Eric van Lustbader hat die Aufgabe, die durch die Filmumsetzung (mit Matt Damon in der Hauptrolle) überaus erfolgreiche gewordene Bourne-Trilogie des 2001 verstorbenen Bestsellerautors Robert Ludlum fortzusetzen. In seinem ersten Versuch mit "Der Bourne-Betrug" war van Lustbader durchaus erfolgreich. Der Thriller war kurzweilig und spannend, allerdings deutlich actionorientierter und damit dem Kinopublikum näher angelegt, als die Originalromane Ludlums, was automatisch weniger Tiefgang zur Folge hatte. Aber er hat gut unterhalten.
Was allerdings in "Der Bourne-Betrug" noch funktioniert hat, ist in "Das Bourne-Attentat" vollkommen in die Hose gegangen. Van Lustbader hat einen stereotypen Thriller abliefert, der bereits nach kanpp der Hälfte zu langweilen beginnt, weil er immer im gleichen Schema fortschreitet: Bourne gerät in eine brenzlige Situation und beginnt mit seinen Konkurrenten zu kämpfen. Erst scheint er Gefahr zu laufen zu unterliegen, dann bekommt er mittels diverser Haushaltsgeräte (der unrühmliche Höhepunkt ist ein Salzstreuer) doch noch die Situation gedreht. Keine Spur mehr von raffinierter Story, phantasievollen Ereignissen, charismatischen Helden und Bösewichten. "Das Bourne Attentat" ist eine ziemlich krude und lustlose Aneinanderreihung von Kampfszenen und Geheimdienstintrigen und zudem ziemlich schlecht und oberflächlich was Ort, Geschichte und Kultur angeht recherchiert.
Worum geht es?
Von seinem Freund und Mentor Professor Dominic Specter wird Bourne ungewollt in eine terroristisch-islamistische Verschwörung hineingezogen, die zum Ziel hat, der USA einen noch schlimmeren Schlag zuzuführen, als beim Attentat auf die Twin-Towers des World Trade Centers. Sein Gegenspieler ist ein psychopatischer Killer Namens Arkadin, der für die Hintermänner der Verschwörung arbeitet. An Bournes Seite versuchen die neue CI-Geheimdienstchefin Veronica Hart, Soraya Moore (seine Partnerin in "Der Bourne-Betrug") sowie Moira Trevor, in die er sich verliebt, die Verschwörer aufzudecken und den geplanten Anschlag zu verhindern. Behindert werden sie dabei von dem machtbesessenen Geheimdienstzar des Pentagons, Luther LaValle und dessen Stellvertreter, General Kendall.
Die Story führt Bourne über München und Berlin bis zu einem Flüssiggastanker und einem überzogenen und eher unrealistischen Finale vor der Küste New Yorks.
Man muß wirklich keinen Wert auf eine schlüssige Handlung legen, gerne auch in der 10. Wiederholung Nahkampfbeschreibungen mögen, Personen ohne Tiefgang erwarten und auch ansonsten Logiklöcher lässig übersehen, um "Das Bourne-Attentat" wirklich für gut zu befinden. Für mich ist der Thriller jedenfalls der Tiefpunkt der bisherigen Bourne-Reihe und mittlerweile so weit von der Ausgangsstory Ludlums entfernt, dass dieser sich im Grabe umdreht, weil sein Name fett aufgeführt ist.
Es ist auch bezeichnend, dass es bei dem geplanten Teil 4 der durchaus sehenswerten Bourne-Verfilmungen, einen komplett eigenen Plot von einem eigens dafür bezahlten Autorenpool geben wird und nicht die Romanfortsetzungen hergenommen werden. Deutlicher kann man sich von den aktuellen Buchveröffentlichungen nicht distanzieren.
Ich vergebe einen Stern - und den auch nur deswegen, weil 0 Sterne nicht geht und weil zumindest ein bißchen Grundspannung dem Thriller zu eigen ist.