Der namenlose Ich-Erzähler verlegt eines Tages seinen Lebensraum in das Badezimmer seiner Pariser Wohnung, die er mit seiner Lebensgefährtin Edmondsson teilt. Zwischen Wanne und Waschbecken sitzend, sinniert er über die Vergänglichkeit des Lebens und den Tod und empfängt mehr oder weniger zufällig vorbeischauende Gäste.
Im zweiten der insgesamt drei Kapitel des Buches begibt sich der Erzähler auf eine Reise nach Venedig, wo er sich in einem kleinen Hotel einmietet. Das Hotelzimmer verlässt er allerdings nur selten, auch hier ist er die meiste Zeit damit beschäftigt, nachzudenken. Die Reise nach Venedig hebt die Weltentfremdung des Erzählers nicht auf, das Badezimmer wird im Grunde nur gegen ein Hotelzimmer getauscht.
Mit Edmondsson, die ihm auf seine Bitte hin nachreist, besucht er einige Museen und Kirchen. Doch nachdem er seine Freundin willentlich, aber grundlos mit einem Wurfpfeil verletzt hat, reist diese nach Paris zurück. Aufgrund einer Stirnhöhlenvereiterung verbringt der Erzähler danach einige Tage in einem Krankenhaus der Lagunenstadt, bevor auch er ebenfalls nach Hause zurückkehrt. Dort, in Paris, richtet er sich erneut in seinem Badezimmer ein.
Jean-Philippe Toussaints Roman spricht nicht nur von der Sinn- und Zusammenhangslosigkeit des Daseins, sondern bildet sie auch sprachlich und formal ab. So sind die drei Kapitel des Buches in insgesamt fünfzig nummerierte Paragraphen unterteilt, die gelegentlich aus nur einer einzigen Zeile bestehen und keinen Sprach- beziehungsweise Gedankenfluss entstehen lassen. Alles Sprachliche bleibt unfertig, fragmentarisch. In diesen minimalistischen Erzählbewegungen der Hauptfigur spiegelt sich eine zerstückelte Welt, die kein sinnvolles Ganzes mehr zu ergeben vermag.
"Das Badezimmer" ist prima Literatur. Beim Lesen kommt eine geradezu fabelhafte Leichtigkeit auf. Man wird weder gefesselt - dazu sind die Beobachtungen zu detailliert, aber doch nicht zu lang, weshalb man auch nicht gelangweilt wird. Unterhalten wird man schon gar nicht, dazu ist die Geschichte, die in Paris und Venedig spielt, etwas zu seltsam. Beziehungen knirschen, Tennis wird gespielt und es kommt Sex direkt vor, aber so selbstverständlich einfach und nebensächlich nett, dass man erst merkt, wie krank der Rest der Welt ist, der daraus immer so einen Akt macht.
Ganz nebenbei wird man mit großen Fragen konfrontiert: die Geschwindigkeit des modernen Lebens, das persönliche Streben nach Glück, die Endgültigkeit getroffener Lebensentscheidungen - Fragen, die noch lange nachhallen, wenn das Buch längst zugeklappt ist.