"Das Baumlied" selber unterscheidet sich in manchen Punkten von seinen Vorgängern. Während dort entweder Hem oder Maerad im Vordergrund standen, teilen sie sich nun dieses Buch, während sie sich von den verschiedenen Enden Edil-Amaranons entgegenkommen.
Da man mittlerweile nirgends in den sieben Königreichen mehr sicher ist, haben beide Stränge sehr viel zu bieten und jede Gruppe hat so ihre eigenen Hochs und Tiefs.
Auch die Story an sich hat Licht- und Schattenseiten, was aber an der literarischen Vorlage liegen mag; immerhin handelt es sich um so etwas wie ein Heldenepos. Zum Ende hin verläuft vieles einfach zu glatt oder ist einfach zu unglaubwürdig, als dass es auch nur ansatzweise hätte so passieren können, selbst in einem fantastischen Universum. Trotz dieses kleinen Makels hat das Buch viel zu bieten, zum Beispiel viele innere Monologe, in denen gerade die starken Charaktere mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen haben. Bei diesen Auseinandersetzungen mit sich selbst wird dem Leser vor allem auch verdeutlicht, welchen Preis sie für ihre Macht zahlen müssen. Außerdem wächst im Speziellen der Charakter Maerad weit über sich hinaus und hält so den Leser in Atem, welches Wunder sie als nächstes vollbringen mag. Das Ende an sich gestaltet sich eher unspektakulär, denn plötzlich ist alles vorbei - aber der dazugehörige Epilog ist dann wieder sehr schön geworden, denn er hat diesen Hoffnungsschimmer-Charakter, auch wenn schon klar ist, dass es an dieser Stelle keine Weiterführung der Geschichte gibt. Sicherlich ist auch "Das Baumlied" wie seine Vorgänger nichts für schwache Nerven, denn Tote, Krieg und Kämpfe säumen den Weg der Figuren.
Auf den ersten Seiten befindet sich eine übersichtliche Karte auf einer Doppelseite, die das ganze Edil-Amaranon-Gebiet abbildet; wieso diese Karte sich auch auf der Rückseite des Einbandes, also auf der allerersten Seite, und der allerletzten befindet, mag dabei schleierhaft bleiben. Aber gebraucht wird zumindest eine der Karten auf jeden Fall; obwohl die Figuren in ihrer Welt schon fast ein Jahr unterwegs sind, gibt es noch immer Orte, die sie nicht aufgesucht haben, und so kann man den Weg der einzelnen Gruppen sehr gut im Auge halten.
Ebenfalls wie seine Vorgänger befindet sich zu Anfang ein Inhaltsverzeichnis über das gesamte Buch, aus dem man erfährt, dass einen ein weiteres Vorwort der Autorin Alison Croggon sowie ein Anhang erwartet, in dem unter anderem Informationen zu den Hauptfiguren zu finden sind, die sie nach Anfrage ihrer Leser zur Verfügung stellt.
Sicherlich ein sehr schöner Abschluss dieser Reihe, die in sich sehr rund ist und dem Leser wahrlich eine sehr interessante Geschichte zu bieten hat, die einen durch seinen Facettenreichtum immer wieder zu fesseln weiß und trotz aller Niederlagen und Hindernisse doch zu einem guten Ende findet.