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Produktinformation
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"Strategie [...] ist ein gestalterischer, eingreifender Akt, der die normale, stetige Entwicklung einer Organisation bewusst unterbricht und den entscheidenden Wendepunkt definiert!", so schreibt Bolko v. Oetinger in seinem Vorwort zu dem 750-Seiten-Werk. Und umreißt durch einen Rückbezug auf Worte des Firmengründers Bruce D. Henderson das Wesen dieses Buches: "Taktik lässt sich aus Erfahrung ableiten. Strategie nicht."
Und so ist dieses Buch, in dem sich führende Köpfe der Boston Consulting Group Gedanken zur Strategie, zur strategischen Ausrichtung und zur Umsetzung im unternehmerischen Alltag machen, weit mehr als eine Sammlung direkt umsetzbarer Erfahrungen eines weltweit tätigen Beratungsunternehmens. Es führt in seiner inhaltlichen Kraft und Aussage zurück zu den Wurzeln unternehmerischen Schaffens, um darauf aufbauend neue Energie zu spenden, Mut zu machen und Visionen nicht nur zu denken, sondern auch zu realisieren. Dennoch geht der Praxisbezug in dieser sehr anregenden Sammlung nicht verloren. So befasst sich etwa das 4. Kapitel mit Fragen des Portfolio und Wertmanagement, das 5. unter der Betitelung "Kapital und Menschen" mit der Produktivität. In diesen (und auch anderen) Kapiteln werden die grundlegenden Gedanken zur Ausprägung von Strategien und zu ihrer Entwicklung in einen greifbaren, nachvollziehbaren und praxisbezogenen Kontext gestellt.
Diese Mischung aus nachdenklichem Erörtern und realitätsnaher, fundierter Verifizierung macht das Buch inhaltlich höchst spannend und wertvoll -- und insgesamt zu einer Fundgrube, deren Schätze zu heben Führungskräften und wirtschaftlich interessierten Lesern langfristiges und nachhaltiges, großes Vergnügen bereitet. Gut geschrieben, tiefgreifend und dennoch lesefreundlich ist hier ein Werk aus einem Guss entstanden, das seinesgleichen sucht. Höchst empfehlenswert. --Horst-Joachim Hoffmann
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Meine Hauptkritikpunkte:
1. Ein Großteil der Artikel sind völlig veraltet. Zum einen rein zeitlich: Die meisten stammen aus den 70er Jahren, vereinzelt sogar 60er Jahre. Zum anderen auch inhaltlich: Eine Strategie, die rein auf der Lenkung eines Portfolios von strat. Geschäftseinheiten basiert hat nun mal zahlreiche Schwächen. Das ist mittlerweile allgemein bekannt und wird in modernen Managementkonzepten auch thematisiert. Die Artikel in diesem Buch gehen aber fast durchgängig davon aus, dass das Portfolio-Konzept das Non-Plus-Ultra ist.
2. Die verschiedenen BCG-Mitarbeiter, die in dem Buch zu Wort kommen, habe die starke Tendenz, voneinander abzuschreiben. Eine Idee, die beim ersten Mal lesen vielleicht noch originell ist, erweckt nur noch gähnen, wenn man teilweise den gleichen Satz 10 mal (!!) in einem Buch liest. Ohne diese Redundanzen hätte sich das Buch wahrscheinlich auf 1/3 des Umfangs eindampfen lassen. Besonders ärgerlich sind diese Wiederholungen, wenn die gleichen sachlichen Fehler (die es durchaus gibt in diesem Buch...) immer und immer wieder wiederholt werden. (Beispiel gefällig? Bei einem Schachspiel gibt es keine 1.024 Zugmöglichkeiten - und daran ändert sich auch nichts, lieber Herr von Oetinger, wenn man die Behauptung in unterschiedlichen Artikeln dreimal wiederholt. Ich habe das Schach-Beispiel genommen, weil es objektiv ist. Bei den zahlreichen Beispielen von Management-Entscheidungen aus dem Amerika der 70er und 80er Jahre fehlt mir leider i.d.R. die Möglichkeit, deren Relevanz zu überprüfen). Es wäre z.B. auch überzeugender, wenn die im Buch zigmal aufgestellte Behauptung, es gäbe durch Erfahrungseffekte verursachte Kosteneinsparungen, die über alle Branchen hinweg gleich sind, auch irgendwie empirisch belegt worden wäre.
Fazit: Das Buch ist höchstens für Sprachforscher interessant, die sich dafür interessieren, wie einzelne Sätze im Laufe der Jahrzehnte von einzelnen BCG-Mitarbeitern leicht modifiziert werden. Für Praktiker und auch für an Management-Theorie interessierte hat das Buch nur geringen Nutzen.
Fast alle frühen BCG-Konzepte - von der "Erfahrungskurve" bis zur 2*2-Portfolio-Matrix basieren auf System-Dynamics-Modellen, d.h. Simulationsmodellen aus partiellen Differential-gleichungen, die Jay W. Forrester ab 1959 entwickelte, und 1961 in "Industrial Dynamics" veröffentlichte.
Beispiel: Die "Erfahrungskurve" eines Marktsegementes simuliert den Verlauf von hedonisch inflationsbereinigten Grenzausgaben und hedonisch inflationsbereinigtem Preis des Marktsegmentes mit einem dynamischen Cournot-Nash-Gleichgewicht aus stochastischen ITO-Prozessen, unter den Annahmen daß
(a) jeder Wettbewerber den Barwert seiner dynamischen Prodzentenrente maximiert, und
(b) jeder Wettbewerber mehrere Real Options hat (auf Abschöpfung des Marktanteiles, auf höhere Verschuldung etc.)
Die Mathematik dazu umfaßt 20 Seiten Differentialgleichungen (ich habe es durchgerechnet - aber diese Formeln nennt Henderson nicht, und somit ist der Wert seine Aufsätze fast Null - oder es ist plagiiert
.
Beispiel: Henderson hatte seine Idee zur Erfahrungskurve aus 2 Artikeln, die Hirschmann im Januar 1964 und im Mai 1965 in der Harvard Business Review schrieb - und besaß nicht die Höflichkeit Hirschmann zu zitieren ! Des weiteren Verwies Hirschmanns Artikel vom Mai 65 auf einen Aufsatz des McKinsey-Partners Hertz in der Ausgabe der Harvard Business Review vom Januar 1964, der heute als Urvater der Real Options Theorie gilt. Man kann beweisen -obwohl der Beweis den rahmen dieser kritik sprengen würde, das Hendersons Erfahrungskurven-Theorie eine Real Option auf den Verkauf von Marktanteil durch Hochpreis-Politik enthielt, und daß er diese Idee aus dem Artikel von McKinsey-Partner Hertz entnommen hatte. Somit beruht der Gründungsmythos von Boston Consulting zu einem erheblichen Teil auf einem Artikel, den der Erbfeind McKinsey schon 2 Jahre vor Henderson veröffentlicht hatte, ohne daß Henderson den Anstand besaß Hertz zu zitieren. Wenn McKinsey Humor hätten, dann würden Sie den frechen Plagiator Henderson
mit einem spöttischen Artikel enttarnen.
Des weiteren hat Henderson die "Entdeckung" der Erfahrungskurve bei Texas Instruments 1966 bewußt irreführend beschrieben, denn TI hatte schon 1961 -alle 5 Jahre vor Henderson - ein System-Dynamics-Modell für die Simulation von Marktsegmentveränderungen, daß ein Schüler von Forrester namens Edward R.Kinsley für TI entickelt hatte.Dies bewist ein ausfürhlicher Abschnitt in Forrester "Industrial Dynamics" 1961., MIT Press (Seite 320-321) Also hatte Henderson NICHT ein völlig neues Modell entwickelt, sondern in ein bestehendes System-Dynamics-Modell ganze 2 Gleichungen eingebaut: je eine Gleichung für die Erfahrungskurven-Effekte beim hedonischen Preisindex, und für die mikroökonomischen Kosten.Henderson hat den Namen und die Vorarbeiten von Kinsley in den über 400 Ausgaben seiner Zeitschrift 'Perspectives' niemals erwähnt.
Fazit: Fast alle frühen Artikel der BCG basierten auf System-Dynamics-Modellen - auch die Matrix und CFROi dienen implizit
der Parametrisierung dieser Modelle oder sie sind daraus abgeleitet. BCG nennt nicht die Formeln, um sie
(a) zu verkaufen, und
(b) damit der Kunde die zum Teil zweifelhaften Annahmen einiger Modelle nicht prüfen kann. Beispiel: CFROI und die Matrix führen nur dann zur Optimierung führen nur dann zur Optimierung, wenn die Grenzen des Marktsegmentes stabil bleiben.
Somit ist das Buch NICHT wissenschaftlich und dient dem Verkäufer um Neugierde zu wecken. Wer sich für diese Materie interessiert, der lernt mehr aus Forrester "Industrial Dynamics" von 1961- auch wenn dieser Klassiker heute 40 Jahre alt ist. Abgesehen davon fielen mir eine Reihe von sehr schweren Übersetzungsfehlern auf.
Beispiel: Henderson stieß auf den Erfahrungskurven-Effekt nicht in einer "Prozeß-Industrie" sondern in der processing industry (original) , nämlich 1965 bei der Norton Company in der Sparte Industriebänder. Dies geht aus der privaten Korrespondenz von Henderson hervor, die ein englisches Werk "Strategies of Growth" von Peter McKiernan in Auszügen verwendet.
Beispiel 2: Henderson beschrieb in "The Experience Curve-Price Stability"(1974) eine Real Option auf die Abschöpfung von Marktanteil, die man mit einer Optionspreisformel berechnen kann.
Im Original schrieb Henderson"As soon as your costs are below the current price, you have got an OPTION..." womit Henderson eine Real Option meinte, die man zur Berechnung von Flexibilität verwendet. (Es ist eine American Put Option mit kontinuierlicher DDividende auf Abschöpfung des Marktanteiles in der Wachstumsphase durch eine Festpreis-Strategie". In der deutschen Übersetzung hat man OPTION falsch mit "Möglichkeit" übersetzt.
Wer sich für die Werke von Henderson privat interessiert, der sollte das englische Original lesen, denn die deutsche Ausgabe ist lieblos übersetzt, und erreicht nicht die Prägnanz des Originales.
Es ist definitv kein Buch für Leute, die am besten nur 100 Tips mit kurzer Erläuterung haben wollen, sondern ein Buch, dem es Spass macht, ein Thema in allen Facetten zu begreifen.
Ich habe viel im "Mini-Consulting" für kleine bis mittlere mittelständische Unternehmen gearbeitet und jedesmal hat mir dieses Buch geholfen, Schwachstellen aufzudecken.
Der einzigen Kritikpunkt, den ich gelten lasse, ist, daß einiges veraltet ist, weil das Buch eine Aufsatzsammlung aus verschiedenen Zeiten ist, aber das ist verschmerzbar, denn der intelligente Leser baut sich sowieso sein eigenes Bild auf.
Kleiner Tipp noch: Die amerikanische Version "Perspectives on Strategy" ist wohl zwar etwas kürzer, dafür aber mit besseren Anmerkungen der Herausgeber versehen, die das folgende Kapitel sehr gut einordnen in das BCG-Weltbild.
Seht es nicht als Management-Praxisbuch sondern als Management-Philosophie-Kompendium, dann werdet ihr viel Spaß daran haben.
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