"Je kranker, je besser". Ja, ich gehöre auch zu dem Personenkreis, der sich seine Thriller nach diesem Motto aussucht. Nachdem ich "Die Blutlinie" und "Der Todeskünstler" gelesen hatte, fühlte ich mich bei McFadyen bislang auch gut aufgehoben. Ja ok, der Herr schweifte bereits bei seinem zweiten Buch in peinliche uninteressante Gefühlsduseleien ab und ließ uns an unfassbar unwichtigen Gedankengängen von Smoky teilhaben (halloooohooo! Lady, Du bist NICHT der Mittelpunkt der Erde!). Aber bei diesem Buch übertreibt er es wirklich! Ich habe das Buch in 2 Tagen gelesen (ja, ich weiß auch nicht, wieso) und es ist von Anfang bis Ende langweilig und ein gnadenlos enttäuschender McFadyen. Wieso?
1. Smoky ist wehleidig. Und jammert. Ständig. Überall. Natürlich nicht laut, sondern in ihren Gedanken. Diese Gedanken bekommen die Leute aus ihrem Team glücklicherweise nicht mit, sonst wäre sie garantiert längst von einem übelst genervten Mitglied (James??) erschossen worden. Ich könnte es nachvollziehen, denn Smoky tut in diesem Buch im Grunde nichts anderes als gefühlte 23 Mal über ihre Vergewaltigung, ihre Kindheit und ihre erste Ehe zu lamentieren. Das langweilt, das nervt! Ich habe teilweise ganze Seiten hintereinander übersprungen und ich kann nicht behaupten, den Faden verloren zu haben.
Mr. McFadyen, ja, wir Frauen sind manchmal Jammerlappen und es ist gut, dass Sie das verstehen. Aber dann schreiben Sie doch bitte diese Art von Romanen, in denen auf dem Cover ein Mann mit wehenden langen Haaren und offenem Hemd eine blonde langhaarige Frau im Kleid in den Armen hält und ihn anschmachtet.
2. Die Story ist nicht spannend. Zugegeben, anfangs hielt ich sie noch für vielversprechend. Aber letztendlich entpuppte sie sich als ziemlich lahm. Kein Nervenkitzel, kein fiebriges hastiges Umblättern, kein Höhepunkt (außer die zahlreichen eigenen der Charaktere...). Die Story, die Jagd, alles plätschert und dümpelt vor sich hin. Es zeigt sich nichts wirklich Erschütterndes, keine menschlichen Abgründe, nichts. Ja ok, natürlich hat der Täter einen an der Klatsche, aber ganz im Ernst: Das war nun auch nichts weltbewegend-verstörendes.
3. Die Charaktere nerven. Nun ja, eher nervt, wie Smoky alle haarklein beschreibt. Sorry, aber ich habe die ersten beiden Bände gelesen, ich kennen die Leute mittlerweile! Ich muss nicht zum 37. Mal erklärt bekommen, wie tough derjenige ist, wie schön diejenige ist oder wie humorvoll sonstwer! Wissen Sie, Mr. McFadyen, das ist der Sinn an einer Buchreihe: Man erklärt nicht durchgehend in jedem Band jeden Charakter in all seiner Ausführlichkeit. Dafür war das erste Buch bereits da und in den kommenden wird nicht mehr so detailliert darauf eingegangen! Callie bidlschön, Smoky anscheinend hässlich wie die Nacht und James ist Brummbärchi. Ist klar, wir haben es verstanden! Ersparen sie uns diese Lobgesänge bitte!
Also alle, die dennoch das Buch lesen wollen (ich kenne das! ich gehe auch immer am liebsten in die Kinofilme, die zerissen wurden. Macht voll Bock ;)): Leiht es euch aus! Kauft es nicht! Spart euch das Geld lieber für "Ausgelöscht". Das habe ich gestern fertig gelesen und -er kann es noch!!!- es ist lesenswert!