Pressestimmen
„Spaniens Thriller-Ikone hat abermals einen temporeichen und brillanten Abenteuerroman vorgelegt!“ (Sonntagsjournal )
„Ein spannender Archäologie-Thriller vor dem Hintergrund des bevorstehenden Irakkriegs!“ (Zillo )
Kurzbeschreibung
Eine düstere Chronik hat die Jahrhunderte seit der Inquisition überdauert. Wie der Durst, ihr Unrecht zu rächen. Blut soll mit Blut getilgt werden. Doch kaltblütiger als dieser uralte Hass ist der Plan eines mysteriösen Mannes, der religiösen Fundamentalismus für seine eigenen Interessen instrumentalisiert: christliches und muslimisches Blut wird fließen für seine persönlichen Ziele. Ein Selbstmordattentat gibt der Europäischen Antiterroreinheit einen Vorgeschmack auf die drohende Apokalypse. Die Spuren führen nach Jerusalem, Granada, Istanbul und Rom ...
Der neue spannungsgeladene Mystery-Thriller der SPIEGEL-Bestsellerautorin (»Die stumme Bruderschaft«)!
Klappentext
FRIZZ
"Spaniens Thriller-Ikone hat abermals einen temporeichen und brillanten Abenteuerroman vorgelegt!"
Sonntagsjournal
"Ein spannender Archäologie-Thriller vor dem Hintergrund des bevorstehenden Irakkriegs!"
Zillo
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Ich bin ein Verräter, und ich habe Angst. Ich habe Angst vor Gott, da ich in seinem Namen grässliche Dinge getan habe.
Aber nein, nicht Ihm werde ich die Schuld an meinem Elend geben, denn Er hat damit nichts zu tun. Es ist meine eigene Schuld und die meiner Herrin. In Wahrheit liegt diese Schuld ausschließlich bei ihr, und nur bei ihr, denn stets ist sie uns allen gegenüber so aufgetreten, als wäre sie allmächtig. Niemand hat ihr je zu widersprechen gewagt, nicht einmal ihr Gemahl, mein guter Herr.
Ich werde sterben, ich spüre es in meinen Eingeweiden. Ich weiß, dass meine Stunde gekommen ist, auch wenn mir der Arzt versichert, dass mein Leiden nicht tödlich sei und ich noch lange leben werde. Doch sieht er mir nur prüfend in die Augen, achtet auf die Farbe meiner Zunge und lässt mich zur Ader, um die üblen Säfte aus meinem Körper abfließen zu lassen - den ständigen Schmerz in meinem Unterleib vermag er nicht zu lindern.
Das Leiden, das mich verzehrt, hat seinen Sitz in meiner Seele. Weder weiß ich, wer ich bin, noch, welcher Gott der wahre ist. Auch wenn ich beiden diene, so habe ich doch zugleich beide verraten. Ich schreibe lediglich, um die Bürde leichter zu machen, die auf meiner Seele lastet. Für den Fall, dass diese Aufzeichnungen in die Hände meiner Feinde oder auch die meiner Freunde gelangten, hätte ich mit diesen Worten mein Todesurteil unterschrieben.
Mir ist kalt. Vielleicht liegt der Grund dafür, dass mir nicht warm wird, sosehr ich mich in meinen Umhang hülle, darin, dass meine Seele zu Eis erstarrt ist.
Heute Morgen hat mich Bruder Peire, als er mir eine warme Brühe brachte, mit der Mitteilung aufzumuntern versucht, dass Weihnachten ist. Als er mir angekündigt hat, der Inquisitor, Bruder Ferrer, werde mich später aufsuchen, habe ich ihn gebeten, mich bei ihm zu entschuldigen. Bruder Ferrers Augen verursachen mir Schwindel, und seine gemessene Stimme ruft Entsetzen in mir wach. In meinen Alpträumen schickt er mich in die Hölle, und sogar dort noch friere ich. Aber ich schweife ab. Wer möchte wissen, ob ich friere?
Keiner meiner Mitmönche wird Verdacht schöpfen, wenn er mich schreiben sieht, denn das ist mein Amt. Ich bin Schreiber der Inquisition. Auch die anderen Brüder argwöhnen nichts. Sie wissen, dass mich meine Herrin aufgefordert hat, eine Chronik dessen zu verfassen, was sich zur Zeit in diesem Winkel der Welt zuträgt. Sie will, dass die Menschen eines Tages von der Niedertracht jener erfahren, die sich als Stellvertreter Gottes gebärden.
Immer wenn ich den Blick zum Himmel hebe, taucht der Berg mit der Burg Montsegur aus dem Dunst auf, und ich sehe seinen verschwommenen Umriss mit Beklemmung.
Ich stelle mir vor, wie meine Herrin dort oben auf und ab geht und dabei in alle Richtungen Anweisungen erteilt. Denn wie vollendet Doña María auch sein mag, sie ist nun einmal von gebieterischem Wesen. Ich mag mir gar nicht ausmalen, in was für Schwierigkeiten sie uns gebracht hätte, wenn sie ein Mann wäre. Von Zeit zu Zeit dringt die volltönende Stimme des königlichen Seneschalls Hugues des Arcis bis in mein Zelt. Er scheint nicht besonders guter Laune zu sein, aber wer ist das heute Morgen schon? Es ist kalt, und nicht nur auf den Bergen liegt Schnee, sondern auch in der Ebene. Alle sind müde. Immerhin sind die Männer seit Mai hier und fürchten, dass Péire Rotger de Mirepoix der Belagerung noch viele Monate standhalten wird. Er kann sich auf die Unterstützung der Bewohner seiner Stadt verlassen, die vor der Nase des Seneschalls mit Proviantlieferungen und Mitteilungen von Verwandten und Freunden zur belagerten Festung emporsteigen.
Gestern erreichte mich eine Mitteilung meiner Herrin Doña María. Sie will mich heute am späten Abend sehen. Vielleicht hängt meine Unruhe damit zusammen, dass ich mich dieser Aufforderung nicht entziehen kann.
Ein Hirte aus der Umgebung, der Ziegenkäse ins Lager liefert, den auch der Seneschall zu schätzen weiß, hatte sich in mein Zelt geschlichen, um mir Doña Marías Mitteilung zu überbringen. Ich soll das Lager nach Einbruch der Nacht verlassen und mich zum Eingang des Tales begeben, von wo man mich zur Festung Montségur bringen wird. Gewiss würde mir Hugues des Arcis eine gute Belohnung dafür anbieten, dass ich ihm die geheimen Pfade verrate, die dorthin führen - vielleicht aber auch würde er mich hinrichten lassen, weil ich ihn nicht längst davon in Kenntnis gesetzt habe.
Der Nachmittag will kein Ende nehmen. Ich höre Schritte. Wer mag das sein?
"Geht es dir gut, Julián? Ich mache mir Sorgen um dich, weil mir Bruder Péire gesagt hat, dass du fieberst."
Bei diesen Worten sprang der Mönch auf und umarmte den hochgewachsenen kräftigen Mann, der unaufgefordert in sein Zelt getreten war. Einen Augenblick lang fühlte er sich besser, ganz wie früher in seiner Kindheit. Damals hatte er sich in Fernandos Gegenwart stets beschützt gefühlt, denn dieser konnte jeden, der sich in böser Absicht näherte, mit einem einzigen Fausthieb niederstrecken. Meist aber hatte er seine Feinde mit seinem Blick entwaffnet, in dem stets heitere Gelassenheit lag, und sie hatte auch dafür gesorgt, dass sich seine Freunde jederzeit sicher fühlten.
"Fernando, wie wunderbar! Seit wann bist du hier?"
"Wir sind vor knapp einer Stunde im Lager eingetroffen."
"Ihr?"
"Ja, außer mir fünf weitere Ritter. Durand de Belcaire, der Bischof von Albi, hat unseren Großmeister um Hilfe gebeten, weil sich unser Bruder Arthur Bonnard auf Belagerungsmaschinen versteht, genau wie dieser."
"Schon seit Tagen treffen hier Verstärkungen ein, die der Bischof dem Seneschall, Hugues des Arcis, schickt, doch wusste ich nicht, dass er auch den Templerorden um Unterstützung gebeten hat. Er ist ein Gottesmann, der Gefallen am Krieg hat und über die Gabe verfügt, allerlei Gerät und Einrichtungen zur Vernichtung des Feindes zu ersinnen."
"Ich will hoffen, dass er darüber hinaus noch andere Gaben besitzt ...", gab Fernando mit einem Lächeln zurück.
"Gewiss! Seine Ansprachen an die Krieger sind beinahe noch feuriger als die des Seneschalls."
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Ich bin ein Verräter, und ich habe Angst. Ich habe Angst vor Gott, da ich in seinem Namen grässliche Dinge getan habe.
Aber nein, nicht Ihm werde ich die Schuld an meinem Elend geben, denn Er hat damit nichts zu tun. Es ist meine eigene Schuld und die meiner Herrin. In Wahrheit liegt diese Schuld ausschließlich bei ihr, und nur bei ihr, denn stets ist sie uns allen gegenüber so aufgetreten, als wäre sie allmächtig. Niemand hat ihr je zu widersprechen gewagt, nicht einmal ihr Gemahl, mein guter Herr.
Ich werde sterben, ich spüre es in meinen Eingeweiden. Ich weiß, dass meine Stunde gekommen ist, auch wenn mir der Arzt versichert, dass mein Leiden nicht tödlich sei und ich noch lange leben werde. Doch sieht er mir nur prüfend in die Augen, achtet auf die Farbe meiner Zunge und lässt mich zur Ader, um die üblen Säfte aus meinem Körper abfließen zu lassen - den ständigen Schmerz in meinem Unterleib vermag er nicht zu lindern.
Das Leiden, das mich verzehrt, hat seinen Sitz in meiner Seele. Weder weiß ich, wer ich bin, noch, welcher Gott der wahre ist. Auch wenn ich beiden diene, so habe ich doch zugleich beide verraten. Ich schreibe lediglich, um die Bürde leichter zu machen, die auf meiner Seele lastet. Für den Fall, dass diese Aufzeichnungen in die Hände meiner Feinde oder auch die meiner Freunde gelangten, hätte ich mit diesen Worten mein Todesurteil unterschrieben.
Mir ist kalt. Vielleicht liegt der Grund dafür, dass mir nicht warm wird, sosehr ich mich in meinen Umhang hülle, darin, dass meine Seele zu Eis erstarrt ist.
Heute Morgen hat mich Bruder Peire, als er mir eine warme Brühe brachte, mit der Mitteilung aufzumuntern versucht, dass Weihnachten ist. Als er mir angekündigt hat, der Inquisitor, Bruder Ferrer, werde mich später aufsuchen, habe ich ihn gebeten, mich bei ihm zu entschuldigen. Bruder Ferrers Augen verursachen mir Schwindel, und seine gemessene Stimme ruft Entsetzen in mir wach. In meinen Alpträumen schickt er mich in die Hölle, und sogar dort noch friere ich. Aber ich schweife ab. Wer möchte wissen, ob ich friere?
Keiner meiner Mitmönche wird Verdacht schöpfen, wenn er mich schreiben sieht, denn das ist mein Amt. Ich bin Schreiber der Inquisition. Auch die anderen Brüder argwöhnen nichts. Sie wissen, dass mich meine Herrin aufgefordert hat, eine Chronik dessen zu verfassen, was sich zur Zeit in diesem Winkel der Welt zuträgt. Sie will, dass die Menschen eines Tages von der Niedertracht jener erfahren, die sich als Stellvertreter Gottes gebärden.
Immer wenn ich den Blick zum Himmel hebe, taucht der Berg mit der Burg Montsegur aus dem Dunst auf, und ich sehe seinen verschwommenen Umriss mit Beklemmung.
Ich stelle mir vor, wie meine Herrin dort oben auf und ab geht und dabei in alle Richtungen Anweisungen erteilt. Denn wie vollendet Doña María auch sein mag, sie ist nun einmal von gebieterischem Wesen. Ich mag mir gar nicht ausmalen, in was für Schwierigkeiten sie uns gebracht hätte, wenn sie ein Mann wäre. Von Zeit zu Zeit dringt die volltönende Stimme des königlichen Seneschalls Hugues des Arcis bis in mein Zelt. Er scheint nicht besonders guter Laune zu sein, aber wer ist das heute Morgen schon? Es ist kalt, und nicht nur auf den Bergen liegt Schnee, sondern auch in der Ebene. Alle sind müde. Immerhin sind die Männer seit Mai hier und fürchten, dass Péire Rotger de Mirepoix der Belagerung noch viele Monate standhalten wird. Er kann sich auf die Unterstützung der Bewohner seiner Stadt verlassen, die vor der Nase des Seneschalls mit Proviantlieferungen und Mitteilungen von Verwandten und Freunden zur belagerten Festung emporsteigen.
Gestern erreichte mich eine Mitteilung meiner Herrin Doña María. Sie will mich heute am späten Abend sehen. Vielleicht hängt meine Unruhe damit zusammen, dass ich mich dieser Aufforderung nicht entziehen kann.
Ein Hirte aus der Umgebung, der Ziegenkäse ins Lager liefert, den auch der Seneschall zu schätzen weiß, hatte sich in mein Zelt geschlichen, um mir Doña Marías Mitteilung zu überbringen. Ich soll das Lager nach Einbruch der Nacht verlassen und mich zum Eingang des Tales begeben, von wo man mich zur Festung Montségur bringen wird. Gewiss würde mir Hugues des Arcis eine gute Belohnung dafür anbieten, dass ich ihm die geheimen Pfade verrate, die dorthin führen - vielleicht aber auch würde er mich hinrichten lassen, weil ich ihn nicht längst davon in Kenntnis gesetzt habe.
Der Nachmittag will kein Ende nehmen. Ich höre Schritte. Wer mag das sein?
"Geht es dir gut, Julián? Ich mache mir Sorgen um dich, weil mir Bruder Péire gesagt hat, dass du fieberst."
Bei diesen Worten sprang der Mönch auf und umarmte den hochgewachsenen kräftigen Mann, der unaufgefordert in sein Zelt getreten war. Einen Augenblick lang fühlte er sich besser, ganz wie früher in seiner Kindheit. Damals hatte er sich in Fernandos Gegenwart stets beschützt gefühlt, denn dieser konnte jeden, der sich in böser Absicht näherte, mit einem einzigen Fausthieb niederstrecken. Meist aber hatte er seine Feinde mit seinem Blick entwaffnet, in dem stets heitere Gelassenheit lag, und sie hatte auch dafür gesorgt, dass sich seine Freunde jederzeit sicher fühlten.
"Fernando, wie wunderbar! Seit wann bist du hier?"
"Wir sind vor knapp einer Stunde im Lager eingetroffen."
"Ihr?"
"Ja, außer mir fünf weitere Ritter. Durand de Belcaire, der Bischof von Albi, hat unseren Großmeister um Hilfe gebeten, weil sich unser Bruder Arthur Bonnard auf Belagerungsmaschinen versteht, genau wie dieser."
"Schon seit Tagen treffen hier Verstärkungen ein, die der Bischof dem Seneschall, Hugues des Arcis, schickt, doch wusste ich nicht, dass er auch den Templerorden um Unterstützung gebeten hat. Er ist ein Gottesmann, der Gefallen am Krieg hat und über die Gabe verfügt, allerlei Gerät und Einrichtungen zur Vernichtung des Feindes zu ersinnen."
"Ich will hoffen, dass er darüber hinaus noch andere Gaben besitzt ...", gab Fernando mit einem Lächeln zurück.
"Gewiss! Seine Ansprachen an die Krieger sind beinahe noch feuriger als die des Seneschalls."