Die Autorin S. Capitani erzählt in der Ich-Perspektive von Christine de Pizan, 1364-1430. Eine der frühesten Schriftstellerinnen "Bestsellerautorin"- Europas, die in Venedig geboren wurde. Ihr Vater, Hofastrologe und Leibarzt bei Karl V., starb früh.
Selbstbewusst, intelligent, gewieft und spitzzüngig nimmt Ch. Pizan nach dem Tod ihres geliebten Mannes gegen alle Widrigkeiten: Frauenfeindlichkeit der Kirchenfürsten, hinterhältige Winkeladvokaten, Beamtenignoranz, impertinente Heiratskandidaten, den Kampf auf, um ihre Existenz, die ihrer Kinder, Familie und Nachbarn zu sichern.
Klingt zunächst banal, denn solche Geschichten hat man öfters gelesen.
Was die Autorin aber in die Kapitel einfügt ist derart facettenreich an brisanten und epochalen Themen, dazu der Fließtext im modernen Stil, dass uneingeschränkt das Leseinteresse weckt bis zum Finale.
Eine Frau will nach oben. Allein. Sich nicht in männliche Abhängigkeit begeben. Sie beginnt als Kopiererin und bietet auf dem Markt ihre ambulanten Schreibdienste an. Positive Mund-zu-Mund-Propaganda über ihre Kompetenz hilft ihr über die anfänglichen Startschwierigkeiten. Flink erledigt sie auf Pergament und mit dem Gänsekiel diverse Aufträge. Gevatter Zufall spielt ihr einige hilfreiche und fachkundige Helfer zu, die zur Klärung unerwarteter dubioser Vorkommnisse beitragen ...
Die hintergründigen Geschichtsfakten werden verständlich und unaufdringlich im melodiösen Takt in wunderschönen Bildern, sprachlich kreativ mit atmosphärischer Dichte integriert. Brillant, für alle Bücherfreunde, sind aufschlussreiche Einflechtungen über das damalige Handwerk der Buchherstellung - von der Schreibtechnik, des Bindens bis zum Buchmalerhandwerk.
Für mich ein literarisches Juwel und die Entdeckung dieses Frühlings.