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Produktinformation
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Die Protagonisten entstammen verschiedenen Romanen: So begegnen wir unter anderem Louis de Pointe du Lac, der zentralen Figur aus Interview mit einem Vampir. Louis verzehrt sich vor Schuldgefühlen über den Tod seiner Tochter. Er möchte wissen, ob Claudias Seele Ruhe gefunden hat. Also tritt David Talbot (bekannt aus Nachtmahr) an die Voodoohexe Merrick Mayfair heran und bittet sie, Louis diesen Wunsch zu erfüllen.
Natürlich sind Davids Motive nicht ganz frei von Eigennutz: Merrick war einst seine Schülerin und Geliebte, und er möchte das Feuer der damaligen Leidenschaften neu entfachen. Und wie alle erfahrenen Leser von Horror-Romanen wissen -- von Kinogängern ganz zu schweigen --, ist es nie eine gute Idee, die Geister der Toten heraufzubeschwören. Selbst wenn sie von Hexen oder Vampiren gerufen werden.
Die Romane von Anne Rice waren schon immer von sehr unterschiedlicher Qualität. Neben Meisterwerken wie Interview mit einem Vampir und Der Fürst der Finsternis stehen unausgewogene bis misslungene Romane wie Die Königin der Verdammten oder Armand der Vampir. Merrick fasziniert durch die einfühlsame Sprache und die große Liebe der Autorin für den Schauplatz New Orleans. Die Handlung ist klug ausgedacht, wird aber durch zu viele Rückblenden gebremst. Insgesamt also ein lesenswerter Beitrag zur Chronik der Vamipre, wenn auch kein Höhepunkt. Über die Titelfigur möchte man jedoch auf jeden Fall mehr erfahren. --Felix Darwin -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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In "Merrick" schließlich demontiert Rice nun einen Teil ihres eigenen Entwurfs und leitet eine interessante Wende ein: Louis wird nun eine Freundin gegeben, damit die selbstgeschaffene homosexuelle Tendenz für Leser wieder zurückgenommen wird, die Rice seit den letzten Jahren nicht mehr zusagt. (Die vorherigen Bände lassen nicht natürlich nicht mehr ändern.) Melancholiker Louis, den Anne Rice laut eigener Aussage zu verabscheuen begann, weil ihr so schwächlich und unsicher erschien, wird von ihr transformiert zu einem selbstsicheren neuen Charakter. Damit wird zugleich auch der letzte Selbstzweifel aus Rice Romanen genommen, denn es war immer dieser eine Charakter, der für das "Aber..." und das "Warum...?" stand. (Warum muß ich töten? Man überlege einmal, wie berechtigt diese Frage ist!)
"Merrick" weist damit in die neue Richtung amerikanischen Selbstverständnisses: der Wunsch nach von sich selbst überzeugten, äußerlich makellosen, religiösen, heterosexuellen Tatmenschen ohne Zweifel am eigenen Tun. Der Tod der Opfer wird nun ohne Nachfrage hingenommen, die Vampire beißen ja nur "Evil-doer", so haben es sich die Blutsauger versprochen. Diese schlechten Leute verdienen den Tod. Aber wer bitte wagt darüber zu entscheiden? Fällt Ihnen da nicht auch eine Parallele auf? Und wie war das noch mit "Schurkenstaaten"?
Nur drei Sterne für diesen Teil, da mir die neue Ausrichtung der Reihe nicht behagt. Gerade Unterhaltungsliteratur wirkt auf die Ansichten breiter Mengen ein und die subtile Bejahung eher beunruhigender gesellschaftlicher Entwicklungen hinterläßt einen bitteren Geschmack.
Zum Beispiel hätte die Autorin das Buch nicht in zwei starre Teile spalten sollen: gut die erste Hälfte beschäftigt sich etwas zu ausführlich mit Merricks Biographie. Die zweite Hälfte dagegen ist eher gehetzt und läßt z.B. der eigentlichen Seance zu wenig Zeit. Urplötzlich verlieben sich dann auch Louis und Merrick ineinander, wieder eine schöne Idee, aber zu hastig umgesetzt und damit leider eher unglaubwürdig. So abrupt erscheint dies eher wie ein Mittel zum Zweck... ohne mehr verraten zu wollen...
Besser wäre es - meiner Meinung nach!- gewesen, Rice hätte von Beginn an beide Themen - Merricks Leben und ihr Zusammentreffen mit Louis geschickt ineinander verflochten. Dann hätte man die Beziehung der beiden sich langsam und glaubwürdig entwickeln lassen können und die Spannung bis zur Geisterbeschwörung steigern. Auch Merricks Lebenslauf wäre in Erinnerungsfetzen interessanter zu lesen, als "in einem Stück" zu Einleitung. Dazu hätte Rice noch kurze Blicke auf den quasi im Koma dahindämmernden Lestat erlauben können. So wäre die Story lebendiger und abwechslungsreicher geworden, ähnlich wie "Queen of the Damned", in dem Rice zwischen verschiedenen Handlungsorten springt oder "Interview with the Vampire", in dem sich die Interview-Frequenzen mit Louis' Erinnerungen abwechseln.
Als finale Neuerung hätte die Autorin vielleicht den Schritt wagen sollen, mal die Erzählhaltung aus der 3. Person einzunehmen, also einen personalen Erzähler außerhalb der Story zu wählen, der aber alles sieht, wenn er auch nicht alles verrät. Die Lösung, David Talbot als Beobachter erzählen zu lassen, kommt dem schon recht nahe, doch als Person innerhalb der Handlung fehlen ihm als zwangsläufig interessante Einblicke, wenn er mal nicht anwesend ist. Z.B. warum und wie Louis - völlig entgegen seiner Grundsätze! - Merrick zum Vampir macht.
Fazit: Anne Rice hatte wieder mal einen guten Plot, nur leider erreicht die Umsetzung diesmal nicht ihre aus frühren Bänden gewohnte Güte.
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