Nun bin ich nicht gerade ein Vielfahrer, benutze die Bahn aber dennoch häufig genug, um mich während der Lektüre des Buches immer wieder an Situationen erinnert zu fühlen, in denen mir ähnliches widerfahren ist.
Zwischen Erlebnisberichten, die man amüsant nennen könnte, handelte es sich nicht um Beispiele aus dem Alltag der Bahn, findet der Leser Fakten und Statistiken um die Bahn und verschiedentliche Meinungen und Stellungnahmen von Bahnmitarbeitern und Fahrgastverbänden. Soweit eine ganz gute Mischung. Dann war da noch "Lieschen Müller", die weltfremde Tante, die in einigen Einschüben ihre - etwas simpelsinnige - Meinung einstreut.
Ob das Buch nun inhaltliche Detailfehler aufweist (wobei zu Bedenken ist, dass die Zeit und damit Fahrpläne nicht stehen geblieben sind), sei dahin gestellt. Ansonsten wird der Lesespaß wohl stark von den eigenen Erfahrungen des Lesers abhängen.
Ich empfand als angenehm, einmal genau den Ärger mit anderen geteilt zu sehen, den ich selbst mit der Bahn erlebt habe. Die Darstellung bürokratischer Unzulänglichkeiten bei der Bahn war ebenfalls deutlich überfällig. Nur wird vermutlich alle Kritik genau dort nicht ankommen, wo sie am sinnbringendsten wäre: Bei den Bahnfunktionären selbst.
Letztlich ist das Büchlein nicht viel mehr als ein Ventil für angestauten Frust. Es lindert den Frust. Für meinen Geschmack wird aber an etlichen Stellen zu sehr polemisiert - vermutlich um dem Buchtitel gerecht zu werden. Dabei ist die Polemik gänzlich überflüssig, sprechen die aufgezeigten Beispiele doch bereits für sich. Auch die "Lieschen Müller"-Einschübe hätte man sich getrost sparen können. Sie wirken gekünstelt bauernschlau und flach.
Schlussendlich sei noch erwähnt, dass sich das Buch keinesfalls an wirkliche "Bahnhasser" richtet, sondern an genervte Fahrgäste, die an sich doch vom Verkehrsmittel Bahn überzeugt sind und die Hoffnung auf eine Behebung einiger Missstände noch nicht verloren haben.