Rezension
Zeitgleich veröffentlicht das Label Celestial Harmonies eine Jubiläums-CD (Duobox), die authentischer nicht sein könnte: Otte spielt Otte - "Das Buch der Klänge", "Stundenbuch" und "face à face", vollständig und ungekürzt. (Die Welt, 03.Januar 2007) Die von Otte über die Jahre eingespielten Aufnahmen dieser in seinem Schaffen zentralen Klavierwerke besitzen nun allein einen authentischen Charakter, weil er als Interpret jegliche Tonregung und Dosierungen der dynamisch an- und abschwellenden Linienführungen mit entsprechender Noblesse, Ruhe, Klarheit und Schönheit umsetzt. (Rondomagazin, 02. Februar 2007) Zum 80. Geburtstag hätte man dem Pianisten, Komponisten und verdienstvollen Bremer Musikredakteur Hans Otte wohl kein schöneres Geschenk machen können als diese Produktion mit den Hauptwerken seines KlavierOevres, eingespielt vom Geburtstagskind höchstselbst, das in den 1950er Jahren noch unter Hindemith konzertierte. --
Fono Forum - Musik: 5/5 Sterne, März 2007
Der Künstler über die CD
Exemplarisch offenbart sich Ottes traditionsgeschulter Sinn für neuen Klang im zwölfteiligen Klavierzyklus »Das Buch der Klänge« (OWV 42, 1979-82). Mit seinem zweiten großen Klavierzyklus Stundenbuch (OWV 62, 1991-98) setzt Otte den begonnenen Weg der integrativen Öffnung fort, diesmal das 'Wesentliche, scheinbar Einfache' noch stärker fokussierend: Ottes gelebter Dialog mit japanischer Zen-Tradition, begonnen fast zeitgleich mit einer jahrzehntelang währenden Freundschaft zu John Cage, fortgesetzt während mehrfacher Aufenthalte in Japan, führte den Komponisten zu seiner offenen, Hörer wie Interpreten (durchaus im Cage'schen Sinne) 'frei lassenden' Klangarbeit, die aleatorischer Techniken jedoch nicht bedarf.