Meine bisherigen Jan Weiler Erfahrungen waren durch "Maria, ihm schmeckt's nicht" und "Mein Leben als Mensch" geprägt, die ich mit großer Freude und viel Geschmunzel gelesen habe. Insofern habe ich mich sehr gefreut, als ich eher durch Zufall auf dieses "Buch der 39 Kostbarkeiten" gestoßen bin. Da ich Jan Weiler bis dahin wirklich gerne gelesen hatte, habe ich es mir also sogar als Hardcover gegönnt. Nun, was soll ich sagen? Ich war vor allem überrascht. Hatte ich leichte, erheiternde Kost erwartet, wurde ich hier mit einem Potpourri aus teilweise sehr ernsthaften journalistischen Reportagen (z.B. über einen versehentlichen Totschlag durch einen Polizisten und wie es dazu kommen konnte: "Einer fehlt") und Interviews überrascht, z.B. mit Vicco von Bülow (Loriot) oder Peter Alexander. Dazu kamen Berichte über Lesereisen, Kurzgeschichten bspw. über das Ansehen einer Schlagersendung und Stilblüten aus seinen Anfängen sowie Auszüge aus den o.g. Büchern und Kolumnen. Geradezu greulich waren die Beiträge, die er unter seinem Pseudonym für die Cosmopolitan geschrieben hatte. Das Ganze wird garniert mit etwas seltsam anmutenden Fotos von toten Eichhörnchen oder einsamen Kühen hier und da im Buch verstreut. Trotz der für mich eher ungewohnten Kost aus der Feder Jan Weilers habe ich mich bis zum Ende durchgelesen. Mein Fazit: es gibt ein paar wirkliche Highlights im Buch wie die oben erwähnte Reportage aber auch eher bescheidene Stücke, so daß man sich fragt, was ihn oder den Verlag ausgerechnet zu dieser Auswahl bewogen haben mag? Das wird leider erst am Ende des Buchs im Quellenverzeichnis aufgeklärt, wo man zu jedem Stück erfährt, wann es geschrieben wurde, aus welchem Anlass und wo es erschienen ist. Meiner Ansicht nach hätte es dem Buch sehr viel besser getan, wenn diese einleitenden Texte direkt vor jedem der 39 Beiträge gestanden hätten. Dadurch könnte man gleich beim Lesen die durchaus spannnende Entwicklung Jan Weilers mitverfolgen und wäre innerlich auf die kleinen Ausrutscher eingestellt gewesen, ja würde sich ihm "als Mensch" mit diesen kleinen Patzern noch eher verbunden fühlen können. Einen Stern Abzug gibt es also für den wirklich ungelungenen Aufbau des Buches, den anderen für die Auswahl der Beiträge: während ich ein paar Ausrutscher durchaus amüsant finde, hätte ich mir doch wesentlich mehr Highlights als Ausrutscher gewünscht.