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26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kniga Gitlera - eine Quelle zur Zeitgeschichte, 14. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Buch Hitler. Kommentierte Ausgabe (Gebundene Ausgabe)
Es gibt wohl kaum einen Zeitraum der deutschen Geschichte, der so gut erschlossen, der so umfassend erforscht ist, wie die zwölf Jahre der Herrschaft Hitlers. Dass sich der historischen Reflexion dennoch immer wieder neue Blickwinkel erschließen, liegt vor allem an zwei Dingen. 1. werden die vorliegenden Fakten immer wieder neu gedeutet, Akzente der Deutung unmerklich verschoben, bisher weniger beleuchtete Kapitel und Facetten des Regimes betrachtet und das Gesamtbild damit abgerundet. Und 2., und das scheint mir der wichtigere Aspekt, gibt es immer noch Historiker, die weniger primär reflektieren, sondern wirklich forschen und neue Quellen erschließen. Hier haben wir einen solchen Fall, der meiner Meinung nach Spektakuläres ans Licht der Öffentlichkeit bringt. Die Historiker Henrik Eberle (Uni Halle) und Matthias Uhl (IfZ München/Berlin) haben eine Quelle ediert, die bis ins Jahr 2004 unentdeckt in russischen Archiven schlummerte. Es handelt sich um ein Geheimdossier aus der Akte Nr. 30/5/426a des Russischen Staatsarchivs in Moskau, das 1949 erarbeitet wurde, dessen Endredaktion dem NKWD oblag, Stalin zum Adressaten hatte und auf den Aussagen basiert, die aus Hitlers „Chef des persönlichen Dienstes" Heinz Linge und seinem persönlichen Adjutanten Otto Günsche in sowjetischer Haft z.T. buchstäblich herausgeprügelt wurden. Der Titel, "Kniga Gitlera", das „Buch Hitler" ist eine originäre Sprachschöpfung des NKWD. Was den sowjetischen Dienst dazu bewogen haben mag, dem Kompilat im Titel zu einer biblischen Konnotation zu verhelfen, bleibt im Dunkel. Die Aussagen Günsches und Linges sind sicher keine Primärquelle im ursprünglichen Sinn. Sie wurden in Gefangenschaft gemacht und redigiert, d.h. durch die sowjetische Optik gebrochen und interpretiert. Zudem: man erzählt viel und manches, um den Vernehmer zufriedenzustellen, seine Ruhe zu haben, Briefe schreiben und empfangen zu dürfen, nicht verprügelt und gedemütigt zu werden. Ergo: Linges und Günsches Aussagen sind nicht vor einem unvoreingenommenen Gremium, sondern in der Lubjanka, unter äußerstem physischem und psychischem Druck gemacht worden (vergleichbar den Erfahrungen, die Hitlers Flugkapitän Baur in NKWD-Haft gemacht hat). Das Team der NKWD-Vernehmer unter ihrem Chef Oberstleutnant F.K. Paparow hatte mit einiger Sicherheit den Auftrag durch die Kompilation der geschilderten Sachverhalte in einen geschlossenen Text etwas zu erreichen. Dem Geschilderten eine Funktion zu geben, die über die Schilderung historischer Sachverhalte weit hinausreichte. Bloß welche Funktion ? Das Interesse am historischen Erkenntnisgewinn darf ausgeschlossen werden. Was dann aber ? Es bleibt die mögliche Verwendbarkeit des Textes als P r o p a g a n d a im Kontext sowjetischer Außen-, Sicherheits- und Deutschlandpolitik des Jahres 1949. Vom eigentlichen Inhalt möchte ich nichts verraten - „selber lesen macht klug" wusste schon Tucholsky. Mir geht es nur darum, Appetit auf diesen Leckerbissen zu wecken, der in keiner Bibliothek fehlen sollte weil er g l e i c h z e i t i g ein Zeitzeugnis der Herrschaft Hitlers und des Kalten Krieges darstellt. Das dürfte Einzigartigkeit beanspruchen. Das Buch ist für jeden Kenner und historisch Interessierten äußerst informativ und zudem durch einen wissenschaftlichen Apparat mit zahlreichen Biografien und ein Personenregister gut erschlossen. Ein Vor- und ein Nachwort der Herausgeber und ein Vorwort des Chefs, des IfZ München/Berlin ergänzen den Text sinnvoll. Fazit: faktenreich - spektakulär - kaufen ! Stefan Schäfer
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Aus der Akte Nr. 462a im Bestand 5 Verzeichnis 30, Moskau, 9. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Buch Hitler. Kommentierte Ausgabe (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist mithin eine der wesentlichen Säulen zur Beschreibung Hitlers und seiner Umgebung schon von 1933 an. Soviel wir vom Krieg wissen so wenig wusste die Öffentlichkeit trotz vieler Bücher über Hitler. In diesem Buch sind in einer Zusammenfassung des sowjetischen Geheimdienstes vom 29.12.1949, für Stalin persönlich die Aussagen auf die Verhöre der beiden persönlichen Adjutanten Otto Günsche und Heinz Line dargestellt. Nichts ist jemals in einem Buch näher von Hitler beschrieben worden, als von den beiden Personen die 24 Stunden mit Hitler zusammenlebten. Keine Quelle ist realistischer als die Aussagen der beiden Personen, denen Hitler persönlich auf Höchste vertraute, da sie sein Privatleben ausgeführt und gestaltet haben. Viele neue Kleinigkeiten in diesem Buch sind so unliebsam für die Öffentlichkeit, da sie Hitler nicht als den "grausamen und brutalen Schlächter" sondern als den vertrauten, angenehmen und besorgten Chef schildern. Dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hintergründig Hitler immer der skrupellos besessene Mächtige des Dritten Reiches war, der für Millionen Tote verantwortlich war. Noch ist der Rang für die Geschichtsschreibung des Buches nicht vorgenommen, gleichwohl wird es eines der wichtigsten Quellen sein. Jedoch gibt es auch schriftstellerische Schatten über diesem Werk. 1. Es wurde vom sowjetischen Geheimdienst für Stalin persönlich geschrieben. Das bedeutet, es wurde, damit man nicht in Ungnade fiel, schon hier und da auf die Macken von Stalin eingegangen (vielerorts wurden deutsche Organisationen nicht beim Namen genannt und einige Sachverhalte etwas anders beschreiben, damit Stalin es besser lesen konnte). 2. Otto Günsche und Heinz Linge wurden zu den Aussagen gezwungen. Folter, Essensentzug, Einschüchterungen waren beliebtes Mittel der Verhörer, um an die Informationen heranzukommen 'die man haben wollte". Nach 1949 ging das Dossier in den privaten Tresor von Stalin und blieb viele Jahrzehnte drin bis ... aber lesen Sie selber. In dem Buch sind außerdem umfangreich ein Vorwort von Prof. Horst Möller und der Herausgeber, ein Nachwort und Biographien verfasst. Allemal sehr populär geschrieben, denn auch Stalin mochte komplizierte Lektüre nicht.
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29 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Lokalkolorit aus der Wolfschanze, 5. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Buch Hitler. Kommentierte Ausgabe (Gebundene Ausgabe)
Von der ersten Seite an war ich nicht ganz glücklich mit diesem Buch und den „bislang unbekannten Details“, die der Klappentext versprach. Anfangs konnte ich meinen Finger nicht auf den entscheidenen Punkt legen, aber nun glaube ich, mir das Urteil erlauben zu dürfen, dass dieses Buch nicht hundertprozentig authentisch ist. Schon im Vorwort steht zu lesen, dass dieses Geheimdossier über Hitler und seine nähere Umgebung, das von zwei engen Mitarbeitern in sowjetischer Haft verfasst wurde, ausschliesslich für die Augen Josef Stalins bestimmt war, und bereits 60 Jahre in russischen Archiven unter Verschluss liegt, wo es bis heute für „Uneingeweihte“ nicht zugänglich ist. Wie kann es dann sein, fragt sich da der Leser, dass zwei Journalisten ungehindert in dieses angeblich streng geheime Archiv spazieren, und die Geheimakte über Hitler kopieren, verlegen und nach Deutschland bringen konnten, wo nun Millionen Menschen daran teilhaben können, ohne dass der Kreml auch nur einen Finger krumm gemacht hat, um die Veröffentlichung dieser Staatsgeheimnisse zu verhindern? Aber selbst wenn man seine Skepsis gegenüber der Vorgeschichte dieser Akte zurückstellt, bleibt der Inhalt fragwürdig. Da dieser Bericht aus den Verhörprotokollen zweier SS-Ordonnanzen (Heinz Linge und Otto Günsche) zusammengestellt wurde, und die erst dann ins Russische Übersetzt wurden, liegt doch die Vorstellung nahe, dass in diesem Buch die Originalberichte verwendet wurden. Doch das ist nicht der Fall: Es handelt sich bei dem vorliegenden „Buch Hitler“ vielmehr um eine Nachbearbeitung, die- vielleicht um Stalin eine angenehmere Lektüre zu bereiten- die Berichte in einen Prosa-Text umgeschrieben hat. So ist das Buch nicht in der Ich-Form geschrieben (wie man es ja von Erinnerungen einzelner Personen erwarten sollte), sondern die Verfasser treten hier als handelnde Personen auf und werden wie Romanfiguren mit ihrem Nachnamen benannt. Dieser Stil macht das Buch undurchsichtig und verwirrend: Alles wird quasi von einem allwissendem Erzähler berichtet, der an mehreren Plätzen zur gleichen Zeit ist, und der auch über die Gedanken und Gefühle Unbeteiligter Aufschluss gibt. Nie man kann als Leser mit Bestimmtheit sagen, ob einer der beiden Verfasser tatsächlich dabei war und woher er sein Hintergrundwissen bezieht, da Linge und Günsche als handelnde Personen kaum Einfluss auf die Handlung nehmen und wir auch über ihre Gedanken kaum etwas erfahren (bei einem Bericht aus erster Hand sollte ja gerade das Gegenteil der Fall sein). Dabei ist das Buch an sich flüssig zu lesen und auch mit einigen Fotos illustriert, man hat als Leser tatsächlich das Gefühl hinter der „Bühne“ des Dritten Reiches zu stehen und von dort aus das Geschehen zu beobachten. Offizielles und Alltägliches wechseln sich gegenseitig ab. Die diplomatischen Vorbereitungen sowie die Lagebesprechungen im Krieg werden ebenso ausführlich geschildert, wie Hitlers abendliche Teerunden am offenen Kamin. Dennoch hält der Inhalt einer näheren Prüfung nicht stand: Im Text befinden sich einige Fehltritte, die man von einem engen Mitarbeiters nicht erwartet hätte (so wird berichtet, Hitler habe auf dem Höhepunkt des Krieges vor dem Essen oft mehrere Gläser Schnaps getrunken, obwohl doch heute allgemein bekannt ist, dass er nicht einmal Bier trank). An anderer Stelle geht der Detailreichtum weit über das Maß eines „Verhörprotokolls“ hinaus. Sämtliche Aussagen Hitlers, auch oft zu banalen Anlässen, werden in wörtlicher Rede wiedergegeben- obwohl es doch zweifelhaft ist, ob sich jemand nach über zwölf Jahren noch an einzelne Aussagen eines Menschen erinnern und sie noch dazu wortgenau wiedergeben kann. Vielleicht war das Ziel diese Nachbearbeitung tatsächlich nur, Stalin eine nicht zu trockene Lektüre zu präsentieren. Denn durch ihren fast schon übertriebenen Detailreichtum („Das dürftige Licht des kleinen Kronleuchters kann das Halbdunkel nicht aus dem Zimmer vertreiben. Die Gestalten mit den Hakenkreuzen an den Ärmeln werfen lange Schatten“) und die gelegentlichen Tempuswechsel um „Spannungsmomente“ zu betonen („Wutentbrannt schleuderte Hitler seine Brille auf den Kartentisch – Im ganzen Raum herrscht nun Totenstille“) liest sich diese angeblich streng geheime Staatsakte viel mehr wie ein zweitklassiger Historienroman. Höchstwahrscheinlich steckt in diesem Buch schon ein wahrer, authentischer Kern, nur leidet seine Seriosität unter farbenfrohen Ausschmückungen sowie eine fast schon lächerliche Fülle von Belanglosigkeiten (Überschriften einiger Abschnitte: „Zaubertricks für Hitler“, „Eva mixt Cocktails“, und -bitte glauben Sie mir- : „Blondi wird gedeckt“). Die ungeschmückten Fakten, die dieses Buch präsentiert sind tatsächlich interessant und die Sichtweise aus der es geschrieben wurde, kann von keinem Historiker nachgereicht werden, nur wären mir die Original-Verhörprotokolle, auf denen das „Buch Hitler“ beruht, in jedem Fall lieber gewesen, als ein nachträglich umgeschriebener Prosa-Text, der es mit tatsächlicher Authentizität nicht so genau nimmt und der dafür lieber etwas dicker aufträgt.
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