"Das Auge des Raben" ist der zweite Roman von Eliot Pattison mit dem Schotten Duncan McCallum und seinem Freund, dem indianischen Schamanen Conawago. Diesmal geht um eine Reihe von brutalen Ritualmorden, aber auch um die Vermessung eines noch unbekannten Landes, um Spiritualität und, viele Jahrzehnte vor dem Kampf um den "wilden Westen", um die Eroberung des östlichen Nordamerikas durch Engländer und Franzosen. Eliot Pattison schildert die Verhältnisse in der neuen Welt sehr anschaulich und geht dabei zugleich detailliert auf die Riten und Bräuche der verschiedenen Indianerstämme ein, insbesondere auf den schamanistischen Glauben, auf mystische Zeichen und uralte rituelle Pfade. Die völlige Respektlosigkeit der Kolonialisten gegenüber den Ureinwohnern erwähnt er ebenso wie die Probleme der Siedler und der Indianer mit dem Alkohol und der Leibeigenschaft. Pattison lässt sich mit seiner Geschichte viel Zeit; man muss sie schon konzentriert lesen, um am Ball zu bleiben. Dies macht "Das Auge des Raben" zu keiner einfachen Kost, aber zu einem interessanten Blick in eine Zeit des Aufbruchs wie der Eroberung. Und statt Wild-West-Romantik bringt uns Eliot Pattison die Perspektive der Native Americans näher. Die kulturellen Unterschiede zwischen den Kolonialisten und den indianischen Ureinwohnern sprechen Bände - über die Besiegten wie über die Eroberer.