Flora, die Hauptfigur im historischen Roman "Das Blumenorakel" von Petra Durst-Benning reist mit ihrer Mutter Hannah als Händlerin nach Baden-Baden, um an die dort ansässigen Gärtnereien und Geschäfte Samen und Blumenzwiebel zu verkaufen. Unglücklich mit ihrer Arbeit, trifft sie nach Abschluss der Geschäfte auf Friedrich Sonnenschein, dessen Vater einen Blumenladen besitzt. Auch der junge Mann kann am elterlichen Betrieb keine Freude finden, und so leitet er die Baden-Badener "Trinkhalle", einen Kurbetrieb. Die beiden Leidensgenossen fühlen sich von Anfang an verbunden.
Die Autorin versteht es überaus geschickt, scheinbar unwichtige Sätze so in die Schilderung des Geschehens einzuarbeiten, dass der Leser sofort ihre Wertigkeit erkennt. Faszinierend und fachlich fundiert schildert sie, wie Flora ihr Herz den Wildblumen widmet und hofft, ihre Berufung als Blumenbinderin leben zu können. Mit Hilfe Friedrichs gelingt es ihr, erste Ausbildungsschritte in dessen elterlichem Blumenladen zu machen. Sie rodet den Garten, sät und pflanzt und verwandelt den verwahrlosten Laden durch außergewöhnliche Dekorationen.
Petra Durst-Benning schildert überaus bunt das Kurleben Ende des 19. Jahrhunderts im damaligen Baden-Baden, vermittelt auf eindrucksvolle Weise den Unterschied zwischen den reichen Gästen der Stadt und dem Lebensstil der armen Dienstboten. Mit großen Einfühlungsvermögen steigt sie in "Das Blumenorakel" in die Tiefen der menschlichen Psyche. So auch in die der Figur Konstantins, einem bulgarischen Kunststudenten und Lebemann, der als Gespiele einer wohlhabenden, alternden russischen Fürstin in einem der vornehmen Hotels abgestiegen ist. Einen Sommer lang kreuzen sich die Wege der beiden jungen Leute nur flüchtig.
Am Tag vor ihrer Abreise im Herbst macht Friedrich Flora einen Heiratsantrag. Zurück im Elternhaus werden Vorbereitungen für die Hochzeit am Dreikönigstag getroffen. Ihre belesene Tante Seraphine, die Gast auf der Hochzeit ist, erzählt Flora von der symbolischen Bedeutung der einzelnen Blumen. Als sie von den Verkäuferinnen der Konkurrenz wieder einmal geschmäht wird, wagt es Flora, die sich den Winter über eifrig mit der Blumensprache befasst hat, ihr eigenes Blumen-Abc zu schreiben. So gelingt es ihr, Zugang zu den reichen russischen Kunden zu gewinnen. Und Konstantin erhält bald die Gelegenheit, sich bei Flora als Retter in der Not zu erweisen und mehr als das...
Spannend und historisch gut recherchiert lässt Petra Durst-Benning in "Das Blumenorakel" Prunk und Reichtum dieser Zeit aufleben. Ihr Wissen über Blumen und auch die handwerkliche Kunst, damit zu gestalten, imaginiert farbenprächtige Bilder. Oft glaubt man durch die Schilderung der Autorin sogar den Duft der Blumen zu atmen. Mit "Das Blumenorakel" legt sie ein würdiges Nachfolgewerk zu "Die Samenhändlerin", das die Liebesgeschichte von Floras Eltern schildert, vor.