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Auf einmal waren die Ampelmännchen überall: Auf den Trikots des FC Zukunft Magdeburg, als Sammelbilder des Komitees zur Rettung der Ampelmännchen, im Internet und sogar in
Gute Zeiten - Schlechte Zeiten; Ampelmän goes digital. Als den offiziellen Fußgänger-Signaltafeln der DDR Mitte der 90er Jahre ihr letztes Stündchen schlug, wurde es in kürzester Zeit weltberühmt. Das Buch von Markus Heckhausen dokumentiert allerdings mehr als den kommerziellen Ausverkauf einer DDR-Ikone. Bevor die BBC, japanisches Frühstücksfernsehen und die Homepages der Berliner Zeitungen sich des Männchens mit dem flotten Hut annahmen, gehörte es längst zum kollektiven Bewusstsein des DDR-Fernsehens. Frühkindlich trainierte Zuschauer der
Verkehrskompaß-Filme für Kinder lernten mit Kompaßkalle, Stiefelchen und dem unermüdlichen Hund Wuffi von den Trickfiguren in Rot und Grün, wie man sich im DDR (Straßen-)Verkehr benimmt.
Dem Eulenspiegelverlag ist mit seinem Buch vom Ampelmännchen ein sehr schöner Band gelungen. Grafisch pfiffig und abwechslungsreich gestaltet versammelt er Statements, Glossen und kurze dokumentarische Texte zur Entstehung und Rettung der grün-roten Männchen. Der Erfinder Karl Peglau kommt genauso zu Wort wie DEFA-Regisseur Friedrich Rochow -- "Vater" von Stiefelchen und Kompaßkalle. Neben Verkehrpsychologischem erfährt man auch, wie Ironie zwischen West und Ost nicht immer gleich gelagert ist. Christoph Dieckmanns Versuch in der Zeit, dem Idiotismus ostdeutscher Abwicklung mit einem sarkastischen Abgesang auf das ungesunde Ampelmännchen ("Gemüsemangel") zu begegnen, ging nach hinten los. Von Obermarchtal/Bayern bis Papua-Neuguinea hagelte es Protestbriefe. Das Ampelmännchen ist schnell überfordert, soll es als Gralshüter der Ost-Identität herhalten. Das Buch vom Ampelmännchen bleibt hingegen in jedem Fall ein dankbares Geschenk -- auch für Ostalgiemüde. --Marcus Welsch
Kurzbeschreibung
Alles übers Ampelmännchen - Geschichte und Kult in Bildern und Texten: wie der kleine knufflige Kerl das Licht der Welt erblickte, wie er zu filmischem Leben erweckt wurde, warum er eigentlich wenig zum Gralshüter von Ost-Identität taugt, welche Tugenden und Untugenden eines ganzen Volkes er verkörpert. An diesem Männchen erhitzen sich die Gemüter von Ostalgikern, Politikern, Kämpfern für Gerechtigkeit, Frauenrechtlerinnen, Psychologen, Feuilletonisten ... Beiträge von: Karl Peglau (Verkehrspsychologe und Erfinder des Ampelmännchens), Christoph Diekmann, Matthias Wedel, Markus Heckhausen und anderen.