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Das Billardzimmer: Roman [Gebundene Ausgabe]

Marc Buhl
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 317 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1., Aufl. (Juli 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821857811
  • ISBN-13: 978-3821857817
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 13,2 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 568.384 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Marc Buhl
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Aus zwei Perspektiven erzählt Marc Buhl diese Familien- und Liebesgeschichte. Bis sich die beiden Sichtweisen zu einer Wahrheit ergänzen, die uns die Antwort auf die Frage nach der Schuld nicht einfach macht.« Brigitte • »Marc Buhl erzählt mit außerordentlicher sprachlicher Sensibilität und philosophischer Brillanz, wie Vertreter der dritten Generation mit der Last ihrer Familiengeschichte umgehen und am Ende zu einem neuen Selbstverständnis gelangen.« Jüdische Zeitung -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Kurzbeschreibung

Die Vergangenheit ist nicht tot. Sie ist noch nicht einmal vergangen Konstanz 1941. Vergeblich versuchen der jüdische Pianist Helmut Spiegler und seine Frau Eva über die Grenze in die Schweiz zu flüchten. Nur einer, so flüstert ihnen jemand zu, kann helfen: Gero von Nohlen, ein schwerreicher Immobilienhändler, der Häuser von geflüchteten Juden verwaltet. Tatsächlich nimmt von Nohlen sie unter dem Vorwand, sie seien ausgebombte Verwandte, in sein Haus auf. Während sich Helmut in die hermetische Welt der späten Beethovensonaten versenkt, gerät Eva in einen Mahlstrom gefährlicher Gefühle, der am Ende ein Leben kostet. Die tragischen Ereignisse des Frühjahrs 1945 bleiben sechzig Jahre lang verborgen, bis Gero von Nohlens Enkel bei Recherchen zur Lebensgeschichte seines nach dem Krieg mit Ämtern und Auszeichnungen honorierten Großvaters die Vergangenheit zum Sprechen bringt und die Lebenslüge einer ganzen Familie entlarvt. In einer raffinierten literarischen Komposition verschränkt Marc Buhl zwei Erzählstimmen zu einem beklemmenden Roman über die Widersprüche eines deutschen Jahrhunderts und öffnet den Blick für eine individuelle Verantwortung, die keine individuelle Schuld mehr braucht.

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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Die langen Schatten einer geschönten Biographie!, 5. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Billardzimmer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Marc Buhls neuer Roman "Das Billardzimmer" ist eine gelungene Geschichte auf zwei Zeitebenen, die von verdrängter Schuld und Lebenslügen erzählt.

In Konstanz strandet ein junges, jüdisches Ehepaar auf der Flucht vor den Nazis. Eine Ausreise in die Schweiz wird im letzten Moment verwehrt und so nehmen sie dankbar das Angebot eines Kriegsgewinnlers an, der sich moralisch rein zu waschen versucht, in dem er die beiden versteckt. In Wahrheit hat er seine Reputation nach Kriegsende im Blick, denn er weiß, dass er sich an jüdischem Eigentum bereichert hat. Während der Pianist Helmut sich immer mehr in die Musik flüchtet, entwickelt sich zwischen Eva und ihrem Helfer Gero von Nohlen eine Liebesaffäre.

Sechzig Jahre später ist der inzwischen verstorbene Gero von Nohlen noch immer eine Lokalgröße. Seine Rechnung ging auf, er wurde nach Kriegsende Bürgermeister und galt als unbestechlicher Widerstandskämpfer. Nun soll sein Enkel - der es im Gegensatz zu seinem Bruder, der in die politischen Fußstapfen seines Großvaters steigt, nicht weit gebracht hat - seine Lebensgeschichte recherchieren und schreiben. Bald spürt er, dass vom Mythos des Widerstandskämpfers nichts bleibt.

Hin- und hergerissen zwischen familiärer Loyalität und der Verpflichtung zur historischen Wahrheit versucht sich Gero von Nohlen junior von den langen Schatten der Schuld zu befreien.

Marc Buhl bringt die Widersprüche und Lebenslügen einer Biographie ans Licht, die zwar sicher nicht alltäglich aber auch nicht untypisch ist für eine Generation, die die ersten dreißig Jahre nach Kriegsende geprägt hat. Mit dem zweiten Erzählstrang und den langen Schatten, die ein solches Familienerbe bis heute prägt, ist ihm seine Geschichte jedoch leider ein wenig aus dem Ruder gelaufen.

Auch sprachlich wurde Marc Buhl seinem ambitionierten Romanprojekt nicht so ganz gerecht, so dass mich nach anfänglicher Anteilnahme das Buch im letzten Drittel doch enttäuscht hat. Dennoch möchte ich das Buch empfehlen, da der Autor eine auch mehr als sechzig Jahre nach Kriegsende relevante Geschichte zu erzählen hat!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen einer der interessantesten neuen deutschen Romane, 27. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Billardzimmer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mich im Buchladen am Anfangskapitel festgelesen und daraufhin das Buch gekauft. Im weiteren Verlauf hat es mich zunächst enttäuscht und ich habe es nach 100 Seiten weggelegt. Jetzt habe ich es mir noch einmal vorgenommen, mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen und war insgesamt von der Geschichte sehr angerührt.

Das Anfangskapitel, das mich so fasziniert hatte, gehört zu einer Reihe von Kapiteln, in denen (wie man später erfährt) eine mittlerweile sehr alte deutsche Jüdin erzählt, wie sie die entscheidenden Jahre der Verfolgung durch die Nazis überlebte. Eva Spiegler versuchte mit ihrem Mann Helmut, einem Pianisten, noch im Herbst 1941 in Konstanz über die Grenze in die Schweiz zu kommen; eine sehr junge Frau, die es versäumt hatte, rechtzeitig auszureisen, weil ihre Eltern dazu nicht bereit waren - der Vater war im ersten Weltkrieg Offizier gewesen und hatte geglaubt, dies würde ihn vor Hitler schützen. Die Grenze zur Schweiz ist zu, unter den Flüchtlingen kursiert ein sicherer Tipp: Gero von Nohlen würde helfen. Tatsächlich nimmt von Nohlen die inzwischen völlig mittellosen jüdischen Flüchtlinge in seiner Wohnung auf und behält sie dort, als sich rasch herausstellt, dass auch seine Beziehungen ihnen keine Flucht ermöglichen können. Eva Spiegler beginnt für den in undurchsichten Immobiliengeschäften reich gewordenen Gero von Nohlen die Bücher zu führen, während ihr Mann sich immer mehr in der Musik verliert. Sie beginnt eine Liebesbeziehung zu von Nohlen.

Der zweite Handlungsstrang, der letztlich tragende des Romans, spielt in der Gegenwart. Der jüngere Enkel von Nohlens, der dessen Namen Gero trägt, soll für eine Festschrift etwas über seinen Großvater schreiben. Gero von Nohlen junior ist eine verkrachte Existenz, psychisch angeschlagen, hält sich mühsam als freier Mitarbeiter der lokalen Zeitung über Wasser. Sein älterer Bruder Dietmar dagegen macht Karierre und will Oberbürgermeister von Konstanz werden. Als Gero bei seinen Recherchen entdeckt, dass das Bild des Helden, Widerstandskämpfers, Judenretters und früheren Konstanzer Bürgermeisters Gero von Nohlen senior einige dunkle Flecken enthält, ist seinem Bruder jedes Mittel recht, um zu verhindern, dass etwas aus der Vergangenheit ans Licht dringt, das ihm heute schaden kann.

Dieser Teil der Romanhandlung ist ein bisschen nach der Krimi-Manier von Raymond Chandler oder Dashiell Hammett geschrieben - Gero der einsame und etwas kaputte (Anti-)Held, der nach Philipp-Marlowe-Manier für Wahrheit und Gerechtigkeit kämpft und dabei gelegentlich eins in die Fresse kriegt. Bruder Dietmar ist als Provinzgröße, die über Leichen geht, etwas allzu sehr den Klassikern der Schwarzen Serie abgekupfert; seine frustrierte Frau Clara, die Gero mag, bleibt ebenfalls etwas undifferenziert und farblos, ebenso wie die Chefredakteurin der Zeitung etwas klischeehaft erscheint. Das waren die Gründe, die mich beim ersten Lektüre-Versuch irgendwann abbrechen ließen. Beim zweiten Versuch hat mich das alles (wie gelegentliche grammatische Fragwürdigkeiten im Gebrauch der Zeiten) jedoch weniger gestört, weil Marc Buhl insgesamt ein sehr schlüssiges Erzählkonzept entwickelt und vor allem mitreißend umsetzen kann. Die stärksten Passagen, da stimme ich den anderen Rezensenten zu, sind die eingestreuten Erzählungen Eva Spieglers. Das Verhältnis dieser Passagen zum Rest des Buches finde ich insgesamt schlüssig und überzeugend, auch das Ende keineswegs übertrieben. Man muss ein Buch nach seinen eigenen Zielen beurteilen und fragen, inwieweit es dem Autor gelungen ist, diese Ziele überzeugend umzusetzen. So halte ich es letztlich für eine subjektive Geschmacksfrage, ob einen das Ergebnis überzeugt oder nicht. Ich habe ja nun beide Erfahrungen gemacht: Ich war enttäuscht und genervt - und ich war beim zweiten Versuch fasziniert; die Chandler-Hammett-Masche hat mich schließlich sehr amüsiert. Insgesamt meine ich, dass Marc Buhl sein Konzept sehr gut umgesetzt hat. Natürlich hätte es jemand anders auch anders schreiben können, den einen oder anderen Akzent anders gesetzt oder Klischees vermieden (dafür vielleicht andere produziert). Mich hat das Buch insgesamt doch nicht hundertprozentig überzeugen können, aber doch sehr weitgehend.

Die größte Stärke des Autors ist es, mit wenigen Mitteln eine Atmosphäre sehr genau zu schildern. Nicht alle Personen sind gleichermassen schlüssig gezeichnet. Eva Spiegler am meisten, sehr nachvollziehbar aber auch der alte Gero von Nohlen, der als sehr schillernde, nicht auf eine schnelle Bewertung festzulegende Person erscheint. Sehr gut auch einige kurze Passagen aus der Perspektive seiner alten Schwester. Der junge Gero von Nohlen lässt beim Leser einiges offen, was aber zu dieser Figur gut passt, ich bin ihm letztlich doch sehr gern und aufmerksam auf seinem Weg gefolgt. Gar nicht überzeugt hat mich der Pianist Helmut Spiegler, der folgerichtig von seinem Autor irgendwann aus dem Weg geräumt wird; blass die übrigen Frauengestalten, aus denen Buhl vielleicht doch mehr hätte holen können, da er sie immerhin interessant genug anlegt. Bruder Dietmar von Nohlen überzeugt mich in seiner undifferenzierten Brutalität letztlich nicht. Zu sehr wird hier die Vergleichbarkeit mit dem Großvater betont, zu wenig dafür aber vergleichbar Schillerndes und Nicht-Vorhersehbares bei Dietmar angelegt.

Fazit: Seit langem einer der interessantesten und faszinierendsten deutschen Romane, mit den gemachten Einschränkungen. Im Vergleich etwa zu dem hochgelobten (und in meinen Augen völlig überbewerteten) "Vorleser" von Bernhard Schlink, der ein vergleichbares Sujet beschreibt, doch das überlegene Buch.

Meine Empfehlung: Unbedingt lesen, mit kritischem Blick, aber auch mit der Bereitschaft, sich von dieser Geschichte mitziehen zu lassen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Die eine Hälfte der Geschichte berührt, die andere nicht, 16. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Billardzimmer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Leider hat der Autor der Versuchung nicht widerstehen könne, in den Teil der Geschichte, der in der Gegenwart spielt, zu viel hinein zu packen.

Die Ich- Erzählung der Eva, die vom alten von Nohlen gerettet wird, ist voll mit spannenden, berührenden und verstörenden Szenen. Das ist richig gut. Dem junge von Nohlen aber wird alles in die Seele gepackt, was dem Autor so eingefallen ist. Diese Figur muss nicht unbedingt das Schwarze Schaf der Familie sein, -dazu noch psychisch so labil,dass dauernd komische Bilder auftauchen,- um glaubwürdig zu sein. Auch der Bruder hätte nicht in die Nähe eines eventuellen Mordes gebracht werden müssen. Das ist alles aufgesetzt und unglaubwürdig. Und dass der Held sich zum Schluss noch in der Wüste verirrt, ist albern.

Trotzdem hinterlässt das Buch beim Leser Spuren. Es verschwindet nicht einfach aus dem Gedächtnis sondern man sieht die Erzählung als Bild vor sich. Das ist leider selten, und deshalb ist das Buch zu empfehlen.
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