Eine bissige Parodie auf den irischen Milieuroman, die ich mit Vergnügen weiterempfehle. Ich bin eigentlich ein bißchen hin- und hergerissen, weil die groteske Überzeichung von Armut, Rückständigkeit und Lebensmittelknappheit zwar ungeheuer komisch wirkt, angesichts der Hungerkatastrophen des 19. Jh., die mehreren Millionen Iren das Leben kosteten, auch eine ziemlich makabre Beimengung hat. Trotzdem habe ich meine Kenntnisse über Landeskunde, Familienstrukturen und Folklore beträchtlich erweitern können. Schon allein die Info, dass alle Iren Jams O'Donnel heißen, dürfte touristische Aufenthalte auf der Grünen Insel in Zukunft sehr vereinfachen. Stilistisch ist "Das Barmen", wie überhaupt alle Romane von Jams O'Donnell, einfach virtuos. Wer "Auf Schwimmen-zwei-Vögel" und "Der dritte Polizist" mag, wird auch "Das Barmen" lieben.