Nach der Lektüre dieses Romans, den ich zwischendurch kaum aus der Hand legen mochte, bin ich noch immer tief betroffen. Ich habe selten ein so vielschichtiges Buch gelesen. Nabokov spielt auf der Klaviatur literarischer Stilmittel. Das ist überwiegend amüsant und bereitet Vergnügen. Auch baut Nabokov beim Leser ständig neue Vorahnungen auf, deren Erfüllung er dann aber immer wieder verwehrt oder verschiebt. Das fesselt und macht die Lektüre spannend. Der Inhalt des Romans erzeugt jedoch zunehmend mehr Beklemmung und geht tief unter die Haut. Adam Krug ist der Name des unglücklichen Helden der Geschichte. Zu Beginn stirbt seine Frau bei einer Operation. Die Liebe zu ihr und seinem achtjährigen Sohn stellt den einen Erzählstrang dar. Den anderen bildet der Versuch des Diktators des fiktiven Landes, in dem Krug lebt, ihn für seine politischen Zwecke der Gleichschaltung des menschlichen Bewußtseins zu mißbrauchen. Mit diesem Diktator, der den Spitznamen "Kröte" trägt, ist Krug zusammen zur Schule gegangen. Die Erlebnisse dieser Jugendzeit holen ihn nun ein und lassen die damals harmlos wirkenden Episoden nun einem neuen tiefergründigen Licht erscheinen. Diese beiden Fäden drehen sich immer schneller umeinannder und verweben sich schließlich auf unheilvolle Art. Der unpolitische, und dadurch zutiefst politisch wirkende, Krug ist den gesellschaftlichen Bedingungen (fast) unentrinnbar unterworfen. Dadurch wirkt der Roman wie eine Rechtfertigung für Nabokovs eigene Emigration.