Dieses Buch habe ich geschenkt bekommen. Das ist insofern wichtig zu erwähnen, weil ich es sonst vermutlich nie gelesen hätte. Und ohne Frage bin ich während des Lesens zu der Erkenntnis gelangt, das es mehr als nur Schade gewesen wäre, hätte ich dieses Buch und diesen Autor nicht kennen gelernt.
Im Roman geht es um ein ungeheuer tragisches und dennoch fast zufälliges Ereignis, das im Winter 1945 in Holland stattfindet. Der zwölfjährige Anton Steenwijk wird Zeuge, wie der Polizist Ploeg, der mit den Nazis zusammenarbeitet, erschossen wird. Er muss mit ansehen, wie die Nachbarn, vor dessen Haus Ploeg erschossen wurde, die Leiche packen und vor seinem Elternhaus ablegen. Bevor sein Bruder oder seine Eltern Gelegenheit haben, darauf zu reagieren, rollen die ersten Mannschaftswagen der Deutschen die Straße hinunter und die Situation eskaliert. Anton wird von den Soldaten mitgenommen, während seine Eltern und sein Bruder einem mehr als ungewissen Schicksal entgegensehen.
In Fünf Abschnitten aus Antons Leben unterteilt, wirft Mulisch einen fast dokumentarischen Blick zurück auf die Ereignisse und wie sie das Leben von Anton beeinflusst haben. Das ist fast immer spannend und tief bewegend. Mehr als einmal legte ich das Buch beiseite und fragte mich, wie mein Leben durch so ein Ereignis geprägt worden wäre. Natürlich eine rein hypothetische Frage, aber es spricht für dieses Buch, das man sich Begriffen wie Schuld und Sühne, Vergebung und Verdrängung nicht mehr so ohne weiteres entziehen kann. Im Buch dauert es fast Jahrzehnte, bis Anton bereit ist, die Ereignisse nicht mehr zu verdrängen und sich gezielt an eine Aufarbeitung der Vergangenheit heranwagt. Dabei kommen immer mehr Einzelheiten zum Vorschein, die sich, einem Puzzle gleich, zu einem Gesamtbild fügen, das den Eindruck erweckt, das Leben sei manchmal nur eine Anhäufung von katastrophalen Zufällen.
Ein Happy End oder die Aussicht auf Vergebung darf man letztendlich nicht erwarten; wohl aber die eindringliche Botschaft, aus der Vergangenheit zu lernen und niemals wegzuschauen.
Das Attentat ist ein wichtiges und bewegendes Stück Gegenwartsliteratur das unter die Haut geht und vom Leser mehr fordert als nur seine Aufmerksamkeit.