Die ersten christlichen Heiligen waren noch direkt mit Jesus verbunden, seine Familienmitglieder, die ersten Jünger und weitere Gefährten. Durch die Missionstätigkeit der Apostel prallte deren Verkündigung auf die alten, sogenannten heidnischen Religionen und Traditionen, was eine ganze Heerschar von Märtyrern hervorbrachte. Durch fortgesetzte missionarische Aktivitäten infolge des zunächst iberischen Imperialismus sowie der Reformation wurden weitere Martyrien geradezu herausgefordert. Daneben ist jedoch auch mit den Bekennern eine weitere Kategorie von Heiligen entstanden; Theologen, Bischöfe, Patriarchen pp., die bei Ausbau, Entwicklung und Stärkung der Kirche einen besonderen Beitrag leisteten. Darüber hinaus sind bis in die Gegenwart fromme Menschen aufgrund ihrer selbstlosen, wohltätigen Werke zur Unterstützung der Benachteiligten dieser Welt heilig gesprochen worden.
Kirchenvater Hieronymus (30. September) gehörte im vierten Jahrhundert zu den ersten, die ein Heiligenverzeichnis und einen Kalender ihrer Gedenktage erstellten. Im 9. Jahrhundert unternahm der Benediktinermönch Usuard den Versuch einer Enzyklopädie der Heiligen. Zum berühmtesten Werk, der im Mittelalter aufkommenden literarischen Tradition der Heiligenlegenden wurde die um 1266 abgeschlossene "Legenda Aura". Im Jahre 1583 entstand schließlich auf Anregung Gregors XIII. das "Martyrologium Romanum", in dem verschiedene Quellen zusammengefasst wurden. Mit seinem historischen und wissenschaftlichen Anspruch wurde es bis heute mehrfach überarbeitet und ist daher - zumindest für die Westkirchen - die wichtigste Quelle für Informationen zu den Heiligen.
Im ersten nachchristlichen Jahrtausend wurden heilige vorwiegend auf regionaler Ebene ausgewählt und gewürdigt, durch ihre Zeitgenossen, Gefährten und Anhänger. Mit den Reliquien als wichtigstem Ausdruck der Verehrung übernahmen nach und nach die Bischöfe die Entscheidung über eine - heute als vorkongregational bezeichnete -Heiligsprechung. Alexander III. gründete hierzu im 12. Jahrhundert eine beratende Kongregation aus ranghohen Kirchenmänner. Bis zur allerersten Prüfung sollte es jedoch noch rund 400 Jahre dauern. Das 1634 eingeführte, bis heute gültige, dreistufige Procedere umfasst Verehrung, Seiligsprechung und Heiligsprechung.
Das im im Januar 2011 von National Geographic Deutschland herausgegebene "Buch der Heiligen" wurde um die Jahrtausendwende in seiner englischen Originalausgabe "The Book of Saints: A Day-by- Day Illustrated Encyclopedia " veröffentlicht, das heute eine nur schwer erhältliche Rarität darstellt.
Nach einer kurzen Einleitung werden zunächst die verwendeten Symbole erläutert. Ein Kleeblatt zeigt an, ob der Heilig in den wichtigsten liturgischen Kalendern vermerkt ist. Ein weißes Kleeblatt verweist hingegen auf eine Auflistung im Allgemeinen Römischen Kalender, Lektionar der Kirche von England oder den liturgischen Kalender der Diözesen der vereinigten Staaten von Amerika. Ein Herz mit Kranz steht für das Datum der Seligsprechung, eine Ellipse mit Kranz für das der Heiligsprechung, soweit dies bekannt ist. Ein kreuz markiert die Attribute, Symbole oder die Form der Darstellung der Heiligen. Neben zwei stilisierten, gefalteten Händen werden Personengruppen, Orte., Länder etc. aufgeführt, deren Schutzpatron der Heilige ist, außerdem Ereignisse oder Gelegenheiten, bei denen der Heilige angerufen wird.
Jedes der zwölf Kapitel beginnt mit einem 1 1/2seitigen Abdruck eines Gemäldes und Informationen zum jeweiligen Monat, wie die Entstehung seines Namens, seine wichtigsten Feiertage und Heiligen. Danach wird kalendarisch jeder einzelne Tag des Jahres - mit Ausnahme des 29. Februars eines Schaltjahres - abgehandelt. Anders als es der Untertitel des großformatigen Prachtbandes "Ein Schutzpatron für jeden Tag" ankündigt, werden bei machen Tagen neben dem "Hauptheiligen" weitere Personen in einer Synopse in der unteren Hälfte der Seite vorgestellt. Neben dem Tag und dem Namen bieten diese Listen auch den Statuts, Ort oder Region der Verehrung, sowie eine kurze Vita. Neben den Texten zu den Heiligen bieten die kulturhistorisch exzellent illustrierten Seiten auch interessante historische Exkurse, wie z. B. Der Arianismus (Seite 12), Die Katharer (S. 207) Christenverfolgung in Rom (S. 166 ff.), Landkarten (Reisen des Paulus; S. 31), Informationen und Hinweise (Dan Browns Bestseller Da Vinci Code) usw.
Mehrere Glossare über Embleme, Symbole und Attribute, der Zuständigkeiten und der Begriffe bilden neben einem Namensregister mit dem jeweiligem Jahrestag den Abschluss eines sehens- und lesenswerten Nachschlagewerkes, das zwar nicht allen - der bekannten 20.000 - Heiligen gerecht werden kann, aber dennoch als Standardwerk anzusehen ist.
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