Wer sich schon immer gefragt hat, wie die Seele und das Gewissen eines Lebenswesens aussehen und funktionieren könnte, für den ist dieses Buch (bzw. alle drei Bücher der Dark Material Triologie) sehr anzuempfehlen.
Wer sich außerdem schon immer gefragt hat, warum wir (lt. kirchlich übermittelten Ansichten) zu Sündern werden, sobald wir dem Kindesalter entwachsen sind, wird an diesem Buch seine helle Freude haben.
Wen es schon immer interessiert hat, was wohl passieren würde, wenn die Engel herausfänden, daß Gott (hier: die Autorität) sie betrogen hat und ihnen seit Ewigkeiten die Unwahrheit über ihre Entstehung und vor allen Dingen über seine eigene Entstehung erzählt hat, sei dieses Buch absolut ans Herz gelegt.
Philip Pullman hat mit den 'Dark Materials' und auch seinen vielen anderen Büchern großartige Werke vorgelegt. Er beschäftigt sich mit religiösen, physikalischen, chemischen, mystischen und esoterischen Themen und schafft es, diese durch seine Protagonisten lebensecht, mitreißend und fesselnd an den Leser zu bringen.
Seine Hauptfiguren Lyra, Pan und Will sind sehr detailliert ausgearbeitet und schaffen es, eine innige Beziehung zum Leser zu erzeugen, die soweit geht, daß ich (und nicht nur ich) bitterlich an einigen Stellen der Bücher weinen mußte. Allerdings freut man sich auch unbändig über die Erfolge und kleinen Fortschritte der handelnden Figuren und wird irgendwie Teil der Dark Material Welt, die dann gar nicht mehr so leicht zu verlassen ist, weil es quasi zum Kampf wird, das Buch wieder aus der Hand zu legen.
Am interessantesten ist Pullmans stetige Auseinandersetzung mit der Idee der Seele. Hat jeder Mensch eine? Wie sieht sie aus? Wie macht sie sich bemerkbar? Und was passiert, wenn man sich von ihr trennen muß?
Viele die ihre Rezensionen hier vor mir geschrieben haben, stuften sein Buch als Fantasy ein.
Ich habe seine Geschichte nie als reine Fantasy empfunden, weil eben viel zu viele glaubenstechnische Aspekte die Handlung und die Richtung des Buches bestimmen.
Fans von Fantasy-Geschichten, die bei diesem Buch Terry Pratchet - (auch großartig) oder "Elfen- und Feenzauber"-Fantasy-Märchen erwarten, könnten vielleicht eher von Pullman enttäuscht sein.
Seine drei "Hauptbücher" sind denjenigen Leuten zu empfehlen, die Harry Potter nicht als Maß der Dinge betrachten und die vor allem nicht allzusehr kirchlichen Ideologien hinterherhängen und göttliche "Autoritäten" nicht als allmächtig, unsterblich und unfehlbar beurteilen.
PS: Wer die Möglichkeit hat, es in englisch zu lesen, sollte es tun. Die deutsche Übersetzung ist nicht so schön, wie die Fassung in Original-Sprache.