Die Geschichte wäre im Ansatz sehr gut. Die Autorin hat sehr detailliert und gut recherchiert und beschreibt das Leben bei den Sachsen und vor allem die Unterschiede zwischen der Lebensweise der ansässigen Sachsen und der fränkischen Eroberer sehr gut. Aber das ist schon alles. Die Figuren bleiben, bis auf den äußerst unsympathischen Priester Grimoald, sehr platt und konturenlos. Die Geschichte dümpelt, bis auf die Beschreibung fränkischer und kirchlicher Ungerechtigkeiten, auf der Oberfläche dahin. Bei der dritten Brandschatzung eines sächsischen Dorfes und der vierten Beschreibung einer Plünderung denkt man sich: "Ja, ist schon recht. Ich hab's ja begriffen. Die Franken waren brutale Schweine."
Gunhild stolpert von einem Ereignis ins nächste und reißt ihr modernes freches Maul auf.... und bleibt, oh Wunder, völlig ungeschoren. Warum, versteht man eigentlich nicht so recht, denn damals hing man für geringere Vergehen sofort am nächsten Baum. Die einzige Erklärung, die man geliefert bekommt, ist, dass man sich vor ihr fürchtet, weil sie eine Zauberin ist. Da fragt man sich als geneigter Leser doch: "Wie bitte? Die hingen doch als erste am nächsten Ast." Aber abgesehen davon: Gunhild wird dann doch noch der Zauberei angeklagt (so gegen Ende des Buches). Und man freut sich, dass es jetzt endlich mal spannend wird. Sie erlebt das Massaker an den Sachsen mit und kurz vor ihrer Hinrichtung... schwupps landet sie wieder völlig unverhofft in der Gegenwart. Wie ungemein praktisch, mag sich da der geneigte Leser denken. Die Fortsetzung dieser uninspirierten und oberflächlichen Geschichte ist also gerettet. Man fragt sich nur: "Muß man die wirklich lesen?"
Und zur nicht existenten Liebesgeschichte: Einen Zwiespalt konnte ich in dem ganzen Buch nicht finden, denn Gunhild empfindet NICHTS. Ich gebe zu, gelegentlich ist sie empört und nach ihrer Vergewaltigung heult sie ein bißchen, aber dann ist es auch schon wieder gut. Und ich denke mir: "WOW, toughe Frau. Steckt 'ne mehrfache Vergewaltigung einfach so weg!" Mit Gerowulf verbindet sie ein kurzer Kuß auf die Wange, worauf er sie bittet, seine Frau zu werden. Wie ergreifend!!!!
Trotz der guten Ansätze und der zweifellos gründlichen Recherche hat die Geschichte weder Charme noch Feuer. Von Suchtfaktor, der weitere Bände rechtfertigen würde, ganz zu schweigen.