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Das Bastardbuch: Autobiografische Stationen
 
 
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Das Bastardbuch: Autobiografische Stationen [Gebundene Ausgabe]

Hans Neuenfels
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
  • Verlag: Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann (22. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570580288
  • ISBN-13: 978-3570580288
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,6 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 181.351 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Verführerisch gut geschrieben, farbenreich und flüssig, voll Poesie, voller Überraschungen.“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung )

"Hans Neuenfels' Autobiografie - ein exzessives Bühnenleben, in dem sich ein halbes Jahrhundert Theatergeschichte spiegelt." (DIE ZEIT )

„Berührend, eindringlich und packend. Eine famos abgefasste und sorgsam edierte Autobiographie.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung )

Kurzbeschreibung

Die Lebenserinnerungen des herausragenden deutschen Opernregisseurs

Hans Neuenfels ist einer der profiliertesten deutschen Opernregisseure, dessen Inszenierungen, zuletzt „Lohengrin” in Bayreuth, stets für heftige Kontroversen sorgen. Im „Bastardbuch” zieht er die vorläufige Bilanz seines Lebens und seines Schaffens als Theater- und Opernregisseur, als Schriftsteller, Dramatiker und Filmemacher. Seine Karriere begann 1964 am Theater am Naschmarkt in Wien. Als maßgeblicher Begründer des Regietheaters ist er dem Anspruch der gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung auf der Bühne bis heute treu geblieben. Als kreativer Künstler war er zudem stets ein Grenzgänger. In Paris war er Assistent des Malers Max Ernst, und Schreiben war neben dem Inszenieren für ihn von jeher ein Kernbedürfnis. Das „Bastardbuch” ist ein sprachgewaltiges, scharfsichtiges Werk, das ein persönliches Bild mit dem einer ganzen Generation verbindet.


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lebensschau 19. September 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Der Bastard, jahrhundertlang ein Schimpfwort, Synonym für einen, der als 'Unfall' gilt, verschwiegen wird, 'da draußen' sein Dasein zu fristen hat und der dennoch verbunden ist, nicht wegzuleugnen, wenn es darauf ankommt.

Im Anblick dieser prallen, gefüllten, intensiven Lebensgeschichte der Kunst, des Theater, der Oper, die Hans Neuenfels gelebt und erlebt hat und von der er nun auf fast 460 Seiten in Bild und Wort kündet, liegt Neuenfels mit diesem Wort als Programm nicht daneben. Immer umstritten, mal lauthals, mal leisere Pfiffe, doch immer ist eine Reibung an seinem Werk, seinen Inszenierungen vorhanden. Er, der die Krone deutscher Regiearbeiten schon längst erlangt hatte, der den Wagner in Bayreuth in intensiven, anderen Formen auf die Bühne brachte (und bringt), der auch dort Reibung erzeugt, aber Unvergessliches zu hinterlassen versteht, hat eine lange Geschichte mit vielen Episoden zu erzählen, beginnend in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts und, nicht nur in den Anfängen, untrennbar verbunden mit Person und Werk des Max Ernst.

Seine bildhafte Stärke, sein immer zu spürender Zug zur aufweckenden, ergänzenden Visualisierung seiner Theaterarbeit, das wird ihn seit diesen Anfangsjahren nicht loslassen und eines seiner Markenzeichen sein. Ebenso wie ein, durchaus in Teilen, ausuferndes Leben, ganz auch Klischees der 'wilden Kunst' erfüllend.

Daneben aber spürt man dem Buch auch die intensiven Momente ab, nicht nur in der Kunst, auch in der Liebe. Die Schauspielerin Elisabeth Trissenaar ist der rote Faden im Leben von Hans Neuenfels, ein roter, ihn bindender, Faden, den er ohne Umschweife zu Papier bringt, der sich durch seine 'autobiografischen Stationen' (so der Untertitel des Buches), begleitet.

Neben diesen ruhigen Tönen, die das Fundament des Menschen Neuenfels in den Fokus mit rücken, lebt das Buch von einer vielfältigen Rückschau auf Erfolge, Provokationen, Streitereien, die im Nachgang manches Mal eher absurd erscheinen und, eben, vor allem, Werke, Arbeit, Aufführungen, Erläuterungen. So kann, was Neuenfels charakterististisch über seine Frau zu sagen weiß, fast ungeschmälert auch für ihn übernommen werden:' Das Verletzliche paart sich mit unbeirrbarer Willenskraft, tarnte sich sogar mit ihr. Besessener Fleiß und eine Disziplin, die bis zum ...... Zusammenbruch führte.'

Eine Lebensreise, die ihn vom Theater bis hin zum Film und zu Operninszenierungen (bereits in den 70er Jahren) führte und in der auch seinen Ruf als Musikregisseur Formen anzunehmen begann. Immer treu am Werk und immer anders in der Darbietung. Inszenierungen, die, folgt man dem Buch und den verschiedenen Rezeptionen der Aufführungen, immer auch in die menschliche Tiefe vordrangen und emotionale Reaktionen genauso hervorrufen wollten, wie emotionales Erleben als Teil der Inszenierung begriffen wurde.

Sprachlich ist das Buch flüssig zu lesen und bietet einen intensiven Blick in die deutsche Theatergeschichte vor allem der letzten Jahrzehnte. Sicherlich benötigt es hier auch ein grundsätzliches Vorinteresse des möglichen Lesers. Neben so manchen Anekdoten und einer durchaus offenen Darstellung der eigenen Person mit ihren problematischen Seiten, dreht sich das Buch doch zu weiten Teilen um das Theater, die Oper, die Stücke, die Orte, die Arbeit der Inszenierung und verbindet das vielfach menschliche und biografische mit diesen Orten und Arbeiten. Zudem schwingt natürlich durchaus ein Teil aufregender Zeitgeschichte hinter den biografischen Erinnerungen mit. Die 60er und 70er Jahre waren Zeiten des Aufbruchs, des Experiments, der Auflösung konservativer Strukturen am Theater. Innovatives, das sich eng mit dem Namen Neuenfels verbindet und im Buch erkennbar nachvollzogen werden kann. Vor allem da, wo es Neuenfels, die 'Reibung des Missverständnisses' zu Gehör bringt.
Jene Diskrepanz zwischen den herrschenden Erwartungen und seiner konkreten Umsetzung, die oft und oft zu skandalträchtigen Reaktionen geführt haben.

Im Gesamten für den Theater- und kunstinteressierten Leser durchaus informativ und dicht zu lesen, ohne persönliche Abstürze und wesentliche Elemente des persönlichen Lebens auszusparen.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Uwe-Jens Has TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Das ist eins von den Büchern, bei denen man die, die man gerade
so liest, erstmal beiseite legen kann: Neuenfels erzählt so
lebendig seine bunte Fülle von Erlebnissen, mit Sinn für
Szenenwechsel, dass man sie als 'Die Erzählung des Theatermannes'
getrost den Chaucer'schen Canterbury Tales zuordnen könnte.

Theater- und Opernfreunde, haben natürlich am meisten davon
aber selbst jene, die, wenn das Wort 'Theater' ausgesprochen
werden soll, schon bei der Silbe 'The..' zusammenzucken, wie
Gustaf Gründgens es einmal von sich selber sagte, können mal
schau'n: Wie geht es bei den Theaterproben zu?
Mit Anteilnahme kann man es auch lesen, zum Beispiel die zehn Seiten,
über seinen Bobtail:
Beim herumtollen auf einer Wiese vergößerte er den Übermut und wenn
Neuenfels sich mit seiner Frau stritt, plazierte der sich so in der Nähe
und doch abseits und permanent wegkuckend, sodass beide bemerken
mussten: So ein Streit ist aus Hundesicht ja nun völlig überflüssig.

Neuenfels, eine Art intellektuelles Frühchen, das sich mit sechzehn
an den Tropf der Weltliteratur gesetzt hat und nur wenig später erschien
ein Gedichtband von ihm mit Illustrationen von Max Ernst.

Sein Buch heißt 'Autobiografische Stationen'. Manchmal sogar buchstäblich:

Einmal fährt er auf Kreta mit dem Bus von Heraklion nach Knossos.
Seine Frau Elisabeth Trissenaar ist mit dabei. Es sind sonst keine Fahrgäste im Bus,
nur der Fahrer und die Beiden. Der Bus hält an einer Station, wer steigt ein?
Greta Garbo. Mit Kopftuch und Sonnenbrille, aber ihr Profil unverkennbar.
Nachdem die Beiden sich gefasst haben, geht er ein paar Reihen weiter vor zu ihr hin
und beginnt 'Excuse me,..' Und die Garbo: 'Yes, it's me, thank You'.
Auf dem Weg zu einem Mythos der Antike steigt an der Busstation ein Mythos
der Moderne zu.

Mit Elisabeth Trissenaar hat er übrigens, ohne dass es einer Absprache bedurfte,
nie eine Probe zu Hause besprochen.

Es gibt noch eine 'richtige Station' im Buch:
Ein Besuch in einer psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt.
Die Besuchte ist Raucherin und so hat er ein paar Packungen Zigaretten dabei.
Aber schon auf dem Weg wird er von zwanzig Frauen, weil es ja die Frauenabteilung
ist, um Zigaretten 'gebeten'. Wer so eine Szene je erlebt hat, wie sie auch in
'Einer flog über das Kuckucksnest ' hätte vorkommen können, vergisst es nie:

Neuenfels verteilt Zigaretten an alle, gibt zwanzig mal Feuer und die Frauen
lachen leicht auf, tanzen ein bisschen, werden wieder zu jungen Mädchen.
Für einen Moment trat das Glück zur Tür herein..
Neuenfels' Gedanken schweifen zu den Zigarettenarbeiterinnen in Bizet's Carmen.

Er besucht Jean Genet, beschreibt dessen flinke Diebes-Wendigkeit und weiter:
'Und die Gespräche flitzten wie bunte Eidechsen durch den Raum'.
Einer seiner Lieblingssätze ist:

'Die Wirklichkeit ist nur auf der Durchreise zu ertragen'.

Als er in Wien ankommt eine seiner frühesten Stationen, um sich in einer
Felix-Krull-reifen Vorstellung beim Max Reinhard-Seminar zu bewerben, sagt er:
'Die Donaumonarchie trat über die Ufer und überflutete mich'.
In der Jury saß Otto Schenk, der ihm mitteilt:

'Sie sind aufgenommen, junger Mann. Wollen Sie uns noch etwas sagen?'

Und Neuenfels, keck:

'Ich möchte auch Regie studieren'.

Otto Schenk nun wieder:

'Das wird sich weisen, junger Mann, seien Sie froh, dass Sie
Schauspieler sein können. Auf Wiedersehen'.

Irgendwo sagt er:
'Ich denke, es gibt einfach Zeiten in uns die derart stark sind,
dass wir vor Überwältigung nie dazu kommen, sie vollends zu erfassen'.

Und: 'Der einzige Luxus des Alters ist die Erinnerung'.

Aber wie er hier die Erinnerung inszeniert hat: Wunderbar.
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