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Produktinformation
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Als Zeugen zogen die Geheimdienstermittler die beiden kriegsgefangenen SS-Offiziere Otto Günsche und Heinz Linge heran, die als persönlicher Adjutant bzw. Kammerdiener des Führers als bestens informierte Quellen galten. Die ihnen in zermürbenden Verhören abgepressten Berichte wurden mit persönlichen Aufzeichnungen sowie den Aussagen von Gefängnisspitzeln abgeglichen. So entstand mit den Jahren Das Buch Hitler -- bestimmt zur alleinigen Lektüre Josef Stalins, der das Dossier zu seinen persönlichen Akten nahm. Eine später von Chruschtschow angefertigte Kopie fiel Matthias Uhl bei Archivarbeiten am Moskauer Institut für Zeitgeschichte in die Hände. Gemeinsam mit seinem Hallenser Historikerkollegen und Mitherausgeber Henrik Eberle hat er die Akte in Fußnoten und Nachwort kenntnisreich kommentiert. Horst Möllers erhellendes Vorwort, zwei Fotoalben, ein ausführliches biografisches Lexikon, das sorgsam erarbeitete Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ein Personenregister runden den Band gelungen ab.
Es ist gewiss richtig, dass es sich in Wahrheit schon seit Jahren nicht mehr um ein "Geheimdossier" handelt, ja (einige wenige) Auszüge daraus sogar bereits einmal veröffentlicht worden sind, wie angesichts der vielleicht tatsächlich etwas zu marktschreierischen Verlagsankündigung, die dem Buch einen "geradezu sensationellen Wert" bescheinigt, prompt gemäkelt wurde. Doch tut dies in der Sache selbst dem Wert der Veröffentlichung keinen Abbruch! Eine ausgesprochen interessante Lektüre. -- Andreas Vierecke
"... die neue Quelle [ist] gleichermaßen dazu geeignet, den Kenntnisstand der Hitlerforschung um die eine oder andere Facette einer verhängnisvollen Geschichte zu bereichern, deren langer Schatten nach wie vor über unserer Gegenwart liegt." Die Zeit, 14.4.2005
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Stefan Schäfer
Aber selbst wenn man seine Skepsis gegenüber der Vorgeschichte dieser Akte zurückstellt, bleibt der Inhalt fragwürdig. Da dieser Bericht aus den Verhörprotokollen zweier SS-Ordonnanzen (Heinz Linge und Otto Günsche) zusammengestellt wurde, und die erst dann ins Russische Übersetzt wurden, liegt doch die Vorstellung nahe, dass in diesem Buch die Originalberichte verwendet wurden. Doch das ist nicht der Fall: Es handelt sich bei dem vorliegenden „Buch Hitler“ vielmehr um eine Nachbearbeitung, die- vielleicht um Stalin eine angenehmere Lektüre zu bereiten- die Berichte in einen Prosa-Text umgeschrieben hat.
So ist das Buch nicht in der Ich-Form geschrieben (wie man es ja von Erinnerungen einzelner Personen erwarten sollte), sondern die Verfasser treten hier als handelnde Personen auf und werden wie Romanfiguren mit ihrem Nachnamen benannt.
Dieser Stil macht das Buch undurchsichtig und verwirrend: Alles wird quasi von einem allwissendem Erzähler berichtet, der an mehreren Plätzen zur gleichen Zeit ist, und der auch über die Gedanken und Gefühle Unbeteiligter Aufschluss gibt. Nie man kann als Leser mit Bestimmtheit sagen, ob einer der beiden Verfasser tatsächlich dabei war und woher er sein Hintergrundwissen bezieht, da Linge und Günsche als handelnde Personen kaum Einfluss auf die Handlung nehmen und wir auch über ihre Gedanken kaum etwas erfahren (bei einem Bericht aus erster Hand sollte ja gerade das Gegenteil der Fall sein).
Dabei ist das Buch an sich flüssig zu lesen und auch mit einigen Fotos illustriert, man hat als Leser tatsächlich das Gefühl hinter der „Bühne“ des Dritten Reiches zu stehen und von dort aus das Geschehen zu beobachten. Offizielles und Alltägliches wechseln sich gegenseitig ab. Die diplomatischen Vorbereitungen sowie die Lagebesprechungen im Krieg werden ebenso ausführlich geschildert, wie Hitlers abendliche Teerunden am offenen Kamin.
Dennoch hält der Inhalt einer näheren Prüfung nicht stand: Im Text befinden sich einige Fehltritte, die man von einem engen Mitarbeiters nicht erwartet hätte (so wird berichtet, Hitler habe auf dem Höhepunkt des Krieges vor dem Essen oft mehrere Gläser Schnaps getrunken, obwohl doch heute allgemein bekannt ist, dass er nicht einmal Bier trank).
An anderer Stelle geht der Detailreichtum weit über das Maß eines „Verhörprotokolls“ hinaus. Sämtliche Aussagen Hitlers, auch oft zu banalen Anlässen, werden in wörtlicher Rede wiedergegeben- obwohl es doch zweifelhaft ist, ob sich jemand nach über zwölf Jahren noch an einzelne Aussagen eines Menschen erinnern und sie noch dazu wortgenau wiedergeben kann.
Vielleicht war das Ziel diese Nachbearbeitung tatsächlich nur, Stalin eine nicht zu trockene Lektüre zu präsentieren. Denn durch ihren fast schon übertriebenen Detailreichtum („Das dürftige Licht des kleinen Kronleuchters kann das Halbdunkel nicht aus dem Zimmer vertreiben. Die Gestalten mit den Hakenkreuzen an den Ärmeln werfen lange Schatten“) und die gelegentlichen Tempuswechsel um „Spannungsmomente“ zu betonen („Wutentbrannt schleuderte Hitler seine Brille auf den Kartentisch – Im ganzen Raum herrscht nun Totenstille“) liest sich diese angeblich streng geheime Staatsakte viel mehr wie ein zweitklassiger Historienroman.
Höchstwahrscheinlich steckt in diesem Buch schon ein wahrer, authentischer Kern, nur leidet seine Seriosität unter farbenfrohen Ausschmückungen sowie eine fast schon lächerliche Fülle von Belanglosigkeiten (Überschriften einiger Abschnitte: „Zaubertricks für Hitler“, „Eva mixt Cocktails“, und -bitte glauben Sie mir- : „Blondi wird gedeckt“).
Die ungeschmückten Fakten, die dieses Buch präsentiert sind tatsächlich interessant und die Sichtweise aus der es geschrieben wurde, kann von keinem Historiker nachgereicht werden, nur wären mir die Original-Verhörprotokolle, auf denen das „Buch Hitler“ beruht, in jedem Fall lieber gewesen, als ein nachträglich umgeschriebener Prosa-Text, der es mit tatsächlicher Authentizität nicht so genau nimmt und der dafür lieber etwas dicker aufträgt.
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