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Das Böse: Oder Das Drama der Freiheit
 
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Das Böse: Oder Das Drama der Freiheit [Taschenbuch]

Rüdiger Safranski
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 334 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 9 (1. Februar 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596142989
  • ISBN-13: 978-3596142989
  • Größe und/oder Gewicht: 19,3 x 12,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 141.538 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Rüdiger Safranski
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Lebe wild und gefährlich

Rüdiger Safranski erzählt vom Bösen

Von Uwe Justus Wenzel

Das Böse gehöre nicht zu den Themen, denen mit einer «These» oder einer «Problemlösung» beizukommen sei, schreibt Rüdiger Safranski im Vorwort seines neuen Buches. Die «verschlungenen Wege» durch «das Dickicht der Erfahrung mit dem Bösen», die es bahne, mögen – allenfalls – «da und dort Perspektiven eröffnen, die etwas weiter sehen lassen». Zeugt es von List oder von Wankelmut, von Vorsicht oder von Ratlosigkeit, wenn ein Buch sich gewissermassen programmatisch der Bestimmtheit verweigert – ein Buch wohlgemerkt, das, obgleich «schön» geschrieben, nicht zur «schönen Literatur» zählt, sondern in die Rubrik «neue Sachbücher» fällt?

Dem Zwang solch sauberer Demarkation freilich scheint Safranski, der als Biograph E. T. A. Hoffmanns, Schopenhauers und Heideggers hervorgetreten ist, sich nicht fügen zu wollen. Er sei «ein freier Schriftsteller, der bestimmte Gedanken mit dem Mittel der Erzählung» ausloten wolle, gab er kürzlich einem Nachrichtenmagazin zu Protokoll. Indem er erzählend «die geistigen Abenteuer grosser Denker der Vergangenheit» zu vergegenwärtigen sucht, suspendiert er nicht nur alte Grenzen, er zieht auch neue, wie das aufschlussreiche Interview demonstriert. Eine zwischen sich und den «heutigen philosophischen Diskussionen», die ihm ungenügend und «kurzatmig» vorkommen, weil (?) dort «mit Kopfstimme vorgetragen» werde; eine andere zwischen sich und dem «Weltverbesserer».

Weltanschauung

Vielleicht hilft – pedantische? – Motivationsforschung, um ein Buch besser zu verstehen, das kein bloss philosophiehistorisches sein will, aber auch kein systematisches sein kann, das in einem bestimmten Sinne gar kein philosophisches ist, erspart er sich doch, was seit Platon das Geschäft derjenigen ist, die Philosophen genannt werden: Wahrheitsansprüche zu prüfen, Rechenschaft abzulegen über mögliche gute Gründe (Argumente) für eine Behauptung. Von dieser, übrigens nicht schlechten, lehrbuchartigen Charakteristik könnte man sich nun leicht abstossen, um zu einer «These» zu gelangen, die sich dem Buch – doch – entnehmen lässt: Das Problem mit dem «Bösen» sei, dass es gerade keine guten Gründe kenne, dass es mit dem Grundlosen und Abgründigen «im» Menschen zu tun habe. (So zu reden – und Safranski redet hier und da so – läuft nicht notwendig auf blosse Wortspielerei hinaus.) Doch noch ist die Frage nicht beantwortet, welchem «Genre», wenn nicht dem philosophischen, das Buch zugehöre.

Die impressionistischen «Erzählungen aus Begriffen», die es – mit dem alttestamentarischen Sündenfall beginnend und bei Hitler nicht endend – präsentiert, sind keine veritablen Erzählungen, ihr Resonanzraum ist nicht nur die Seele: vernehmlich sind, überdeutlich, doch auch Kopfstimmen (schliesslich sind Hiob und Augustin, Rousseau und Kant, Schelling und Schopenhauer im Spiel). Und es ist diese Mischung aus Erbauung und Reflexion, die das Buch zu einem weltanschaulichen werden lässt, einem Text, der politische Ansichten in den Mantel des Allgemeinmenschlichen hüllt; der etwas sagen, etwas bedeuten will, ohne dafür «einstehen» zu müssen. Der Erzähler kann sich notfalls darauf zurückziehen, es nicht gewesen zu sein. Er bringt Meinungen und Anschauungen zu Gehör und in die Schwebe; nicht mit dem Konjunktiv, sondern mit dem Indikativ: indem er die Grenzen zwischen «Eigenem» und (im Indikativ) «Referiertem» verwischt. Dieser suggestiven Camouflagetechnik entspricht, dass der Erzähler – als wolle er den Leser von den Quellen fernhalten – die vielen eingeflochtenen Zitate nirgends genau nachweist (dies dürfte auch nicht immer leichtfallen). Seine mediale Durchlässigkeit lässt ihn, andererseits, augenscheinlich auch vergessen, dass dieser oder jener Gedanke einem anderen Kopf, diese oder jene Formulierung einer fremden Feder entstammt.

Welche Weltanschauung «vermittelt» der vielstimmige, allseits offene Text? Wenig verkürzt: Das Leben ist gefährlicher, als saturierte Wohlstandsbürger und harmlose Vernunftkünstler meinen, denn der Mensch ist ein abgründig freies Wesen, kein homo oeconomicus und kein animal rationale , sondern ein homo metaphysicus, dessen Freiheit nach wie vor zum Bösen ausschlagen kann. – Natürlich hat auch diese zeitlose «Wahrheit» ihre Zeit. Safranskis Einsatzstelle, die im Buch keine Erwähnung mehr findet, ist der «Umbruch» von 1989: Was als verheissungsvolles Ende wechselseitiger Dämonisierung begann, endete im Beginn einer neuen Mordlust.

Umbruch

So jedenfalls sah Safranski es damals, als in Deutschland ein jugendlicher, rechter Mob unter zwiespältiger öffentlicher Anteilnahme Jagd auf «Ausländer» machte, als im zerfallen(d)en Sowjetimperium Tribalismus und Pogromstimmung sich breitmachten: «Eben noch glaubte man, die Kraft der zivilen Gesellschaft entdeckt zu haben, da öffnet sich in ihrer Mitte ein Abgrund aus Hass, Verwahrlosung, Menschenfeindlichkeit und Mordlust. (. . .) Die Geschichte ist wieder in den Aggregatszustand ihrer blutigen Unfertigkeit getreten.» Das steht in der Keimzelle des neuen Buches zu lesen, in Safranskis Beitrag zu einem Sammelband, der vor etwa vier Jahren unter dem Titel «Die selbstbewusste Nation» erschienen ist. Seinen Herausgebern, Heimo Schwilk und Ulrich Schacht, tut kein Unrecht, wer sie als Vordenker und Fürsprecher einer neuen Rechten bezeichnet.

Sensible «Diagnostiker» wie Botho Strauss – er liess den Bocksgesang nochmals anschwellen – waren mit von der Partie. Auch Safranski, die wachsende Wüste vor Augen, beklagte den «Verlust einer substantiellen Kultur». Stereotype konservativer Kulturkritik finden sich im neuen Buch, dessen Schlusspassage mit derjenigen des Aufsatzes übrigens weitgehend übereinstimmt, zuhauf wieder. Was soll man also davon halten, dass Safranski in dem erwähnten Interview beteuert, «das Böse» sei eine «Denkfigur», die ihn dazu herausfordere, «anderen Gedanken nachzugehen als den heute üblichen ideologischen Versatzstücken des linken oder rechten Zeitgeistes»? Handelt es sich – wenig originell – um das Lippenbekenntnis eines braunen Wolfes im Schafspelz des weisen Erzählers? Um eine Selbsttäuschung? Oder um einen Ausdruck jener «Beweglichkeit», von der er in demselben Interview meint, sie könne «in Umbruchzeiten nur nützlich sein»? Das Buch, gelenkig, wie es ist, lässt jede Antwort zu.

Selbst wenn man es nicht einer «symptomatologischen Lektüre» unterzieht, sondern «da und dort» beim Wort nimmt (und damit es ernster als es seine Leser), bleibt es in Zwielicht getaucht. Zwar will Safranski nicht den Teufel bemühen, um das Böse zu verstehen (so der erste Satz), die Freiheit aber, deren «Preis» das Böse sei, verklärt er sogleich wieder zum «Mysterium». An den für seine Weltanschauung zentralen Begriff der Freiheit verschwendet er so gut wie keine analytische Energie. Die aufklärerische Absicht der Entmythologisierung des Bösen wird nicht nur in diesem Punkt durchkreuzt von seiner Remythisierung.

Am Ende immerhin, nachdem die lauernden «Verfeindungsenergien» in Exerzitien geistiger Entsicherung beschworen worden sind, deutet sich eine überraschende Kehrtwendung an. «Pflicht zur Zuversicht» lautet das Kant entlehnte Losungswort. Für Safranski bedeutet es: «Eingedenk des Bösen, das man tun und das einem angetan werden kann, kann man immerhin versuchen, so zu handeln, als ob ein Gott oder unsere eigene Natur es gut mit uns gemeint hätten.» Ein solch pragmatischer Ausklang erleichtert. Von ihm her fällt anderes Licht auch auf eine Sentenz, die sich in dem bereits zu Rate gezogenen Aufsatz findet: «Zum reifen Alter gehört die Bekanntschaft mit dem Bösen . . .» – Auf dem Rücken des Tigers lässt sich noch immer behaglich ein Pfeifchen schmauchen. Wozu dann die ganze erhabene Emphase? Wiederum wäre manche Antwort möglich; siehe oben. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Wer vom Bösen spricht, muß sich auf die theologische und philosophische Tradition dieses Begriffs einlassen. Wenn das Böse denn als Begriff firmieren darf und nicht viel eher als Deckwort zu gelten hat für die nicht zu sistierende Frage nach der Natur des Menschen. Denn die Möglichkeit des Bösen verweist auf den Abgrund der menschlichen Freiheit. Safranski zeigt in seinem Buch, daß nicht der Teufel bemüht werden muß, um das Böse als Drama der menschlichen Freiheit zu verstehen. Sein Buch bahnt sich einen Weg durchs Dickicht der Auseinandersetzungen mit dem Bösen: Ein Weg, der von den großen biblischen Mythen seinen Ausgang nimmt, zentrale Positionen des theologischen, philosophischen und ästhetischen Umgangs mit dem Bösen vor Augen führt und bis zur Konfrontation mit dem Bösen nationalsozialistischer Vernichtungspolitik reicht.

»Das Böse ist der Preis der Freiheit.«
Rüdiger Safranski


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Auf den Spuren eines Faszinosums. Denn es ist stets das Böse, was uns Menschen fasziniert und in seinen Bann zieht: Hannibal Lector, Darth Vader oder auch Hitler und Stalin; diese Menschen, ob fiktional oder real, üben bis heute einen riesigen Einfluss auf uns aus. Und daran schließt sich unweigerlich immer eine Frage an: Was veranlasst Menschen dazu, sich über die Konventionen der bürgerlichen Moral zu erheben und...Böses zu tun? Und wie viel dieses bösen Potentials steckt eigentlich in einem selbst? Der Philosoph Rüdiger Safranski nähert sich dieser Frage in seiner Darstellung "Das Böse oder: Das Drama der Freiheit" an und beleuchtet sie aus religiöser, philosophischer und literarischer Perspektive.

Gleich zu Beginn erläutert Safranski das Theodizeeproblem, also die Frage, wie ein gütiger und allmächtiger Gott Böses zulassen kann. Die Antwort auf diese Frage findet sich bereits im Untertitel des Buches: "Tatsächlich hatte Gott den Menschen unermeßlich erhöht, indem er ihn wählen ließ. Es ist wohl genau diese Freiheit, die den Menschen gottebenbildlich machte. Deshalb kann Gott nach dem Sündenfall sagen: 'Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner'" (24). Es ist gerade die Freiheit, und somit auch die Freiheit, Böses zu tun, die uns Menschen auszeichnet. Es ist genau diese Erkenntnis, die in dem Satz, dass das Böse der Preis der Freiheit sei, zum Ausdruck gebracht wird.

Es war unter anderem Kant, der das Böse so umschrieb. Doch für den großen Königsberger Philosophen gehörte das Böse nicht zur Natur des Menschen. Zwar gebe es einen Hang, nicht aber einen Zwang zum Bösen, "denn als Vernunftwesen besitzen wir immer noch den Entscheidungsspielraum, welchen Antrieben wir Einfluss auf die 'Maximen' des Handelns geben" (193). Im Anschluss an Kant, beschreibt Safranski die Antworten Schopenhauers, Nietzsches, Heideggers, Rousseaus und Hobbes auf das Phänomen des Bösen.

Zu den Höhepunkten der Darstellung gehört meiner Ansicht nach Safranskis Spurensuche nach den Quellen des Bösen in der Literatur. Neben der berühmten Erzählung des Großinquisitors aus Dostejewskis Die Brüder Karamasow überzeugt vor allem Safranskis Analyse von Joseph Conrads Novelle Heart of Darkness . Kurtz, der Mitarbeiter einer Handelsgesellschaft, hat gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Kolonie Belgisch-Kongo in einem Dschungelstück ein brutales Regime errichtet und lässt die Einheimischen abschlachten oder sich zu Tode arbeiten. Seine letzten Worten lauten: "The Horror! The Horror!" Doch was ist das für ein Grauen, welches Kurtz hier in seinen letzten Atemzügen zum Ausdruck bringt? Ist es der Ruf der Wildnis, der auch das Wilde in Kurtz Seele entfesselt hat? Nein, sagt Safranski: "Der verstörende Aspekt der Wildnis ist nicht ihre Wildheit, sondern ihre sinnabweisende Stummheit. Sie 'wispert' dem Menschen zu, daß sie ihm auf überwältigende Weise nichts zu sagen hat" (219). Es ist die Erkenntnis der absoluten Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz, die für Kurtz das Grauen bedeutet. Die Botschaft der Wildnis lautet: "Tu, was du willst, es wird nicht von Bedeutung sein" (ebd.).

Fazit: Fesselnde Darstellung über ein Thema, welches die Menschen seit Jahrtausenden in ihren Bann zieht. Safranski beweist einmal mehr, dass er es wie kein anderer versteht, anspruchsvolle Themen verständlich und gut lesbar zu umschreiben, ohne zu sehr zu vereinfachen.
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28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Ein in Anbetracht des schwerstgewichtigen Themas bemerkenswert flott geschriebenes Buechlein, das den Leser auf der ersten Seite bei der Hand nimmt und auf einen Spaziergang entlang der Abgruende der menschlichen Freiheit fuehrt. Die Faehigkeit des Autors, komplexe Gedanken und Konstruktionen in einfachen Worten darzulegen, ohne sie aber bis zur Verfaelschung zu vereinfachen, beeindruckt. Gelegentliche dichte dunkle Einwuerfe runden das Bild einer der Form angemessenen Sprache ab. Das "Drama der Freiheit" wird insgesamt von einem Standpunkt des 20. Jahrhunderts her entwickelt, den Mittelpunkt bildet das Problem der Kontigenz menschlichen Lebens. Es versteht sich von selbst, dass 300 Seiten bei weitem nicht genuegen, dieses Thema auch nur annaehernd umfassend zu behandeln (z. B. etwa haette gerade zum Existenzialismus mehr gesagt werden koennen), aber diesen Anspruch hat das Werk ja auch nicht. Insgesamt ein lesenswetes Buch, das dem philosophischen Laien mit sichere Hand Gedanken grosser Philosophen und Kuenstler zum Problem des "Boesen" leicht verstaendlich aufbereitet und zur weiterfuehrenden Lektuere der Originalliteratur einlaedt, und das ebenso auch sehr gut dem Partyphilosophen als Spick- und Anregungsbuch fuer tiefsinnigen Smalltalk an der Sektbar dienen mag.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von FrizzText HALL OF FAME REZENSENT
Format:Taschenbuch
ob man den makrokosmos der aggression nimmt, den momentanen zusammenstoß der arabischen mit der amerikanischen kultur, oder den mikrokosmos, jenen täglich in betrieben, institutionen, kleingruppen, familien praktizierten mobbing-feldzug gegen den feind jenseits des gartenzauns: das böse ist aus der politik, der soziologie, der psychologie, der anthropologie als grundtatbestand leider nicht hinwegzudenken. dazu benötigt man nicht einmal die erklärungen der bibel, welche von kain und abel, joseph und seinen brüdern, judas und sonstigen mehr oder weniger schwerwiegenden boshaftigkeiten fast auf jeder seite ausschmückend berichtet. safranski führt die phalanx der philosophen aus allen jahrhunderten an, denen von platon bis nietzsche, von kant bis einstein der nämliche chronische verfeindungszustand natürlich auch nicht entgangen ist. neben vielen akribischen detail-analysen hat mich beim lesen u.a. safranskis ausführung verblüfft zum thema arbeits-teilung: die beziehe sich nicht nur auf die gut funktionierende zersägung einer jeden gesellschaft in lebensmittelhersteller, industrie-arbeiter, verwaltungshengste und soldaten - sie bestehe auch darin, dass moralische verantwortung "nach oben" abgegeben werde und alle nachgeordneten skrupellos nur über die jeweilige technische machbarkeit der umsetzung nachdächten. diese diagnostizierte "moderne" arbeitsteilung wirft interpretierende schlaglichter auf das, was wir in heißen militärischen blitzkriegen und kalten mitarbeiter-kündigungen, in hitzigen gefangenen-misshandlungen und unterkühlt-höhnischen mobbing-langsamkeiten als täglichen genuss derer betrachten können, die sich legitimiert fühlen so zu handeln, weil ihr jeweiliger vorgesetzter als ersatzgott es ja so will. mit und ohne bibel: das böse bleibt in der welt. wie man sich dagegen wehren kann? durch hinwegträumen sicherlich nicht - schreibt safranski. man muss die herausforderung des niemals zu eliminierenden bösen unresigniert annehmen, man darf nicht den kopf in den sand stecken: man könnte sonst am anderen ende einen sonst allzu unvorhergesehenen tritt erhalten.
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