipfelt im Lob der sprachschöpferischen Raffinesse einer fünfzeiligen Strophe, die aus nichts als dem 15-maligen tantra-artigen Wiederholen des Wortes "Helpless" besteht. Trotz seiner witzigen Selbstironie ist Kernani objektiv genug, Young einige Schwächen zu attestieren, so z.B. im Gitarrenspiel, seinen Bibel-Kenntnissen oder seinem schwer verständlichen Gebrabbel in Jim Jarmuschs Film "The Year of the Horse" - doch, sind wir ehrlich, wissen wir alle, dass das akustische Verständnis der Texte Neil Youngs ohnehin nicht wichtig ist, weiß man doch sowieso, worum es geht. Dadurch bleibt das Buch lesbar, ohne sich in Fachsimpeleien oder gar Verklärungen des Idols zu ergehen und sogar der musikalische Laie erhält einen gründlichen Einblick in das Werk des Kanadiers.
Gleichzeitig gibt Kernani in seinen Interpretationen immer auch ein großes Stück von sich selber preis. Dadurch stellen sich seltsame Deja-vu-Erlebnisse beim Lesen ein, ja man ist vielfach versucht, Kernani sofort zu schreiben, so sehr spricht er einem von der Seele. Vor allem wenn er die Erklärung für den skurrilen Titel gibt, den er von einer Handschrift, dem „Buch der vom Koran Getöteten", ableitet, worin von Mystikern die Rede ist, die den Koran gehört haben und darüber gestorben sind, was für Kernani keineswegs kurios oder unglaubwürdig ist, da er selbst all seine Wünsche und Erfahrungen der letzten Jahre auf einen einzigen, flüchtigen Moment ausrichtet, nämlich auf den, wenn Neil Young das abschließende "Dead" von "Down by the River" ruft. So ist das "Buch der von Neil Young Getöteten" ein leidenschaftliches, ein fesselndes Buch, aus dem man am liebsten seitenweise zitieren möchte. Es ist voller Enthusiasmus für das Werk eines der größten Gitarristen, es ist das Beste, was je über Neil Young geschrieben worden ist und es ist sicherlich einer der besten Wegweiser über die Leidenschaft zur Rockmusik und ihren Auswirkungen auf das Leben.