Ein Jahr musste ich warten! Und es war ein wirklich hartes Jahr. Zuerst die Ankündigung, dass es einen dritten Teil geben würde; dann ein Titel und schließlich kam das Cover. Spätestens aber nach dem Klapptext und der leider recht kurzen Leseprobe war meine Vorfreude nicht mehr zu bändigen gewesen. Und nun war es endlich so weit: der dritte Band "Das Blut des Dämons" von Lynn Raven war erschien und endlich konnte es weitergehen.
Inhalt:
Dawn liegt im Sterben. Der einstige Versuch Samuels, ihren Wechsel frühzeitig zu erzwingen, hat nun fatale Folgen. Ihr Körper macht schlapp, ihr geht es schlecht, sie muss sich regelmäßig übergeben und wird ohnmächtig. Ihre einzige Stütze ist ihre große Liebe, der Lamia Julien, der ihr sogar sein Blut zu trinken gibt, um sie zu retten. Aber all das scheint wirkungslos zu sein. Und so sieht er seinen letzten Ausweg in einer Reise nach Marseille, wo in einer Höhle das Blut der ersten Princessa versteckt liegt. Eigentlich ist seine Aufgabe, dieses Relikt zu schützen, aber in seiner Verzweiflung tut er alles, um Dawn zu helfen - und nimmt dafür auch seinen eigenen Tod in Kauf. Sein Opfer scheint zunächst umsonst, denn Dawn geht es nach der Einnahme des Blutes, dem man heilende Fähigkeiten nachsagt, noch schlechter. Aber erstens kommt es anders...
...und zweitens, als man denkt.
Ich überlege mir ja gerne mal das eine oder andere Szenario, wenn es um den weiteren Verlauf einer, wie ich finde, wirklich tollen Reihe geht. Auf die Idee, die die Autorin hatte, wäre ich aber nie gekommen und so war der Überraschungseffekt wirklich da. Aber mal der Reihe nach.
Ich habe mich ja zunächst gewundert, denn dieses Buch ist umfangreicher als die bisherigen. Das kann immer Vor- und Nachteile haben. Wenn durchweg Spannung vorhanden ist, dann bin ich die Letzte, die sich beschwert. Wenn der zusätzliche Umfang aber ausschließlich in Längen besteht, kann das den Wert der Geschichte erheblich mindern und man wünscht sich dann eigentlich, lieber weniger zu bekommen, dafür aber mehr davon zu haben. Bei dem Buch ist das genau der Fall gewesen.
Die ersten 150 Seiten waren spitze. Glaubhaft wird beschrieben, wie es Dawn mit jedem Tag schlechter geht und wie sie langsam dahinsiecht. Julien ist bereit, alles zu tun und beschafft das Blut der Ersten. Dabei baut sich also schon der perfekte Plot auf, denn man weiß, dass seine Tat nicht ungesühnt bleibt und schwerwiegende Konsequenzen haben wird. Nebenbei ist das Pärchen natürlich nach wie vor in Love und auch das Thema "Romantik" kommt definitiv nicht zu kurz. Dann plötzlich - Zack - was keiner geahnt hätte, passiert und in dem Moment sackt die Geschichte für mich kontinuierlich ab. Dawn ist über weite Strecken verzweifelt, völlig nachvollziehbar, manchmal jedoch fast hysterisch und damit anstrengend. Julien hingegen schweigt sich aus. Dabei würde schon das kleinste Wörtchen reichen, um die Sache zu entschärfen, aber stattdessen nichts und als er dann mal den Mund aufmacht, bleibt keine Zeit mehr und so klingt das Gesagt für mich einfach nur halbherzig. Nun gibt es einen Schauplatzwechsel und damit fangen diese Längen an. Sachen werden beschrieben, die mich nicht interessieren. Der Jet sieht so und so aus, das Haus war toll, weil das und das, etc. Zwischendurch ein ständiges Hin und her, ständig eskaliert die Situation, ohne dass etwas passiert. Es ist natürlich nicht alles schlecht. Es gibt tolle Szenen, wo ruhig mehr hätte sein können, um dann an anderer Stelle vielleicht zu sparen. Gegen Ende wird das Buch dann noch mal richtig gut und sehr spannend. Man leidet mit dem Pärchen mit und ich war wieder an dem Punkt, wo ich mich echt gefragt habe, wie Geschichte jetzt noch ein gutes Ende nehmen soll. Oder gibt es womöglich keines? Zwischen Tod, Kampf und Wiederauferstehung habe ich voll mitgefiebert und war wieder hellauf begeistert. Die Situation spitzt sich erneut zu und plötzlich - cut - kleiner Übergang, kaum Erläuterung, dafür große Gefühle, überraschend neue Erkenntnisse und Wendungen und Happy End.
(Spoiler)
Der Fürstenrat will eigentlich nur eines: Julien hinrichten lassen. Weite Teile des Buches setzten sich genau mit diesem Schicksal auseinander. "Wie kriegen ihn, wie kriegen ihn!" Und plötzlich: "Ach, das alles ist doch nicht so schlimm. Hier hast du deinen eigenen Privatjet!" Fertig. Dawn und Julien dürfen nun doch zusammen sein, beide lebend, glücklich. Und obwohl Julien ein Vampir ist, kann er Dank Dawn im Sonnenlicht herumspazieren. Und die beiden können sich plötzlich gedanklich unterhalten. Adrian kriegt übrigens sein eigenes Happy End, weil Kate auf den letzten Seiten einfällt, dass er vielleicht doch ein kleines Schnuckelchen ist.
Hmmm, ohne lästige Vergleiche ziehen zu wollen, kamen doch ähnlich flaue Gefühle auf wie im Abschluss der Twilight-Reihe. Klar, ist das nicht zu toppen, aber "Das Blut des Dämons" kratzt schon ein bisschen am selben "Alles wird gut"-Zipfel.
(Spoiler Ende)
Fazit:
Für den Auftakt habe ich knapp zwei Tage gebraucht, für den zweiten nicht einmal 24 Stunden; beim vorliegenden Buch hat das Durchlesen fast eine Woche gedauert und das lag bestimmt nicht daran, dass ich keine Zeit hatte oder im Stress war. Für sehr gute Bücher schlage ich mir auch gerne mal die halbe Nacht um die Ohren. Es hat mich schlicht und ergreifend nicht so fesseln können wie die beiden Vorgänger. Lesenswert ist es aber dennoch. Vielleicht war die Erwartungshaltung auch einfach zu hoch?! Ich weiß es nicht.
Der Abschluss ist insgesamt nicht rundherum gelungen, aber immer noch gut. Ich würde eigentlich 3,5 Punkte gegeben - macht aufgerundet also 4 Sterne. Eine weitere Fortsetzung muss nicht sein; was soll denn jetzt noch kommen? Die Reihe hat ihren Charme, viele schöne Momente, tolle Charaktere und alles, was der romantische Vampirfan sich wünschen kann. Die Geschichte ist erzählt.
Kleine Anmerkung noch:
Vor der zweiten Auflage vielleicht noch mal Korrektur lesen lassen. Mir sind erstaunlich viele Rechtschreibfehler und fehlende Wörter aufgefallen. Und was ist eigentlich "unterschlucken"? :)