Die Behauptung, der Roman habe etwas mit der Technogeneration zu schaffen und sei an die 68er Eltern addressiert, ist eher unverständlich und allenfalls als Marketing-Finte zu verwenden. Menschen wie "Jo", die Protagonistin, gehören, ihrer Art nach keiner Generation an und eignen sich schon gar nicht als Stereotypen für so etwas diffuses wie die Technogeneration. So vollzieht sich auch das Sujet ganz unter der Oberfläche der, zwar chronologisch, aber lax arrangierten und autobiographisch anmutenden Collagerie von Erlebnissequenzen - ganz in der Zeit- und Epochelosigkeit des Unbewusten. Nichts wird deutlich beim Namen genannt, oder angeprangert, doch überall tun sich deutlich Abgründe auf. Aufmerksam, unbestechlich und ausgegeben wertfrei wird die Erzählung, von einer unheilvollen Stimmung durchtränkt, mit einer zurückhaltenden und dennoch tabulos krassen Subjektivität, welche stellenweise ans psychotische grenzt, von der Ich-Erzählerin in Richtung Leser transportiert. Der deutlichste Konflikt, zwischen der Protagonistin und ihrer Mutter, scheitert nur vordergründig an der passiven Sehnsucht der einen und der selbstverleugneten Interesselosigkeit der anderen, bevor er überhaupt Gestalt annehmen konnte. Wie alles andere in dieser Erzälung auch, war er von Anfang an dazu verurteilt an der Direktive der Hoffnungslosigkeit zu ersticken. Dann hinterlässt uns Jo, von einer auf den letzten Seiten der Erzälung aufkeimenden Entschlusskraft beseelt, nach einer kurzen Episode verhaltener Grausamkeit, an einem offenen Ende. Und wer weiß es schon, ist`s vielleicht ein neuer Anfang, oder doch die Präambel zum endgültigen Untergang ? Letzteres wird keiner ihr wünschen wollen, ihr, der nach Wirklichkeit ringenden, gänzlich ehrlichen Grenzgängerin aus dem Zwischenreich. Verdientermaßen ist die Erzählung mit dem aspekte-Literaturpreis geehrt worden und in ihrem Wesen - das sei hier völlig wertfrei gesagt - ganz Debut.