Ich kaufe seit Jahren einen großen Teil meiner Lebensmittel im Bioladen. Jetzt ist dieses Buch ins Haus geflattert und ich habe es mit größtem Interesse gelesen.
Unter anderem sind mir folgende Thesen der Autorin besonders aufgefallen:
- In der Biolandwirtschaft wird Kupfer als Pilzgift verwendet. -
Das wusste ich vorher, es wird allgemein als problematisch angesehen. Pilze bekämpft man effektiv mit chemischen Mitteln. Resistenzen sind nicht bekannt. (Man darf Antimykotika nicht mit Antibiotika verwechseln!) Ich habe mich informiert, weil ich selbst mehrfach Pilzinfektionen hatte, und bei einem akuten Ausbruch half mir nur "Chemie".
- In der Gentechnik gilt die Strategie "herbizidresistente Pflanzen schaffen, um das passende Spritzmittel gleich mit zu verkaufen" als veraltet. -
Das wusste ich nicht. Ich habe die Seite von Greenpeace aufgesucht um deren Argumente unvoreingenommen zu lesen. Was Greenpeace schreibt, erscheint mir jetzt oberflächlich und parolenhaft und nicht auf dem aktuellen Stand. Eine einzige Studie wird genannt. Ich bin zu anderen Fundstellen, die sich auf diese Studie beziehen, gesurft. Die englischen Fachtexte sind nicht leicht zu verstehen. Mir ist nur aufgefallen, dass die Anzahl der Ratten pro Versuchsgruppe, nämlich 40, nicht besonders hoch ist. Zudem sind Tierversuche sowieso kritisch zu sehen.
- Der Geschmack von Obst und Gemüse hängt ab von a) Sorte, b) Standort und c) Reifegrad. Wenn diese gleich sind, ist kein Unterschied zu schmecken. -
Ich habe schon immer geahnt, das es so ist. Meine Erfahrung ist zwar, dass ich im Supermarkt öfter Ware kaufe, die mich dann geschmacklich enttäuscht, als im Bioladen. Aber das hat dann eben nichts mit "bio" zu tun, sondern mit "guter Ware" an sich.
Es stehen noch viele Thesen in dem Buch, die man unvoreingenommen mit wissenschaftlicher Forschung, dem Stand der Technik und persönlicher Erfahrung abgleichen sollte.
Eine These, die ich formulieren möchte, weil die Autorin dieser Problematik ausweicht, ist folgende:
- Pflanzenschutzmittel im Bioanbau bauen sich möglicherweise schneller ab als chemische Pflanzenschutzmittel. -
Das gilt natürlich nicht für Kupfer. Aber DDT ist wegen seiner Langlebigkeit als hochproblematisch erkannt worden und wird von der Autorin verharmlost.
Soviel zu den Sachinhalten des Buches. Gut hat mir gefallen, wie Florian Eckl in seiner Rezension hier schreibt: "Diskursanalyse im besten Sinne." Einiges was an Kritik in diesem Forum geäußert wird, ist auf genau dem gleichen Niveau, auf dem die Autorin schreibt. Sie schreibt aber absichtlich "Subjektiv. Provozierend." (S. 11, Persönliches Vorwort), weil die differenzierte Diskussion regelmäßig scheitert.
Für mich persönlich gilt ab sofort: Das Gut-Böse-Schema, von dem ich mich bisher leiten habe lassen, ist eine quasi-religiöse Überzeugung. Schluss damit. Das Einkaufen wird damit nicht leichter. Jetzt kaufe ich im Bio-Laden mit schlechterem Gewissen, wenn ich an das viele Kupfer denke und an andere Ungereimtheiten.