Der eigentliche Text, der gemäß Nachwort wohl mit ziemlicher Sicherheit von Catherine Robbe-Grillet geschrieben wurde, ist nur knapp 100 Seiten lang. Die Story ist aus Sicht eines Mannes geschrieben, der sich nur am Rande für eine Frau namens Claire interessiert. Irgendwann stellt ihm Claire ihre Sklavin Anne vor und dann auch zur Verfügung. Der Ich-Erzähler findet Gefallen an der gemeinsamen Unterwerfung von Anne. In der Mitte der Novelle zeigt ihm Claire einige erotische Fotos von Anne, aber offenbar auch eins von ihr. Der Ich-Erzähler begreift allmählich, dass Anne nur der Spiegel (das Bild) von Claires Wünschen ihm gegenüber ist.
Der ganze Text ist hervorragend geschrieben. Allerdings ist die Story dann doch etwas konstruiert. So ist auch das Ende bald vorhersehbar. Dennoch: Sehr erotisch und bestürzend. Und wieder einmal gilt: In der Kürze liegt die Würze.
Die Novelle ist der O-Autorin Pauline Réage gewidmet, das Vorwort ist offenbar von Catherines Ehemann, dem Schriftsteller Alain Robbe-Grillet, geschrieben und verwirrenderweise mit P.R. unterzeichnet.
Das Nachwort befasst sich der erotischen Literatur seit dem Erscheinen der O (und den diversen Indizierungen), aber auch den Motivationen der Autorin. Ein sehr lesenswerter Text.