Nachdem ich den Film bis zu zwanzigmal gesehen hatte, interessierte mich das Buch sehr. Dabei haben mir die Bilder des Wolfgang-Petersen-Films gut geholfen, das von Buchheim excellent Beschriebene vor Augen zu bekommen.
Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, wußte ich nicht mehr so recht, was nun die bessere Variante ist, und so stellte ich dann bald fest, daß sich Buch und Film ausgezeichnet ergänzen.
Der Film ist großartig. Sensationell sind die schauspielerischen Leistungen, die Effekte, die Musik - einfach alles.
Im Buch hat mich sehr die Ausdauer Buchheims beeindruckt. Wenngleich oft wenig passiert, weiß besagter Autor doch viel zu erzählen, und so bekommt man bald das Gefühl, zur Besatzung zu gehören, ja man ist selbst Buchheim bzw. Leutnant Werner. Buchheim wird nicht müde. Gleichmäßiger, sehr detailierter Erzählfluß ist sein Markenzeichen. Wenn das Kapitel 'Gammelei' endet, folgt als Überschrift z.B. 'Sturm', aber in diesem Kapitel stürmt es erst viel später, es folgen zunächst weitere Gammelei-Beschreibungen, die letztendlich auch dort an der richtigen Stelle sind.
Buchheim schildert Gerüche, Gedanken, die im Film niemals rüberkommen können. Dabei wechseln sich immer wieder dramatische Dinge mit humorvollen Episoden ab. "Das Geistige kommt hier zu kurz!" meinte der Offizier in der Messe, in der die Kreuzworträtsel über Liebe und Bad gelöst werden, und als in der Straße von Gibraltar wie aus dem Nichts Holzbalken hervorgekramt werden, um den Druckkörper des Bootes in 280 Metern Tiefe zu stützen, als alle den Tod vor Augen hektisch durch den Gang rennen, als überall Rufe und Wassergeräusche zu hören sind, schreibt Buchheim mit trockenem Humor: "Hier kommt mal wieder das Geistige zu kurz!" Die Lese-Stunden in Gribraltar hatten mich am stärksten gepackt! Ich vergaß die Zeit und bedauerte es, wenn ich zu lesen aufhören mußte! ... "Tut mir leid!" murmelte der Alte. "Schafft's nicht. Seit Stunden schon ..."
War Buchheim die eigene Koje zu klein, so schildert er sie in schwerer See als zu groß, weil er ständig hin- und herrutschte.
War der Alte mit seinem Pullover im Boot sachgemäß angezogen, so wurde an Bord der "Weser" allzu deutlich, welch vergammelten Pullover er anhatte - und schließlich für jemand Rangniedrigen gehalten wurde.
Es gibt viel zu erzählen. Während im Film nach Gibraltar ein Schnitt folgt, und man ziemlich schnell wieder im Hafen ist, erfährt man im Buch, wie problematisch die Heimreise eigentlich war, daß nur nachts aufgetaucht, am Tage in Sehrohrtiefe gefahren wurde, und daß schließlich ein anderes Boot erwartet wurde, dies aber vernichtet wurde, und nun die U 96 an dessen Stelle in den Hafen heimkehrte. Als Manko sei notiert, daß es offenbar nur ein überzeugtes Parteimitglied gab, was ich mir so nicht recht vorstellen kann, oder daß Buchheim sich immer wieder eine Seite lang mit der Beschreibung des Himmel beschäftigt, und die Wasserbomben-Angriffe hatte ich mir wuchtiger beschrieben gewünscht.
Das Buch ist ein Hammer!