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Unser Architekt erhält den Auftrag, in Indien den alten Königspalast von Sanchor zu einem Hotel umzubauen. Und nun folgt dieser zweite Teil des Buches und der Sprachablauf wird stark gebremst, wird gemächlich. In dieser fremden Welt kommt es zu Begegnungen, die ihn ablenken, auf andere Gedanken kommen lassen. Er beginnt mit dem Studium der Kühe. Und er erklärt einmal, dass er an der „Gestalt der heiligen Kuh so viel Heiligkeit erfahren hat, wie uns auf Erden überhaupt nur möglich ist“. Er beschreibt ausführlich die Augen der indischen Kühe, beschreibt die Kühe mit ihrem langsamen Bewegungen und ihrem fast reinen und urtümlichen Aussehen. Dann wird dieser Ich Erzähler nach und nach zu einem Teil des Inventars am Hof des Königs von Sanchos. Es ist ein glänzender König, jedoch ohne Privilegien, der aber leider nur über ein oder zwei Straßenzüge herrscht. Ein indischer Don Quixote, er sich täglich sein Königtum neu erträumt. Diese Welt, am Hof des schon am äußersten Zerfall sich befindenden Königreiches, in einem „verbrauchten, modernen Armut Indien“ , beschreibt der Autor minutiös, gibt ihr mehr Aura als den ökologisch bewirtschafteten Luxushotels der ganzen Welt. An dieser Stelle ist es eigentlich auch ein Buch gegen die wuchernde Hotelisierung dieser Welt.
Der dritte Teil beschreibt wie die Manon dann nach Indien kommt, ihn dort im fernen Palast besucht. Der Protagonist ist natürlich begeistert, verbringt eine wunderschöne Nacht mit der Angebeteten. Doch die verliebt sich am nächsten Morgen in den König. Wie es weitergeht? Der Spannung zuliebe soll hier mehr nicht verraten werden.
Er setzt zwei Welten nebeneinander, einerseits diesen Kulturbetrieb im modernen Europa aus dem er kommt, den er auch gut und witzig beschreibt und dagegen hält er eine schon im äußersten Stadium des Verfalls befindliche, über dreihundert Jahre alte Dynastie, eine die mit dem Tod des insolventen Königs dann wahrscheinlich wirklich endende Welt, die er auch in ihrem Verfall beschreibt. Das geschieht fast etwas „Stifter haft“, wie er zeigt, was hier zerstört wird und was so nicht wieder entstehen kann. Man könnte meinen es wäre eine fiktive Enklave, wenn man nicht davon ausgehen müsste, dass der Autor in Indien lange Zeit gewissenhaft recherchiert hat.
Martin Mosebach, Schriftsteller aus Frankfurt, fünfundfünfzig Jahre alt, ist glänzender Stilist, ein wunderbarer Autor. Bisher hatten seine Bücher immer etwas „Kauziges“, hier geht der Blick tiefer, es bekommt etwas metaphysisches, es bleibt eben nicht an der Oberfläche, es geht wirklich tief hinein. Hier beschreibt er diese Kunstwelt, die Gegenwelt zu dem bestehenden deutschen, europäischen, westlichen Kulturbetrieb. Er stellt, glänzend phantasierend, diese andere Welt da, bringt auch die Enttäuschung über unsere moralische Falschheit zum Ausdruck und schafft humorvoll, komisch, ironisch und satirisch eine reflexive Sinnlichkeit. Eigentlich eine pessimistische Weltsicht. Und dann die vielen philosophischen Reflexionen, „Nur sehr wenig in unserer Welt würde der Gegenwart der heiligen Kuh standhalten“.
Glänzend auch die vielen Metaphern in diesem Roman.
Das Problem des Buches ist es zweifellos, die beiden Geschichten, die Liebesgeschichte und die Indienfahrt, zusammen zu bringen. Das scheint nicht optimal gelungen. Trotzdem eine überaus intelligente Unterhaltung aus einer anderen Welt, mit anderen Normen, aber eigentlich keine Gegenwelt zu der unsrigen, es ist ein ramponiertes Indien, das Land was die Kolonialherren zurück gelassen haben.
Das Buch hat ein Ende, das den Autor auch als eine Art Spieler darstellt.
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