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Das Brot der Armut: Die Geschichte eines jüdischen versteckten Kindes
 
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Das Brot der Armut: Die Geschichte eines jüdischen versteckten Kindes [Broschiert]

Rachel Kochawi , Miriam Magall
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Broschiert: 333 Seiten
  • Verlag: Edition Av; Auflage: 1 (24. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3868410341
  • ISBN-13: 978-3868410341
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.143.426 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der Vater ist Arzt. Er arbeitet tagsüber im großen Krankenhaus der Stadt. Am Spätnachmittag bis in die Nacht hinein empfängt er seine Privatpatienten. Nicht alle sind reich. Beileibe nicht. Viele kommen zu Dr. Kowalski, gerade weil sie kein Geld haben und sich außer ihm niemand um sie kümmert. Ihm zur Seite steht seine Schwester. Rachel hat eine Ausbildung als Krankenschwester absolviert, denn sie möchte so schnell wie möglich auswandern. Mit ihrem Beruf dürfte es ihr keine Schwierigkeiten bereiten, in Jerusalem Arbeit zu finden. Und dann ist da noch Zelda Kowalski, geborene Nussboim, die verwöhnte Tochter der Pelzhändler Rosa und Natan, ehemals aus Zamosz. Ihre letzten Jahre verbringen die beiden bei Tochter und Schwiegersohn in dem großen Haus bei der Nozych Synagoge in Warschau. Das ist der Rahmen, in den Keren Kowalski hätte hineingeboren werden sollen, wenn ... ja, wenn da nicht eines Tages die Deutschen gekommen wären und diese wunderschöne, heile Welt mit einem Schlag zerstörten.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Dann ist es soweit. Zelda Kowalski schickt sich an, ein Kind in die Welt zu bringen. Sie räumen eine Ecke des Wohnzimmers frei, sodass Dr. Kowalski und seine Schwester Rachel sich ungestört zwischen Wohnzimmer und Küche, wo Ella über große Mengen von kochendem Wasser wacht, bewegen können. Es dauert und dauert. Anscheinend fürchtet das Baby sich davor, die Geborgenheit des Mutterleibs zu verlassen und in die kalte Welt hinauszutreten. Es dauert und dauert. Dr. Kowalski kann nichts tun, um seiner Frau zu helfen, die Schmerzen zu lindern oder die Geburt zu beschleunigen. Er sitzt neben ihrem Bett, hält ihre Hand, streicht ihr den Schweiß von der Stirn und freut sich wie alle, wenn sie vorübergehend in einen leichten Schlummer fällt, aus dem sie dann mit einem Aufschrei erwacht. Wieder Wehen und noch einmal Wehen. Sie wollen nicht aufhören. Am vierten Chanukka-Tag ist es dann endlich soweit: ein Mädchen, ein wunderbar zartgliedriges kleines Mädchen hat sich von seiner Mutter gelöst und kündet seine Ankunft in der Welt mit einem kräftigen Schrei an. Zelda lächelt glücklich, als Dr. Kowalski ihr das Mädchen in die Arme legt. „Meine Keren, Keren Or, mein Lichtstrahl“, flüstert sie leise. „Das soll ihr Name sein, ja?“ Bittend blickt sie ihren Mann an, der sich beeilt, ihrer Bitte zuzustimmen. „Ja, natürlich, Keren, Keren Or soll sie heißen. Das passt genau zu Chanukka. Licht wird sie in die Welt bringen. Licht und Liebe.“ Alles scheint in schönster Ordnung, gäbe es da nicht ein Problem: Zelda Kowalski blutet und blutet, sodass Dr. Kowalski ihr untersagt, das Bett zu verlassen. Er erhöht das Fußende und verbraucht Verbandsmaterial am laufenden Meter, das sind die Bettlaken, die Ella in den Schränken findet, alles, um dieses Bluten zu stoppen. Es scheint sich auch zu beruhigen. Zelda stillt ihr Kind, das zwischendurch immer friedlich schläft und nur ganz selten weint. Schon glauben alle, dass die Blutungen aufgehört haben, dass Zelda Kowalski sich von der Entbindung erholt hat. Zum ersten Mal darf sie aufstehen. Nach ein paar Schritten öffnet sich ihr Inneres, und Blut strömt aus ihr heraus wie aus einem offenen Wasserhahn. Er lässt sich nicht wieder zudrehen. Nicht, als Dr. Kowalski sie auf das Bett legt, mit erhöhtem Fußteil und mit Verbandsmaterial. „Meine Keren! Wo ist meine Keren?“ Zelda Kowalski öffnet die Augen und blickt ihr kleines Mädchen an. Dann ist es aus. Behutsam nimmt Rachel Kowalski der toten Frau das kleine Mädchen aus dem Arm und legt es in sein Bett. Dr. Kowalski ist verzweifelt. Seine Zelda, seine Zelda ist tot, unter seinen Händen gestorben, ohne dass er, der bekannte Warschauer Arzt das hätte verhindern können! Stumm und starr sitzt er am Bett seiner toten Frau und bemerkt nicht, was um ihn herum vor sich geht. Rachel Kowalski und Henryk stehen flüsternd in einiger Entfernung vom Bett mit der toten Frau. „Wir müssen sie beerdigen! So schnell wie möglich!“ bestimmt Rachel. „Die Waschung mache ich zusammen mit Ella.“ „Aber, sie ist ...“, protestiert Henryk. „Wen sonst habe ich? Du kannst mir auf keinen Fall helfen. Du weißt doch: Frauen für Frauen und Männer für Männer. Diese Ehre wollen wir meiner Schwägerin doch erweisen. Zelda wird mir verzeihen, dass ich eine Schickse nehme. Es gibt sonst niemanden.“ Henryk geht aus dem Haus, holt sich einen Spaten aus dem kleinen Unterstand und beginnt, in dem gefrorenen Boden am Rand des Hofes ein Grab auszuheben. Rachel nimmt mit Ella die letzte Waschung vor. Als Krankenschwester hat sie mehr als einmal Gelegenheit gehabt zu sehen, wie sie vor sich geht. Zwar kann sie nicht alle nötigen Segenssprüche dafür auswendig, sagt aber diejenigen, die sie kennt, mit umso größerer Inbrunst. Zum Schluss hüllen sie Zelda Kowalski in ein großes weißes Laken und legen sie auf eine Trage, die Henryk draußen zusammengezimmert hat. Am Ende der Beerdigung reißt sich Dr. Kowalski sein Hemd über der Brust ein, Rachel folgt seinem Beispiel und reißt ihr Kleid auf der rechten Seite ein. Zwischendurch muss das kleine Mädchen gefüttert und frisch gewickelt werden. Die Muttermilch fehlt, aber Rachel Kowalski ist erfinderisch und findet einen provisorischen Ersatz dafür. Das kleine Mädchen schläft friedlich weiter, während seine tote Mutter gewaschen, in ihre letzten Gewänder gekleidet und zu Grabe getragen wird. Dr. Kowalski besteht darauf, Schiw’a zu sitzen. Was soll mit dem kleinen Mädchen geschehen? Was soll das kleine Mädchen zu essen bekommen? Es braucht dringend bessere Nahrung als die, die Rachel Kowalski ihr vorläufig notdürftig zubereitet, damit es keinen dauerhaften Schaden nimmt. Dr. Kowalski will nichts von derartigem Profanen hören. Er trauert um seine Frau, um die Liebe seines Lebens. „Später, später“, wehrt er ab, wenn seine Schwester die Sprache auf das kleine Mädchen bringen will. Sieben Tage nach dem Tod und Begräbnis seiner Frau steht Dr. Kowalski von seinem Platz auf dem Fußboden im Wohnzimmer auf. Er ist alt geworden, denkt Ella, als sie ihn sieht. Sein Haar ist zu einer dichten Mähne verfilzt, ein dunkler Bart verdeckt sein Gesicht, und es scheint, als seien seine dunklen Augen noch dunkler geworden und als hätten sie versucht, in die Augenhöhlen zurückzukriechen. Beinahe wie ein Gespenst, denkt Ella, während sie ihn beobachtet, wie er sich zum ersten Mal wieder an den Tisch setzt, um mit ihnen zu essen. „Wir müssen uns um Keren kümmern“, bestimmt Rachel Kowalski in einer Stimme, die keinen Widerspruch duldet. „Wenn sie nicht bald richtige Milch bekommt, werden wir auch ihr Grab ausheben können.“ Dabei blickt sie ihren Bruder an, als wolle sie ihn hypnotisieren. „Woran hast du gedacht?“ Dr. Kowalski ist völlig hilflos und weiß nicht, wie er seinem kleinen Mädchen zu besserer Nahrung verhelfen könnte. „Ich habe schon mit Ella gesprochen.“ Rachel Kowalskis Stimme klingt tröstend. „Ella nimmt das Mädchen mit zu sich nach Hause. Die Familie hat eine Ziege, und es gibt Nachbarn mit Kühen. Genau die richtige Nahrung für Keren. Sobald der Spuk hier vorbei ist, holen wir Keren wieder bei Ella ab. Nicht wahr, Ella?“ Ella nickt heftig mit dem Kopf, Ja, sie hatte sich Rachel Kowalskis Vorschlag gründlich durch den Kopf gehen lassen. Selbst in ihrem winzigen Dorf stand das Haus ihrer Familie noch am Rand, sodass man vor Entdeckung ziemlich sicher sein konnte. Der Krieg würde ja hoffentlich nicht mehr lange dauern. Im schlimmsten Fall konnte sie das kleine Mädchen im Keller verstecken. Der zog sich unter dem ganzen Haus hin und war mehrfach unterteilt. Es gab einen Verschlag für Kohle, einen für Kartoffeln und ein oder zwei für Eingemachtes. Da konnte man ein Bettchen für das kleine Mädchen aufstellen und mit Regalen und anderem so verstellen, dass niemand darauf kam, dass sich dahinter ein Kinderbett befand. „Gut, wenn ihr das schon so gründlich vorbereitet habt ...“ Dr. Kowalski hat keine Einwände gegen den Plan seiner Schwester. „Wann sollen sie aufbrechen?“ „Am besten noch heute. Ich habe schon alles vorbereitet. Für Keren und auch für Ella.“ Als Erstes legt Rachel Kowalski die Heiratsurkunde von Dr. Kowalski und seiner Frau Zelda auf den Tisch. „Hier müssen wir die Geburt und den Namen von Keren eintragen. Du, Henryk und ich unterschreiben als Zeugen.“ Mit ihrer schönen Handschrift trägt Rachel Kowalski auf Hebräisch ein: „Keren, geboren am 28. Kislew 5703 (7. Dezember 1942), ihren Eltern Dr. Gabriel Kowalski und seiner Ehefrau Zelda, geborene Nussboim.“ Dr. Gabriel Kowalski, Henryk Skorupka und Rachel Kowalski unterschreiben den Eintrag. Rachel Kowalski faltet die Heiratsurkunde sorgfältig zusammen und überreicht sie Ella Schmielek. „Das ist das Kostbarste, was Keren besitzt. Hüte es wie deinen Augapfel.“ Ella nimmt die Urkunde feierlich entgegen und steckt sie in einen Beutel mit anderen wichtigen Dingen, den sie in ihren Büstenhalter steckt. „Da sollte die Urkunde sicher sein“, lächelt sie verlegen. Anschließend übergibt Rachel Kowalski Ella eine geflochtene Tasche, so etwas wie eine...

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Heimatlos 25. August 2010
Eine Geschichte, wie sie nur selten im Kontext mit dem zweiten Weltkrieg und den Nachkriegsjahren bisher geschildert wurde und doch bestimmt häufiger vorkam, als bekannt.
Heimatlosigkeit, das Gefühl nicht zu Hause zu sein und nicht gewollt, verspürte Keren während sie bei der ehemaligen Hausfrau ihre Kindheit und Jugend verbrachte.
Die Geschichte von dem jüdischen Mädchen ist deshalb umso tragischer, wird der Hintergrund ihrer Familie klar, in dem sie eigentlich hätte aufwachsen sollen.
Flucht, Aufenthalte in Flüchtlingslager, Gewalt in der Familie durchlebt Keren bis sie letztendlich dort ankommt, wo sie das Gefühl erfährt zu Hause zu sein.
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