In Simone de Beauvoir's Werk Das Blut der anderen" geht es um die Zeit des Zweiten Weltkrieges aus Frankreich's Perspektive. Der Faschismus überrollt Europa und auch Frankreich wird Opfer. Der bürgerliche Sohn Blomart und seine Freunde wollen nicht Rädchen in einer Maschinerie sein und lehnen sich auf, gegen die Bewegung des Terrors, gegen die Vergasung tausender Juden. Dabei muss aber offenbar unweigerlich weiteres Blut vergossen werden - das Blut der anderen. Indem Blomart und seine Freunde sich zu terroristischen Akten entschließen, die Aufmerksamkeit erzeugen sollen, entschließen sie sich auch dafür, dass noch mehr Blut fließt. So heißt es auch immerzu: entscheide dich. Gehe vorwärts, handle.
Der Roman erzählt von geistigen Gewissensbissen, erzeugt durch die, die zu Schaden kommen, die, die sterben müssen. Eine der Protagonistinnen, Hélène, liebt Blomart, er sie zunächst aber nicht. Er entscheidet sich aber, an ihrer Seite zu leben, weil er sie damit glücklich machen kann. Irgendwann entscheidet Hélène, auch bei den gewalttätigen Aktionen mitmachen zu wollen. Blomart erlaubt es ihr - sie stirbt durch eine Aktion. Teils etwas verwirrend zappt das Buch durch die Zeit, geht immer wieder vom Sterbebett aus, auf dem Hélène gerade liegt, lässt Blomart über seine Schuld nachgrübeln, zitiert Dostojevski, dass jeder Mensch für alle und alles verantwortlich sei. Am Ende beteuert Hélène, dass sie nichts bereue und es ihre eigene Entscheidung gewesen wäre. Blomart will ihr glauben und entschließt zuletzt, weiter morden zu wollen - weil er muss, und obwohl seine bürgerliche Mutter ihn innerlich verflucht. De Beauvoirs Sprache macht es einem leicht, im Kopf Bilder von einem zerbombten Frankreich erstehen zu lassen, inmitten dem Hélène sitzt, steht, geht, sich nicht mehr am Leben fühlt, nicht mehr am Leben sein will, aber immer noch lebt, weil ihr Herz weiterschlägt, ob sie nun will oder nicht.
Dies ist nach Sie kam und blieb" der zweite Roman, den ich von Simone de Beauvoir las. In ähnlichem Tonfall schreibt diese von jungen Personen, die versuchen, ihren Platz im Leben zu finden, mit dem nahenden oder schon real da seienden Krieg als Kulisse. Die ewige Frage nach dem Sinn des Seins, sozusagen Existenzialismus at its best. Die Frage nach dem Sinn der Liebe. Obwohl ich keine alten französischen Filme kenne - diese müssten in etwa so sein. Simone de Beauvoir erzählt nachdenklich und benutzt ihre Figuren, um Ideen über die Welt zu veranschaulichen. Die Figuren bleiben dabei aber kein Beiwerk, sondern die Romane sind rund und authentisch. Gutes Buch!