Ich habe in meinem Leben schon mehrere Anläufe gestartet, die Bibel von vorne bis hinten zu lesen. Nie habe ich durchgehalten, weil es einfach Teile gibt, die langatmig, schwer verständlich geschrieben und zudem ohne vertieftes Hintergrundwissen des Lesers politisch-historisch schwer einzuordnen sind.
Die Bibel in Romanform eröffnet einen völlig neuen Zugang zu den heiligen Texten: Durchgängig fesselnd geschrieben, werden nicht nur die biblischen Geschehnisse wiedergegeben, sondern auch die politischen Hintergründe der jeweiligen Zeit mitgeliefert. Daß durch die Romanbearbeitung einige für den Handlungsstrang weniger wichtige Passagen wegfallen, dafür die Charakterzüge der handelnden Personen mit schriftstellerischer Phantasie beschrieben werden, macht den Text nicht unbrauchbar, sondern interessant. Wem bewußt bleibt, daß dieses Buch ein Roman, eine Interpretation der Bibel und keine neue 1:1-Übersetzung der griechisch-lateinischen Urtexte ist, dem eröffnet sich eine neue, ungewohnte Perspektive auf die Entstehung von Juden- und Christentum, die zum Nachdenken anregt.
Übrigens: Wer - vielleicht aufgrund einer atheistischen Erziehung - noch nie eine Bibel gelesen hat, dem bietet dieser Roman einen spannend und leicht zu lesenden ersten Zugang zum Buch der Bücher. Auch wer nicht an alle Wunder glaubt, kann dieses Buch als eine wunderbare Geschichte lesen. Eine Geschichte, für deren Verbreitung die Anhänger von Jesus zu Tausenden ermordet worden sind...
Noch ein Tip: Wie beim Original bietet es sich auch beim Roman an, beim Lesen eine Karte des Nahen Ostens zur Zeit des Alten und Neuen Testaments sowie einen Stadtplan des alten Jerusalems griffbereit zu haben (findet sich oft in den Einbänden von "richtigen" Bibeln, ausreichende Stadtpläne auch in modernen Atlanten). So kann man den vielen Wanderungen und Ortsbeschreibungen viel besser folgen.