Ludwig Hirsch war, wie man nach seinem tragischen Freitod nun leider sagen muss, ein Liedermacher. Nun gut, Künstler, die zu diesem Genre zu zählen sind, gibt es viele. Allen gemein ist, dass sie sich mehr oder weniger dem industriellen Kommerz versagen, um mit oft leisen Titeln, die mit dem Mainstream unvereinbar sind, anspruchsvolle Texte zu transportieren, die zum Zuhören zwingen, häufig nachdenklich machen, zuweilen auch einen Hang zur Komik besitzen, ganz sicher aber zu einem ganz gewiss nicht geeignet sind: Als Hintergrundberieselung zu dienen, die zwischen Tür und Angel gefällig mitkonsumiert werden kann.
Unter eben jenen Liedermachern besetzte Hirsch stets eine Ausnahme- (um nicht zu sagen Außenseiter)-position. Im fast durchgehend melancholischen musikalischen Gewand erzählte er, häufig im Sprechgesang, Geschichten, die ganz tief unter die Haut gingen und gehen, häufig scheinbar harmlose Gestalten vom Schlage des "Herrn Haslingers" thematisieren, die einen sympathisch-schrulligen Sonderling zeichnet - um die vermeintlich dörfliche Idylle, den freundlichen Alten dann mit nur einer einzigen Zeile als reißenden Wolf im Schafspelz zu demaskieren.
So sind es überhaupt Ludwig Hirschs Themen (insbesondere aber deren geniale Umsetzung), die ihm unter den Liedermachern von gestern und heute eine besondere Position zuweisen. Man denke nur an "I lieg am Rücken", das von einem lebendig Begrabenen erzählt, leise, melancholisch und verhalten gruselig, vor allem aber ungemein berührend.
Vielleicht sind es überhaupt diese beiden Worte, die das Schaffen des Österreichs am besten charakterisieren. Es ist jene unvergleichliche, teilweise morbide Atmosphäre, die seine Stücke erzeugen, die überraschenden Wendungen; es ist seine Melancholie, seine hochgradig ausgeprägte Sensibilität, die seine Musik und seine Texte auszeichnen und ihnen ihren ganz unverwechselbar individuellen Stempel aufdrücken.
Mit Ludwig Hirsch ist ein Großer seiner Zunft gegangen, der ob seiner Individualität eine nicht ausfüllbare Lücke hinterlässt. Dieses Album vereint die besten Lieder seines Schaffens; tief unter die Haut gehende Stücke, die man nicht täglich hören kann, jedoch nie mehr vergisst. Wie auch immer: Ein würdiges Dokument, eine zeitlose Erinnerung an einen ebenso feinfühligen wie feinsinnigen Künstler, dessen tragisches Schicksal betroffen macht.
So betroffen wie seine leisen, teils bösen, zuweilen ironischen, melancholischen, das Spießertum geißelnden, in jedem Falle stets ungemein berührenden Lieder, die selbst dann packen, wenn sie verstören.