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Das Beginenwesen in Deutschland
 
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Das Beginenwesen in Deutschland [Taschenbuch]

Frank-Michael Reichstein
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 460 Seiten
  • Verlag: Köster, Berlin (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3895744271
  • ISBN-13: 978-3895744273
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 15 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die mittelalterlichen Beginen gehören zu den äußerst kontrovers diskutierten Phänomenen der Frauengeschichte. Ihre ungewöhnliche Lebensart zwischen Kloster und Welt veranlaßte schon vor zwei Jahrhunderten Historiker zur Veröffentlichung zahlreicher lokaler Darstellungen in heute nahezu unzugänglichen Vereinszeitschriften. Seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Beschäftigung mit der Geschichte dieser semireligiösen Frauen zunehmend zur Domäne feministischer Frauenforschung. Durch Ideologisierungen und Quellenferne entstand teilweise ein völlig überpointiertes Bild der Beginen als Reformerinnen und Revolutionärinnen. Mit dieser Studie wird erstmalig eine Monographie zum deutschen Beginenwesen mit einer Regesten- und Hausregelsammlung für Beginen in 636 Ortschaften erstellt, um neue Grundlagen für eine sachliche Betrachtung zu schaffen. Das Beginenwesen verkörperte keine Bewegung mit selbständigen Zielen. Keineswegs galten Beginengemeinschaften grundsätzlich als häresieverdächtige Randgruppe, sondern ordneten sich den allgemeinen Zielen der im 13. Jahrhundert verstärkt auftretenden Bußbewegung unter.

Der Autor über sein Buch

Abstract der Dissertation
Zusammenfassung (abstract) der Dissertation
„Studien und Katalog zum Beginenwesen in Deutschland“

vorgelegt von Frank-Michael Reichstein – Tag der Wissenschaftlichen Aussprache: 10.7.2001

Die Anfänge der Geschichte des deutschen Beginentums führen in das frühe 13. Jahrhundert. Die ungewöhnliche Lebensart dieser Frauen zwischen Kloster und Welt veranlaßte schon vor zwei Jahrhunderten Historiker zur Veröffentlichung zahlreicher lokaler Darstellungen in heute nahezu unzugänglichen historischen Vereinszeitschriften. Seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Beschäftigung mit der Geschichte dieser semireligiösen Frauen zunehmend zur Domäne feministischer Frauenforschung. Die historische Auseinandersetzung trat dabei oft in den Hintergrund. Durch Ideologisierungen und Quellenferne entstand teilweise ein völlig überpointiertes Bild der Beginen als Reformerinnen und Revolutionärinnen, welche sich nicht in die mittelalterliche Stadtgesellschaft haben einbinden lassen wollen.
In dieser Studie wurde der Versuch unternommen, eine Monographie zum deutschen Beginenwesen mit einer Regesten- und Hausregelsammlung für Beginen in 636 Ortschaften zu erstellen, um neue Grundlagen für eine sachliche Betrachtung zu schaffen. Die Geschichte der Beginen sollte aus dem verengten Radius der „geschlechtsspezifischen Perspektive“ wieder in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang eingebettet werden. Das deutsche Beginenwesen erscheint als integrales Element der mittelalterlichen Stadtgesellschaft. Die Auswertung der Regesten läßt vermuten, daß es kaum eine Stadt ohne Beginenkonvent gegeben haben wird. Die semireligiösen Frauen lebten zumeist inmitten der mittelalterlichen Stadtanlagen unter der Protektion von Welt- bzw. Ordensklerus, Stadträten oder einfachen Bürgern und Bürgerinnen. Das bürgerliche Stiftungswesen förderte die Ausbreitung des Beginentums maßgeblich. Die Untersuchung zeigt, daß sich die Frauen vorwiegend mit Hilfe dieser Stiftungen etablierten. Die Sorge um das Seelenheil der Stifter stand dabei im Mittelpunkt. Krankenpflege und Totendienst sind als ein Hauptbetätigungsfeld der Beginen anzusehen. Daraus erklärt sich auch deren Beliebtheit über viele Jahrhunderte hinweg.
Der Lebensalltag der Frauen wurde grundsätzlich durch Beginenordnungen bestimmt, welche der Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit der Frauen hinsichtlich des Tagesablaufs, der Bekleidung, der Tätigkeit, der Verfügbarkeit und Vererbbarkeit des Vermögens und nicht zuletzt auch der Austrittsmöglichkeit äußerst enge Grenzen setzten. Es gibt keinerlei Hinweise, daß Beginen über ein „Netzwerk“ von gegenseitigen Verbindungen verfügt haben.
Es wurde in der Studie versucht, den Mythos der Verfolgung und systematischen Ausrottung der deutschen Beginen zu widerlegen. Es hat sich bestätigt, daß zwischen den verschiedenen semireligiösen Frauengruppen sehr genau unterschieden werden muß. Die schwankenden offiziellen Verlautbarungen verdächtigten oder verurteilten zumeist jeweils ganz spezifische Ausprägungen des Semireligiosentums. Die ambivalente Einstellung der Kirche hinsichtlich der Beginenfrage bleibt aber unstrittig. Die unpräzise Abgrenzung der frommen Frauen von häretischen Gemeinschaften kann jedoch nicht als einziger Grund für die Verwicklungen rechtschaffener Beginen in Konfliktsituationen gelten. Die sogenannte Begräbnisfrage oder der Vorwurf der unrechtmäßigen Verwaltung franziskanischen Vermögens für die Mönche durch Beginen bildeten vielfach den eigentlichen Anstoß zur Kritik gegenüber den Frauen.
Beginengemeinschaften galten keineswegs grundsätzlich als häresieverdächtige Randgruppe, sondern ordneten sich den allgemeinen Zielen der insbesondere im 13. Jahrhundert verstärkt auftretenden Bußbewegung unter. Das Beginenwesen verkörperte keine Bewegung mit selbständigen Zielen. Eine beginenspezifische Spiritualität läßt sich ebenfalls allgemein nicht nachweisen. Die Regulierungsversuche durch Nikolaus V. im Jahre 1452 leiteten den teilweisen Niedergang des Beginenwesens ein. Der Verlust des semireligiösen und damit auch weltlichen Charakters einiger Beginenkonvente förderte die Akzeptanz der Gemeinschaften in der Stadtgesellschaft nicht. Die Entwicklung der Konvente über das Zeitalter der Reformation hinaus war nicht von der jeweils dominierenden Konfession der Regionen abhängig, sondern vielmehr von dem Wohlwollen der Stadträte, welche einen entscheidenden Einfluß auf die Gemeinschaften ausübten.
Ich möchte mich auf diesem Wege bei Herrn Prof. Dr. Johannes Helmrath - Humboldt-Universität zu Berlin - und Herrn Prof. Dr. Wolfgang Radtke - Technische Universität Berlin für Ihre Unterstützung bedanken.


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Natürlich ja. Aber 5. Juni 2009
Natürlich ja! Aber..

Die Berliner Diss von 2001 heißt (etwas entschuldigend) "Studien und Katalog". "Studien" sind eher Anfänge. Der Autor vorsichtig weiter: "Versuch einer Monographie zum (nicht des!) deutschen Beginenwesen, mit Regestensammlung" (S. 199). Diese "offenbart die Lücken der lokalen Beginenforschung.., wobei der Verf. hofft, weitere stadtgeschichtliche Forschungen anzuregen." (S. 201). Denn Beginen "lebten in nahezu jeder deutschen Stadt." (S. 5). Und keineswegs nur da, viele auf dem Lande, wo sie genauso gebraucht wurden.
Daher liegen "in der Erforschung der B.geschichte immer noch erhebliche Potenziale." (S. 201). Folglich existiert auch n a c h Reichsteins Arbeit 2001 die "vergleichende Gesamtdarstellung zur Geschichte des deutschen Beginenwesens" (S. 6) noch nicht, zu der dieser jedoch den lang erwartetenen ersten Anlauf nahm, was sehr zu begrüßen ist.

Die Prämonstratenser-Doppelklöster fehlen in der Arbeit nahezu völlig (z.B. Schäftersheim/Tauber). - Ein grober Schnitzer ist die Ansprache der Bürgerfrau aus allen 6 Holzschnitten der barmherzigen Werke des Pilgertraktats "Bruoder Klaus" (um 1487) als "Begine". Nach den zugehörigen Texten wäre sie allenfalls die häufig zit. "Seele" (anima). Die Darstellung ist jedoch immer schematisch spätmittelalterlich - mit Dekolletee.

Stichprobe Rothenburg o.d.T. (S. 333): Wenn (nach der gründlichen Diss Borchardt 1988) schon Detwang (S. 231) und Gammesfeld (S. 248), dann auch Neusitz (Dominikanerinnenkloster-Anfänge), Gemmhagen, Kreuzfeld (in Kleinstdörfern!), Kloster Sulz, Bruder Hartmann [= Hausen am Bach/Ba.-Württ.]. - Es gibt noch viel zu tun.

Ekkehart Tittmann, Rothenburg
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