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Hauptfigur ist Hans Olofson, dessen Leben in zwei parallel verlaufenden Erzählsträngen geschildert wird. Seine Kindheit und Jugend in der nordschwedischen Provinz verlaufen ebenso banal wie tragisch: Die Mutter hat die Familie vor langer Zeit verlassen, der Vater -- ein ehemaliger Seemann -- schlägt sich als Holzfäller durch und versinkt immer wieder im Alkoholrausch. Hans sucht verzweifelt nach einem Lebensziel, wird mit seiner Orientierungslosigkeit jedoch alleine gelassen.
Seine einzige Freundin ist eine Jahre ältere Frau mit einem entstellten Gesicht. Als sie Selbstmord begeht, beschließt er, ihren Lebenstraum zu erfüllen, nach Afrika zu reisen und auf einer Missionsstation auszuhelfen. Doch die Konfrontation mit dieser ihm völlig fremden Welt erschüttert ihn zutiefst. Nach wenigen Tagen beschließt er, wieder nach Schweden zurückzukehren. Noch ahnt er nicht, dass fast 20 Jahre vergehen werden, bevor er wieder europäischen Boden betreten wird.
Das Auge des Leoparden ist im Original bereits 1990 erschienen, und an manchen Stellen merkt man, dass es Mankell noch etwas an handwerklicher Souveränität mangelt. Dafür sind die Protagonisten stark und unmittelbar gezeichnet, und von der etwas konstruierten Behäbigkeit seiner letzten Romane ist nichts zu spüren. Der Roman ist eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit einer persönlichen Erfahrung, die diese auch für den Leser nachvollziehbar macht. Mankell gelingt es, unterschiedliche Positionen in der Diskussion um das postkoloniale Afrika transparent zu machen. Dabei bleibt er sich seiner eigenen Vorurteile durchaus bewusst und ermöglicht damit dem Leser, selbst Stellung zu beziehen. Ein atmosphärisch dichter, packender Roman, der einigen Stoff zum Nachdenken bietet. --Hannes Riffel
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Schwede in Afrika,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Auge des Leoparden: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Das Auge des Leoparden" ist der erste Roman von Henning Mankell, den ich gelesen habe und ist seit langem endlich wieder einmal ein Buch, das mich berührt und gefesselt hat. Für mich ist die Geschichte des Schweden Hans Olofson, den es schließlich nach Afrika verschlägt, die Geschichte eines Menschen, der es nie schafft, sein Leben bewußt in die Hand zu nehmen sondern sich nur passiv treiben lässt. Obwohl er immer wieder Entscheidungen trifft, sind diese meist das Ergebnis eines plötzlichen Impulses oder einfach nur ein hilfloser Versuch, irgendetwas zu tun.Hans Olofson flieht vor seinem Leben in Schweden, vor seinem trinkenden Vater, einem im Wald gestrandeten Seemann, vor der eigenen Perspektivenlosigkeit als armes Kind der Unterschicht und nicht zuletzt auch vor sich selber und der Notwendigkeit, sich dem Leben zu stellen und etwas daraus zu machen. Der Schwede landet in Afrika, das ihn mehr ängstigt, als alles, was er bisher kennengelernt hat. Er begegnet Armut, Rassismus und Hass, dem Niedergang der Kolonialherrschaft, unüberbrückbaren Differenzen zwischen der armen schwarzen Bevölkerung und den reichen Farmern. In seiner Naivität glaubt Olofson an den Verhältnissen zumindest im kleinen etwas ändern zu können, muß aber mehr und mehr erkennen, wie sinnlos seine Bemühungen sind. Henning Mankell zeichnet hier ein sehr zutreffendes Bild davon, wie verloren und tatsächlich fremd man sich als Europäer im Afrika jenseits der ausgetretenen Touristenpfade fühlt. Für mich ist "Das Auge des Leoparden" ein Buch, über das man noch lange nachdenkt, nachdem man es zu Ende gelesen hat. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Versuch Afrika und sich selbst zu verstehen,
Rezension bezieht sich auf: Das Auge des Leoparden: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Afrikaroman von Henning Mankell „Das Auge des Leoparden" erschien in Schweden bereits 1990. In Deutschland ist es der dritte Afrikaroman nach der „Chronist der Winde" und „Die rote Antilope".„Das Auge des Leoparden" ist größtenteils ein sehr unruhiges Buch, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Geschichte um den Protagonisten Hans Olofson von Mankell als Wechselspiel zwischen seinem Leben in Schweden vor seinem Gang nach Afrika und seinem Leben danach inszeniert wird. Die Unruhe, die dem Buch innewohnt, spiegelt sich aber auch im Charakter Hans Olofsons wieder und scheint daher nicht ungewollt. Schon früh auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens und seinem Platz in der Welt, unternimmt der Sohn eines gestrandeten Seemanns, der von seiner Frau und der Mutter seines Sohnes verlassen, ein unzufriedenes Dasein als Holzfäller fristet und immer mehr dem Alkohol zum Opfer fällt, im Alter von 25 Jahren eine Reise nach Afrika. Kurz sollte sein Aufenthalt in Afrika werden, letztlich vergehen fast 20 Jahre, bis Hans Olofson wieder schwedischen Boden betritt. In dieser Zeit findet Olofson zwar eine Aufgabe, die ihn ausfüllt und seine Energie fordert, dennoch ist er weiter beständig auf der Suche nach sich selbst. In dieser fortdauernden Suche vermischen sich Erlebnisse seiner Jugend in Schweden und sein Bemühen, Afrika und die Mentalität seiner Menschen zu verstehen. Mankell veranschaulicht in „Das Auge des Leoparden" insbesondere die große kulturelle Kluft zwischen Afrika und Europa und zeigt auf, worin beim Versuch Afrika zu verstehen eins der größten Probleme der Europäer liegt. Ein Buch voller Symbolik, das einem Afrika näher bringt, dessen Unruhe sich im Kontext des Buches wiederfindet, letztendlich aber gleichermaßen für den Leser als auch für den Protagonisten nur teilweise weicht. Empfehlenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zwischen den Welten,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Auge des Leoparden: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hans Olofson, gebürtiger Schwede, wollte eigentlich nur für eine kurze Stippvisite nach Afrika, aber nach 20 Jahren, eher zufällig in den Besitz einer Hühnerfarm geraten, lebt er immer noch dort. Seine Ideale von größerer sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit zwischen Schwarz und Weiß sind der Angst gewichen, dass es ihm ähnlich gehen könnte wie einigen seiner weißen Nachbarn, die von Banden ermordet wurden.Was und wieviel Mankell aus seiner eigenen Autobiografie dem Protagonisten auf den Leib geschrieben hat, kann man nur vermuten. Dass zwischen Europäern und Afrikanern nicht nur Unterschiede in der Lebensform und der Denkart bestehen, führt das Buch drastisch vor Augen; darüber hinaus vermittelt es jedoch noch das Gefühl, dass es niemals eine Annäherung geben kann. Selbst Hans Olofson, der das Beste für die Arbeiter auf seiner Farm will, scheitert mit seinen sozialen Plänen, denn das, was er als "das beste" ansieht, hat in den Augen der Afrikaner eine andere Bedeutung. Umgekehrt bleiben ihm die wahren Bedürfnisse und Wünsche der Afrikaner aber auch letztlich verborgen. Alles in allem könnte man daraus eine pessimistische Aussage des Autors über die Verständigung und die Gemeinsamkeit von Schwarz und Weiß, von Europa und Afrika herauslesen, wenn nicht Mankell durch sein eigenes Leben und seine Aufenthalte in Afrika das Gegenteil beweisen würde. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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