Ich konnte das Buch ausführlich vorab betrachten und habe meinen Kauf in keiner Weise bereut.
Es bietet hervorragende Grundlagenkapitel zur Blitzlichtfotografie mit sehr guten Beispielen. Hier werden auch kurz und verständlich Themen wie Kurzzeitsynchronisation mithilfe einer einfachen Grafik und entsprechenden Fotos auf den Punkt gebracht. Den expliziten Fokus auf manuelle Blitzeinstellungen und die Nichtbehandlung von TTL-Themen finde ich sowohl sinnvoll als auch nachvollziehbar.
Jorns will Handwerk vermitteln und keine Zufallserfolge.
Die Schwerpunkte seiner Arbeit eindeutig beim "Blick ins Buch" zu erkennen und ich bin ihm dankbar, dass Hochzeitsfotografie im Buch nicht betrachtet wird ;-)
Seinen Schreibstil finde ich überwiegend unterhaltsam, das Lesen macht mir Spaß. Störend sind die häufigen in Klammern gesetzten und teilweise länglichen Satzeinschübe. Sie machen den Text holperig.
Das Stichwortverzeichnis ist ziemlich umfassend, hat aber auch einige Lücken.
So bleibt beispielsweise der interessante Beitrag zu Funkauslösung versus Fotozelle auf S. 61 bleibt ohne zusätzliche Hilfsmittel unauffindbar. Schade.
Wahrscheinlich hilft hier nur der Fleiß des Autors, er kennt seine Themen am besten und könnte den Index am effektivsten gestalten - oder zumindest überprüfen.
Dass bestimmtes fotografisches Wissen vorausgesetzt wird, ist aus meiner Sicht in Ordnung.
Es erspart redundante Wiederholungen, die sonst einen guten Teil des Buches sinnlos füllen. Jorns weißt mehrfach und deutlich darauf hin.
Allerdings ist die schon in einer anderen Rezension kritisierte Empfehlung auf S. 75, einen Grundlagenkurs zu besuchen, falls man nicht auf die Lösung gekommen sein sollte, schlicht daneben - und lässt abermals Fragen am Lektorat dieses Buches aufkommen. Doch wer Dan Margulis (Photoshop Farbkorrekturen) überstanden hat, kann hier nur lächeln.
Was ich nicht so überzeugend fand.
Im Verlauf des Buches scheint die Genauigkeit der Informationen abzunehmen.
Fast so, als ob es schnell gehen musste.
Spätestens ab Kapitel 6 wird es sehr auffällig.
EXIF Daten
werden genannt und mal nicht. Mal ausführlich, mal weniger. Bei einigen Negativbeispielen könnten vergleichbare Informationen ebenfalls zum Lerneffekt beitragen. Die Angabe FX/DX bringt wenig weiter, wenn ich nicht weiß, mit welchem Format das Foto aufgenommen wurde.
Das Thema "welche Kamera" wird offensichtlich vermieden, einmal taucht die Monitoransicht einer Nikon D3 auf.
Wenn das die Grundlage ist, ist es zutreffend, dass Rauschen auch bei 800 oder 1600 ISO kein Thema ist. Jorns bricht zwar eine Lanze, Rauschen in 100 % Ansicht auf einem großen TFT-Bildschirm nicht überzubewerten. Trotzdem wirkt es wie ein Versteckspiel. Wozu?
Lichtformer
werden sehr ausführlich, auch unter Kosten-Nutzen-Aspekten, besprochen. Das bringt, im Vergleich zu vielen anderen Büchern, weiter und passt zu meinen Erwartungen an ein "Kochbuch".
Beim Beauty Dish bleibt aber einiges offen: Zu Größe und Farbe hätte ich auch Informationen und eine klare Empfehlung erwartet! Warum fehlen diese?
Kapitel 6 'Blitzen für Fortgeschrittene'
Farbfilter
zur Korrektur von Kunstlicht, bzw. zur Anpassung werden nur gestreift. Wer mehr wissen will, wird bei Tuck Kirk (Minimalist Lightning) fündig. Der Hinweis wäre ein Fortschritt. Oder aber ein Statement, warum es aus Autorensicht vielleicht weniger wichtig ist.
Aktfotografie
ist aus meiner Sicht das schwächste Kapitel, welches aber nur knapp 10 Seiten umfasst. Andere Autoren, zum Beispiel K. Hennig oder M. Zurmühle, haben hier wesentlich mehr zu sagen.
Das ausgewählte Model mit den extrem ausgeprägten unteren Rippenbögen wirkt, besonders im Profil, unästhetisch. Ihr Bild auf S. 243 könnte auch der Dokumentation einer körperlichen Missbildung dienen.
Im weiteren Verlauf, insbesondere in Kapitel 7, scheinen die Angaben noch spärlicher zu werden. Lichtskizzen lassen zwar u. U. darauf schließen, ob ein System- oder Studioblitz benutzt wurde. Meine Erwartungen an ein "Kochbuch" erfüllt das nicht.
Hier und auch anderswo wird erwähnt, dass 1-2 Grad bei der Ausrichtung des Blitzes entscheidend sein können. Ja, das weiß ich und jeder der Erfahrungen mit Striplights und Snoots hat.
Eine Information wie der Autor dieses Thema löst, insbesondere mit Systemblitzen, die kein mit Studioblitzen vergleichbares Einstelllicht haben, fehlt leider vollständig. Das ist nicht nur schade!
Fazit
Ob es sinnvoll ist, ein solches Buch als "Kochbuch" zu betiteln, sei dahingestellt. Aber die Wortwahl weckt Erwartungen, die nicht erfüllt werden.
Ja, Kochen muss ich selber, aber Einkaufslisten und Rezepte sollten vollständig sein! Falls es witzig sein sollte, ist dieser Witz bei mir nicht angekommen, genau so wenig wie "Strobi", der Versuch einer gesichtgewordenen Systemblitz-Karikatur.
Auch wenn die Kritik länger ausfällt als das Lob, finde ich das Buch weiterhin empfehlenswert.
Mich hat es in Sachen Blitzlichtfotografie einen wesentlichen Schritt weitergebracht und ich finde, Jorns hat zu diesem Thema was Wesentliches mitzuteilen.