Nach zuletzt etwas irritierenden Veröffentlichungen ist dieses Buch endlich wieder ein Auster der "alten Schule" und hat alles, was auch seine früheren Werke ausgemacht hat:
1. Eine fast klassische Detektivgeschichte
David Zimmer spürt nach einer persönlichen Tragödie - gewissermaßen als Beschäftigungstherapie - den in alle Welt verstreuten Werken des vergessenen und verschollenen Stummfilmregisseurs und Darstellers Hector Mann nach. Nachdem er schließlich das Standardwerk über Mann veröffentlicht hat, meldet sich dessen Frau überraschend bei ihm: Mann lebt noch und will ihn kennen lernen. Ohne zu viel vorweg zu nehmen, hebt die Geschichte an diesem Punkt erst wirklich ab und die recherchierte Biographie der verschollen geglaubten 60 Lebensjahre von Hector Mann ist einer der Höhepunkte des Romans, eine Geschichte in der Geschichte.
2. Der Zufall als bestimmendes Lebens-Element
Wie in allen Auster-Romanen spielt auch hier der Zufall (lies: das Schicksal) eine entscheidende Rolle. Was-wäre-passiert-wenn-Situationen markieren die Biographien fast aller Protagonisten. Doch trotz und wegen aller Zufälle ist die Konsequenz, Zielstrebigkeit und Unausweichlichkeit bestechend, mit der sich ihre Geschichten entwickeln.
3. Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis
Fast alle Charaktere im Buch der Illusionen sind emotional zerrissen, auf der Suche nach sich selbst und ihrem Seelenfrieden. Diese Suche ist die Triebfeder ihres Lebens und führt schließlich zur dramatischen Klimax, in der alle Lebenswege in einem Zeitraum von nur 24 Stunden zusammen und wieder auseinander laufen.
Last not least beschreibt Auster im Buch der Illusionen minutiös einige Filme von Hector Mann. Und wenn dieses Buch sonst nichts taugte - eine Drehbuchvorlage für wenigstens drei gute Filme wäre es allemal.
Unterm Strich eine spannende und gut erzählte Geschichte, eine Studie von Zufall, Selbstfindung und Unausweichlichkeit - und einfach ein gutes Buch.
Für Auster-Freunde ein Muss, für alle anderen eine bedenkenlose Leseempfehlung.